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- Der Neue Mensch -


Jörg Djuren


Die Heile-Welt der MedizinerInnen und KriminologInnen



Kriminologie als Restauration der Norm durch "Rationalisierung"

Welche hat Angst vor dem schwarzen Mann?
Lauernd liegt er hinter Büschen,
im Dunkeln,
schleicht sich an,
wahnsinnig,
zusammengewachsene Augenbrauen.

Doch dann ist es der Bruder,
der Freund, der Arbeitskollege,
der Dozent, der Nachbar,
der Vater.
Wieso?

Wieso ich, wieso Du, wieso sie, wieso wurde sie ermordet, vergewaltigt, gedemütigt. DIE FRAU, da muß sie doch was getan haben.


Was ist uns Dunkel? Was liegt hier im Dunkeln? Wohl nicht der Täter, sondern die Motive, und dort sollen sie auch bleiben, dafür haben wir die Polizei.
Die Polizei sucht nicht nach gesellschaftlichen Ursachen.

Die Polizei fragt nicht, wieso in tausend Filmen FRAUEN gehaßt werden nur weil SIE nicht ihm zur Verfügung stehen.
Die Polizei fragt, warum hat er diese FRAU gehaßt?
Hat ihn seine MUTTER verlassen?
Hat SIE sich ihm verweigert?
Hat SIE ihn erst sexuell stimuliert und dann wollte SIE nicht mehr?
Hatte er psychische Probleme?

Die Polizei fragt nicht, warum KINDER und FRAUEN in tausend Texten als seine Objekte, das Kapital ihres Vaters, Mannes, Geliebten, Beschützers, Richters, sein Kapital, behandelt werden.
Die Polizei fragt, wieso hat er SIE wie ein altes Radio zerschlagen?
Hat SIE ihn betrogen?
Hatte SIE was mit einem anderen Mann?
Wollte SIE ihn verlassen?

Die KommissarIn hat die Aufgabe individuelle Gründe zu konstruieren und ihnen materielle Wahrhaftigkeit zu verschaffen.

Und dabei wissen ALLE warum er es getan hat.

Weil sie DIE FRAU ist, eine FRAU, "die wie ALLE ist", die sie in ihrer geschlechtlichen Sozialisation gelernt haben zu hassen.
Weil SIE Schuld ist, an seinem Elend.
Weil SIE mit gespaltener Zunge spricht.
IHRE Verfügbarkeit wird auf jedem Werbeplakat zur Schau gestellt. SIE meint "Ja" wenn SIE "Nein" sagt, James Bond muß es doch wissen.
Er hat doch nur getan, was ALLE Männer tun würden.

Doch das ist der SCHWARZE MANN hinter dem Busch, nicht ihr weißer Ritter. Ihr weißer Ritter kann das nicht gewesen sein.
Es war wohl der Alkohol.
Da war er nicht mehr er selbst.

Die kriminalpolizeiliche Ermittlung ist darauf ausgerichtet individuelle Motive für eine Tat zu konstruieren. Dies ist gerade bei Mord und sexuellen Delikten die primäre Aufgabe, da Täter und Tatablauf oft klar sind. Die Kriminalpolizei ist in diesem Zusammenhang vor allem eine Institution zur Ideologieproduktion. Sie hat die Aufgabe die gesellschaftliche Normalität zu rekonstruieren, indem sie die Tat auf individuelle Ursachen "zurückführt" und die gesellschaftlichen Herrschafts- und Gewaltverhältnisse systematisch ausblendet. So wird die Tat in ihrem Durchlauf durch die Verpolizeilichung immer als Abweichung von der Norm konstruiert und nicht als Erfüllung der patriarchal sexistischen Gewalt, die in die Norm, dieser Gesellschaft, eingeschrieben ist.
Die Gewaltverhältnisse, die die menschlichen Beziehung in dieser Gesellschaft wesentlich mit bestimmen, werden auf diese Weise entnannt. Ihr Aufscheinen in der Tat wird durch die Individualisierung in der Bennenung als Beziehungsdelikte und die kriminologische, allein auf die Einzelnen, bezogene Rationalisierung verdrängt.

