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Als der Computer hysterisch wurde erschoß
sich der Atomphysiker/die Atomphysikerin, da für einen solchen Fall keine
Lösung in seinen/ihren Genen programmiert war.
Literaturliste
zum runterladen als Word, als PDF
Diese Literaturliste zeigt die
Texte die im AK-ANNA in Lutter, Hannover und Berlin diskutiert oder
andiskutiert wurden. Die Kommentierung ist eine individuelle Meinung - andere
werden dies anders sehen -, sie gibt aber auch Hinweise auf Inhalt und Art der
Texte. Die Liste kann auch sehr gut als Einstieg in die feministische
Naturwissenschaftskritik verwandt werden, soweit es um die Kritik der
erkenntnistheoretischen Ansätze in den Naturwissenschaften geht. Zwar gibt es
auch in diesem Bereich weitere Texte, die meisten können aber erschlossen
werden, durch das Weiterhangeln an Hand der Quellenverweise, die wiederum in
den hiergenannten Texten zu finden sind. Dies gilt aber leider nur für den
deutschen und englischen Sprachraum. Texte aus Frankreich und anderen Ländern,
obwohl auch dort Interessantes passiert, sind so gut wie gar nicht übersetzt zu
bekommen. Auch dies ist eine Form kulturellen Imperialismusses und eine
Zensurpraxis. Verweisen will ich hier deshalb speziell auf einen Text von Jeanne Peiffer 'Nature - elle -
ment einige Ansätze feministischer
Kritik der Naturwissenschaften in Frankreich' (in: Orland, Barbara/Scheich, Elvira [Hg.] - Das Geschlecht der Natur
- Frankfurt a.M. 1995). Außerdem hier noch einmal vorab der Hinweis auf die feministische
Zeitschrift Koryphäe - Zeitschrift für
Frauen in zu Naturwissenschaft und Technik und auf die Schriftenreihe von NUT - Verband von
Frauen in Naturwissenschaft und Technik. Und für Alle mit guten Englischkentnissen
der Hinweis auf die Zeitschrift Social Studies of Science. Wir haben an
verschiedenen Stellen Texte aus diesen Zusammenhängen diskutiert, die hier
nicht alle aufgeführt sind.
Soweit uns bekannt, haben wir
die Texte, falls sie im Netz verfügbar waren, verlinkt.
Aus dem gesamten Bereich
feministischer und allgemeiner Naturwissenschaftskritik gibt es inzwischen eine
unüberschaubare Menge an Texten, zur Frage nach Alternativen leider aber außer
esoterischem Müll und Texten deutschtümelnder Ingenieure so gut wie nichts. Die
Wissenschaftssoziologin Susan Leigh Star bezeichnet die Naturwissenschaft als
die Religion unserer Zeit, dies mag eklären wieso es vielen so schwer erscheint
sich Alternativen auch nur vorzustellen.
Einige interessante Texte zu
Alternativen findet Ihr auf unseren Seiten. Alle Texte, die aus dem
Arbeitszusammenhang des AK-ANNA heraus entstanden sind, findet Ihr auf der
Seite - http://ak-anna.org/texte.htm - als PDF und HTML Versionen - insgesamt
ca. 500 Seiten Texte zu Themen der Naturwissenschaftskritik aber eben auch zur
Frage nach Alternativen -.
Zum Schluß dieser Einleitung noch eine Anmerkung. Unter den Literaturhinweisen auf dieser Seite findet sich relativ wenig aus ökofeministischer Richtung. Das hängt damit zusammen das diese Seite aus einem anarchistischen Selbstverständnis, aus der Erfahrung von Gewaltverhältnissen und dem Widerstand dagegen heraus formuliert wurde. Gewalt, die sich in vielen Fällen gerade als Disziplinartechnik durch Menschen, die sich Zugriffsbefugnisse anmaßen (Familie/Medizin, ..), unter dem Vorwand, "Es ist doch nur zu Deinem Besten!", ausgeübt wird. Als Beispiele läßt sich hier auf die Gewalt gegen Intersexuelle (Die operativen 'normalisierenden' Eingriffe bei intersexuellen Kleinkindern), auf Gewalt gegen Opfer sexueller Gewalt (Z.B. wenn sie auf Grund der Gewalterfahrung eine abweichende Sexualität entwickelt haben, heterosexuell nicht mehr funktionieren, und zur Widerherstellung der sexuellen 'Normalität' psychphatologisiert werden) oder auf Sozialisationsgewalt gegen 'weibliche' und 'männliche' Kinder verweisen. All diesen Gewaltverhältnissen ist gemeinsam, daß sie durch eine Norm des 'richtigen', 'heilen', 'guten', sei es des 'gesunden' und 'natürlichen' heterosexuellen Leibes, einer 'heilen' Sexualität oder des 'richtigen' geschlechtlichen Verhaltens, oder durch die Zuweisung eines Geschlechts als 'Frau' oder 'Mann' legitimiert werden.
Jede Theorie und Praxis, die absolute Normen des 'richtigen', 'heilen' und 'gesunden' oder des 'natürlichen' behauptet, beinhaltet derartige gewalttätige machtförmige totalitäre Ausschlußpraxen. Dies gilt für die Naturwissenschaft als religiöse Praxis, dies gilt leider auch für große Teile des Ökofeminismus. Obwohl Ökofeministinnen wie Vandana Shiva oder Maria Mies glaubwürdig in Basisbewegungen für eine alternative Wissenspraxis arbeiten, sind die damit einhergehenden sexuellen und geschlechtlichen Normsetzungen inakzeptabel. Z.B. die ökofeministische Festsetzung, daß 'Frauen', wenn sie denn nur im richtigen Ambiente des ökofeministischen Utopia leben, 'glückliche' Mütter zu sein haben.
Und nun die Literaturhinweise im Detail - Texte zu den
Themen
- Naturwissenschafts- und Technologiekritik Allgemein, Alternativen
- Kritik der Physik und Meteorologie, Alternativen
- Kritik der Biologie