Diese Funktion erfüllt nicht nur die reale Polizeiarbeit sondern auch ihre Imagination, die in vielfältigen Kriminalfilmen und -büchern, ebenfalls meist nichts anderes erzählt. als die Schuldzuweisung an einzelne abweichende Individuen, um so die gewalttätige Norm dieser Gesellschaft als an sich paradiesischen herrschaftsfreien Raum zu verschleiern. Die Norm wird als heile Welt konstruiert durch die kriminologische Ausgrenzung des "Bösen".
Die Schuld wird so auf einzelne schlechte Individuen abgeladen, deren Ausgrenzung und in der logischen Folge auch Ausrottung dann nur noch eine Frage der Konsequenz ist. Auch in diesem Sinn liegt in dieser Form der Kriminalisierung ein Keim faschistischer, sexistischer und rassistischer Politiken.

Dabei ist es ausgehend von den Aussagen der Täter (z.B. Alberto Godenzi - Bieder, brutal - Zürich, 1989) umgekehrt, im Moment der Gewalt hört SIE auf für ihn die Gekannte, die Geliebte, zu sein und wird zum austauschbaren Objekt. (Sexuelle) Gewalt in der Ehe, in der Beziehung, findet dort statt, wo SIE aufhört für ihn diejenige zu sein, die ihm Nahe ist, und zu einer FRAU wird, mit der ihn nur noch Besitzansprüche verbinden.
Im Moment der Tat kennt er SIE nicht mehr, sie ist für ihn nur noch die FRAU, die TOCHTER, das KIND, aber nicht mehr diejenige, mit der er zusammen gelacht und geweint hat. SIE ist nur noch eine Funktion, ein symbolischer Platzhalter, daß OBJEKT, das ihm zur Verfügung zu stehen hat.

Beziehungsdelikte haben mit Beziehungen nichts zu tun, sie sind vielmehr Ausdruck der allgemeinen Gewalttätigkeit der gesellschaftlichen Verhältnisse, die gerade dann im Zusammenleben zum Ausdruck kommt, wenn eine Beziehung aufhört zu existieren, Abhängigkeiten aber bleiben.

Das entschuldet nicht die individuellen Täter, denn jede Tat basiert auf einer individuellen Entscheidung.
Die grundlegenden Ursachen sind aber nicht individuell.

Die Aufgabe der Kriminalpolizei ist es gerade diesen Zusammenhang zwischen Tat und gesellschaftlichen Gewaltverhältnissen zu vertuschen.




Medizinalisierung der Opfer und Täter

Die Gesellschaft wäscht ihre Hände in Unschuld, die TÄTER sind immer die ANDEREN, die KRANKEN, die ABNORMEN und auch die OPFER werden zunehmend als ANDERE gedacht, keine von uns.

Die Individualisierung der Ursachen von Gewalt durch die Kriminologie greift ineinander mit der Rede von Norm und Abweichung in der Medizin. Das Kriminelle wird als Krankheit, als (medizinisch) zu behandelndes Defizit gedacht.
Die auf die Menschen bezogenen Vermessungstechniken sind in beiden Praxen eng miteinander verbunden. Dies gilt für die Deutungen der Physiognomie im späten 19ten Jahrhundert, für die Rassenideologie, die Eugenik des Nationalsozialismus und findet seine Fortsetzung in den Diskursen über individuelle psycho- und sozialpathologische Strukturen. Heute werden auch diese wieder biologisiert in dem neurologische und genetische Ursachen behauptet werden. Damit nähert sich diese Ideologie wieder den medizinisch-pharmakologischen Techniken und der Eugenik.

Die Medizinalisierung ist dabei ein entscheidendes Moment zur Ausblendung gesellschaftlicher Gewaltverhältnisse. Sie trifft zunehmend nicht nur die Täter sondern auch die Opfer. Das Opfer wird als Teil eines kranken Beziehungsgefüges gedacht. Der Versuch die Zusammenhänge von Herrschaft und Gewalt politisch zu denken ist in eine Abwertung des Opfers umgeschlagen.
Deutlich wird dies an Konstrukten wie der Inzestfamilie oder dem Umgang mit (weiblichen) Opfern von Gewalt in Beziehungen. Obwohl in den 70er und 80er Jahren die gesellschaftlichen Ursachen dieser Gewalt richtig benannt wurden, scheiterte der Versuch die gesellschaftlichen Verhältnisse in einem antisexistischen Sinn zu ändern in den 90er Jahren in wesentlichen Bereichen am aufkommenden neoliberalen Paradigma. Gerade die Initiativen, die versucht hatten politische Änderungen durchzusetzen, waren nun auf reine Betreuungsarbeit der Betroffenen von Gewalt zurückgeworfen. Die gesellschaftlichen Verhältnisse erschienen zunehmend unveränderbar. Als Schlußfolgerung wurde versucht die Betroffenen von Gewalt individuell zu ermächtigen mit den herrschenden Verhältnissen besser zu Recht zu kommen. Dies führte aber dazu, daß auch Erfahrungen von Gewalt zunehmend auf individuell defizitäres Verhalten zurückgeführt wurde. Zentral war dabei der psychologisierend-medizinische Umgang mit den Opfern in einem therapeutischen Hierarchieverhältnis.
Das medizinische TäterInnenkonstrukt wurde durch ein medizinischen Opferkonstrukt ergänzt. Besonders stark tritt dies zu Tage wenn das Opfer auch noch ein von der Norm abweichendes Veralten an den Tag legt und dabei vielleicht sogar noch offensiv agiert.

Dies zusammengedacht mit dem neuen Biologismus der Genetik und Neurologie, der Zunahmen der Verabreichung psychopharmakologischer Substanzen, der Widereinführung von Elektroschock"therapie", der sozio-medizinischen Totalverdatung, läßt es für Menschen zu einem Risiko werden sich als Opfer von Gewalt zu erkennen zu geben und gar Hilfe einzufordern.

Die Ausgrenzung der Gewalt aus der Norm durch ihre Psychopathologisierung und die damit einhergehende Verhinderung einer Auseinandersetzung mit den gesellschaftlichen Gewaltverhältnissen ist eine Grundvoraussetzung für die ungestörte Fortsetzung der Reproduktion dieser Gewaltverhältnisse im gesellschaftlichen Alltag. Die Verbindung z.B. von Sexualität, vor allem gegen Frauen gerichtete Gewalt, Aggression und Konsum als positive Identifikation in der Werbung und in Filmen und in der Pornographie wird in ihrer sozialisatorischen Wirkung, ihrer Wirkung bei der Produktion von Verhaltensnormen, so höchstens noch im Rahmen der Ausbildung von Psychopathologien betrachtet aber nicht mehr in ihrer Bedeutung für die gesellschaftliche Normalität.
Die gesellschaftliche Normalität wird auch durch die medizinischen Diskurse zur "Heilen Welt" stilisiert.

MedizinerInnen und TherapheutInnen setzen dabei ihr Deutungsmonopol zum Teil auch agressiv durch. Menschen (Frauen), die diese Zusammenhänge kritisieren und auf der Bedeutung allgemeiner gesellschaftlicher Gewaltverhältnisse beharren und die Psychopathologien grundsätzlich in Frage stellen müssen selbst mit Ihrer Psychopathologisierung, "hysterisch", "paranoid", "defizitäre Sexualentwicklung", "wahrscheinlich selbst Opfer", leben.

Dabei geht es hier immer um die öffentliche Wirkung von Medizin und Psychologie nicht um das Handeln jeder einzelnen TherapeutIn. Therapie und andere medizinische freiwillige Angebote können für Betroffene durchaus im Einzelnen sinnvoll sein. Die Gefahr liegt in ihrer Verallgemeinerung. Die medizinischen und psychologischen Therapien haben auf die Ursachen von Gewalt keinen Einfluß und für diese auch keinerlei Erklärungskraft. Sie helfen aber eventuell Betroffenen auf Gewalt anders zu reagieren und sich selbst besser zu schützen.




(Sexuelle) Gewalterfahrung als Problem der mangelnden Optimierung des (weiblichen) Selbstmanagements

Wenn IHR sowas passiert, dann stimmt da doch was nicht, dann hat SIE doch was falsch gemacht.

SIE hat ihr Leben nicht im Griff.

Einer FRAU von heute passiert das nicht, dazu sind DIE viel zu selbstbewußt. DIE lassen sich nicht mehr zum Opfer machen.
AUSLÄNDISCHE FRAUEN, ja, die brauchen UNSERE Hilfe. Aber VIELE wollen sich ja gar nicht helfen lassen.

Wieso hat SIE sich denn das von ihm gefallen lassen? DIE MÄNNER mußt DU erziehen.


Die Rede, von der FRAU als Opfer ist heute bzgl. deutscher FRAUEN abgelöst wurden durch neue-alte Verantwortungszuschreibungen, die SIE für ALLES verantwortlich machen.
War es in früheren Zeiten IHR zu freizügiges sexuelles Auftreten, Hilflosigkeit und Naivität, die IHR als selbstverschuldeter Grund untergeschoben wurden, ist es nun das Konstrukt IHRER mangelnden Souveränität im Umgang mit (sexualisierten) Situationen, die SIE als Schuldige dastehen läßt.
SIE bekommt die Verantwortung zugeschoben die Beziehungssituation aber auch die Alltagssituation souverän zu kontrollieren, sexuell attraktiv, schlagfertig und selbstbewußt muß SIE allzeit bereit sein.

Die Täter werden so wieder einmal aus der Verantwortung entlassen. SIE hätte seine Defizite doch rechtzeitig erkennen müssen und Vorsorge treffen müssen.

Durch die Mischung der polizeilichen Konstrukte mit dem psychologisch-medizinischen Diskurs wird das Problem der Gewalt als Problem des Täters und des Opfers und ihrer Beziehung entsorgt. Und da die Täter nicht oder nur schwer erreichbar sind, vor allem als Konstrukt mangelnder Situationskontrolle durch die FRAU konzipiert.

Eine Thematisierung der gesellschaftlichen Verhältnisse findet nicht statt. Verhältnisse die IHR eine Verantwortung aufbürden der SIE nie gerecht werden kann.
Meidet SIE Situation, ist SIE frigide und unsouverän und damit Schuld an Gewalt, die SIE erfährt.
Läßt SIE sich ein, ist SIE sowieso verantwortlich.

Und thematisieren darf SIE erlebte Gewalt oder sexistische Abwertung auch nicht, will sie nicht als unsouverän und defizitär dastehen.

Außer SIE sagt es war der ANDERE MANN, der AUSLÄNDISCHE MANN. AUSLÄNDISCHE MÄNNER sind eine Gefahr.
ALLE haben Mitleid mit IHR, der ausländischen FRAU. Auch deutsche Männer wollen IHR nur helfen. Selbst deutsche Prostitutionstouristen geben an, daß SIE den FRAUEN einen Dienst erweisen, den AUSLÄNDISCHEN FRAUEN ermöglichen ihre Familien zu ernähren, da die AUSLÄNDISCHEN MÄNNER alle IHRE FRAUEN sitzen lassen.

Wenn die Frauenmorde deutscher Männer als Beziehungsdelikte individualisiert werden und gleichzeitig die Frauenmorde ausländischer Männer als Ehrenmorde zum Fokus gesellschaftlicher Aufmerksamkeit für patriarchale Gewalt werden, dann ist dies nicht nur rassistisch. Der rassistische Fokus dient hier auch einmal mehr der Ausblendung sexistischer Gewalt- und Abhängigkeitsverhältnisse innerhalb der deutschen Mittelschichtsgesellschaft.

Das heißt nicht, daß es nicht einen spezifischen Sexismus ausgegrenzter Unterschichtsmänner und Migranten gibt, aber dies ist eben nur ein Teil der Realität.




Redetabus für Opfer und Betroffene

Wenn Dich das so beschäftigt solltest Du vielleicht professionelle Hilfe in Anspruch nehmen.

Ich verstehe ja sehr gut, daß SIE hier als Opfer dieser Gewalt dies so zuspitzen und ich denke auch ALLE hier haben da Verständnis für SIE.

Aus den OPFERN werden ohne therapeutische Hilfe häufig selber TäterInnen.


Betroffene von Gewalt in Nahbeziehungen, ob sie nun selbst Opfer der Gewalt waren oder einem Mord- oder Gewaltopfer nahestehen, werden durch die gesellschaftlich dominante Rede, sobald sie sich zu erkennen geben, systematisch abgewertet. Sie werden durch die Projektion der Gewaltursachen auf die Beziehungsstrukturen des Opfers, als Teil dieser Beziehungsstrukturen, selbst als defizitär betrachtet und entsprechend behandelt.
Dies kann sich im geheuchelten Verständnis und der "mitleidigen" Abwertung IHRER Argumente ausdrücken. Einem "Mitleid" das vorgibt, Betroffene in einer argumentativen Auseinandersetzung zu IHREM eigenen Schutz nicht Ernst zu nehmen, real aber als Schutz dient, die eigene Eingebundenheit in die gewalttätige Norm vor der Aufdeckung durch die Opfer zu schützen.
Die Abwertung kann sich aber auch aggressiv gegen die Betroffenen von Gewalt richten, in dem diese, z.B. durch den Mythos der Inzestfamilie, psychopathologisiert und als psychisch defizitäre potentielle TäterInnen stigmatisiert werden.

Der Thematisierung struktureller Gewalt durch die Betroffenen wird zumindest zum Teil auch eine Haltung entgegengesetzt, die das Sprechen der Betroffenen von Gewalt grundsätzlich in hierarchische psychotherapeutische Diskurse verweist und damit eine politische Auseinandersetzung unterbindet.

Anerkennung finden (weibliche) OPFER in öffentlichen Zusammenhängen in der Regel nur, wenn sie das Stigma akzeptieren und sich als inzwischen psychisch geheilte, die ihre defizitären Verhaltensweisen überwunden haben, präsentieren.
Die ehemals religiöse Schuldzuweisung an die (weiblichen) OPFER als Verworfene und Unreine wird in einen psychosozialen Schulddiskurs, der sich explizit auch auf die (weiblichen) OPFER bezieht, überführt.

In der Konsequenz ist dies ein Teil der Begründungsmuster, die zu niedrigen Strafen für Männer, die Gewalt ausüben und FRAUEN töten, und zu hohen Strafen für FRAUEN, die sich wehren und Männer in Gegenwehr töten, auch heute noch vor Gericht führen. SIE, die FRAU, trifft in diesem Denken immer Schuld. Und ein (weibliches) OPFER, daß selbstständig handelt und nicht gerettet werden will, muß außerdem gemaßregelt werden. Im Film ereilt solche selbsttätigen (weiblichen) OPFER im Regelfall ein früher und grausamer Tod. Die darin liegende Drohung ist nur allzu ernst zu nehmen.

Im Gegensatz dazu sind Männer in diesem Denken als OPFER inakzeptabel, unmännlich. Erst in der Überwindung ihres Opferstatus werden sie als Männer akzeptabel, selbst wenn das paradoxerweise voraussetzt, das sie "ihren Tod wählen" um nicht mehr OPFER zu sein sondern HELD zu werden.

Der männliche MÄRTYRERkult ist kein Spezifikum des Islam.

All diese Zusammenhänge sind vom medizinisch-kriminologisch-psychologischen Diskurs und seinen Normsetzungen nicht zu trennen.



(Hannover - Januar, 2006)




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Dies ist eine Seite des AK-ANNA

Anmerkung zum Thema Medizin und Norm, zur Frage der Therapeutisierung sozialer Normen














































Zuletzt aktualisiert 30.05.10

Webmistress





















Therapeutisierung Medizin Norm. 'Polizeiliche Ermittlungsarbeit und medizinische Kranheitsnormen als Mittel der Rekonstruktion der Norm'. Stichworte: Norm Polizei Krankheit Medizin Opfer Täter Inzestfamilie krank gesund antifeministische Gewalt Entpolitisierung Seximus










Medizin und Norm, zur Frage der Therapeutisierung sozialer Normen

Vertrauen Sie der Medizin?
Vertrauen Sie DER MEDIZIN.

Die Medizin weiß was gut für Sie ist, die Medizin setzt die Norm,
die Norm für die Penislänge,
die Norm für die Klitorisgröße,
die Norm für Körpergröße,
die Norm für die Busengröße,
die Norm für Körperbehaarung,
die Norm für Erektionsdauer,
die Norm für geschlechtliche Verhaltensweisen.

Sie verweigern diese Normen der Medizin? Sie meinen, das geht die Medizin gar nichts an?
Da haben Sie wohl eine Geschlechtsidentitätsstörung und bedürfen der Therapeutisierung.
Sie meinen, dies sind keine medizinischen Fragen, sondern soziale Normen?
Vorsicht, da könnten Sie als therapieresistent diagnostiziert werden. Solche Leute müssen mit sanften Druck, z.B. durch Psychopharmaka, zur Einsicht gebracht werden. Zumindest wenn es sich um Kinder/Jugendliche handelt.

Sie meinen, das war früher?
Die Norm für Geschlechtsidentität, die 'Krankheit' Geschlechtsidentitätsstörung wurde erst in den 80er Jahren mit Diagnosekriterien neu konzipiert und in die internationalen medizinischen Diagnoserichtlinien aufgenommen.
Ein medizinisches Diagnosekriterium bei Jungen für eine Geschlechtsidentitätsstörung ist nach diesen Kriterien, das 'im Sitzen Pinkeln'. Wollen Sie etwa bezweifeln, daß dies ein medizinisch sinnvolles Kriterium ist?
Ein medizinisches Diagnosekriterium bei Mädchen für eine Geschlechtsidentitätsstörung ist 'rough and tumble play'. Wollen Sie etwa bezweifeln, daß dies ein medizinisch sinnvolles Kriterium ist?

Sie meinen, die Medizin betreibt hier das Geschäft reaktionärer geschlechtlicher Normierung? Sie meinen, die Medizin würde hier mit dem Mittel der Therapeutisierung soziale Geschlechternormen durchsetzen?
Sie halten das für einen Mißbrauch von Therapeutisierung für die Durchsetzung politischer Ziele, der heterosexistischen Formierung der Gesellschaft?
Wahrscheinlich haben Sie nach der Norm der Medizin selbst eine Geschlechtsidentitätsstörung, vielleicht sogar auffällige neurologische Abweichungen. Auch sie bedürfen der Therapeutisierung.
Die Therapeutisierung ist doch nur als Hilfe für Sie gedacht.
Ihre Angst vor der Therapeutisierung macht nur ihre innere Abwehr gegenüber der Einsicht in notwendige Heilungsprozesse deutlich.
Leider ist es schwer Erwachsene zwangsweise einer Therapeutisierung zuzuführen. Bei Kindern ist das zum Glück einfacher.

Wo kämen wir dahin, wenn einfach alle medizinische Normen mißachten würden?

Sie verhalten sich medizinisch geschlechtlich völlig normal, sie schauen immer Playboy-Mansion und wissen deshalb, wie sie sich zu verhalten haben?
Gut, aber;

Haben Sie Ihren Busen nachgemessen, entspricht Ihr Busen der medizinischen Norm, ist er groß genug?
Haben Sie Ihren Penis im erigierten Zustand gemessen, entspricht Ihr Penis der medizinischen Norm, ist er groß genug?
Haben Sie Ihre Klitoris gemessen, entspricht sie der medizinischen Norm, ist sie auch nicht zu groß?
Wie groß sind Sie als Frau, entsprechen Sie der medizinischen Norm, sind Sie auch nicht zu groß?
Wie lange bleibt als Mann Ihr Penis erigiert, entsprechen dies der medizinischen Norm, ist das auch nicht zu kurz?
Wie ist das als Frau bei Ihnen mit Körperbehaarung, entsprechen Sie der medizinischen Norm, oder sind sie mehr der Typ Äffin?

Sie halten sich für völlig in Ordnung so wie sie sind? Und sie meinen, dies wären alles schwachsinnige soziale Normen und mit Medizin hätte das nichts zu tun? Sie meinen dies wäre Therapeutisierung zur Durchsetzung gesellschaftlicher Zwänge? Sie halten diesen medizinischen Normierungspraxen, diese Form der Therapeutisierung von gesunden Körpern für kriminell?
Wir finden schon noch was, um Ihr Selbstbewußtsein zu untergraben und ihnen Hormone, Operation oder Potenzmittel zu verkaufen. Da wir als medizinische Pharmaindustrie inzwischen eng mit der Kosmetikindustrie kooperieren werden wir auch Ihnen schon noch mit Werbung, Filmen, Bildmanipulationen u.a. Ihr Selbstbewußtsein als Frau nehmen.
Und auch Männer lassen sich gerade in ökonomischen Krisensituationen durch medizinischen Normen im sexuellen Bereich leicht verunsichern, wir machen schon unsere Geschäfte.
Sie werden nicht davon kommen.

Und Jugendliche lassen sich zum Glück leichter verunsichern. Und, was Fritzchen lernt, verlernt Fritz nicht mehr. Die medizinische Therapeutisierung von Kindern und Jugendlichen garantiert uns die Zukunft. Die medizinische Therapeutisierung von Kindern und Jugendlichen ist unser eigentlicher Wachstumsmarkt, das ist genauso wie bei der Zigarettenindustrie, nur haben wir die Ärzte auf unserer Seite, wir zahlen ja auch gut dafür.

Die Therapeutisierung der Welt ist unser Geschäft. Die Therapeutisierung immer weiterer Bereiche garantiert unser Wachstum.
Seien Sie doch froh, die Therapeutisierung, auch Ihre Therapeutisierung, garantiert Arbeitsplätze in Deutschland. Von der Therapeutisierung profitieren doch Alle, Sie bekommen einen größeren Busen, Penis, usw. und wir Geld.

Und es gibt noch viele Möglichkeiten für die Erweiterung und Verschärfung medizinischer Normen.

Mit freundlichen Grüßen Ihr Komplex der Medizin- und Kosmetikindustrien


J.Djuren
Hannover 2008






Und noch ein paar Links, was so im Netz zu finden ist zu den Stichworten Therapeutisierung, Medizin & Norm;

- Unter - 1. Link zu den Stichworten Therapeutisierung, Medizin & Norm -, - 2. Link zu den Stichworten Therapeutisierung, Medizin & Norm -, - 3. Link zu den Stichworten Therapeutisierung, Medizin & Norm -, - 4. Link zu den Stichworten Therapeutisierung, Medizin & Norm -, - 5. Link zu den Stichworten Therapeutisierung, Medizin & Norm -, - 6. Link zu den Stichworten Therapeutisierung, Medizin & Norm -, - 7. Link zu den Stichworten Therapeutisierung, Medizin & Norm -, - 8. Link zu den Stichworten Therapeutisierung, Medizin & Norm -, - 9. Link zu den Stichworten Therapeutisierung, Medizin & Norm -, - 10. Link zu den Stichworten Therapeutisierung, Medizin & Norm -, - 11. Link zu den Stichworten Therapeutisierung, Medizin & Norm -, - 12. Link zu den Stichworten Therapeutisierung, Medizin & Norm - und - 13. Link zu den Stichworten Therapeutisierung, Medizin & Norm - findet Ihr, teils recht interessante teils fragwürdig konservative (z.B. Texte, die émehr Religion' einfordern oder der Esoterikszene zuzuordnen sind), Texte und infos zur Kritik der Therapeutisierung, daß heißt der Ausweitung des medizinischen Zugriffs auf Menschen in vielen Lebensbereichen. Und hier findet Ihr Texte und Infos. zur Auseinandersetzung mit der Kritik der Therapeutisierung.

- Unter - 14. Link zu den Stichworten Therapeutisierung, Medizin & Norm -, - 15. Link zu den Stichworten Therapeutisierung, Medizin & Norm -, - 16. Link zu den Stichworten Therapeutisierung, Medizin & Norm -, - 17. Link zu den Stichworten Therapeutisierung, Medizin & Norm - und - 18. Link zu den Stichworten Therapeutisierung, Medizin & Norm - findet Texte und Infos, die sich mit der Frage Therapeutisierung im Kontext anderer Fragen befassen.

- Unter - 19. Link zu den Stichworten Therapeutisierung, Medizin & Norm -, - www.datadiwan.de/stiftung_paracelsus/sp_024d_.htm" target="_blank" title="Externer Link, eine inhaltliche Verantwortung wird nicht übernommen!">19. Link zu den Stichworten Therapeutisierung, Medizin & Norm -, - 20. Link zu den Stichworten Therapeutisierung, Medizin & Norm -, - 21. Link zu den Stichworten Therapeutisierung, Medizin & Norm - und - 22. Link zu den Stichworten Therapeutisierung, Medizin & Norm - findet Ihr Texte und Infos zu dem Themenbereich Medizin und Normierung.




























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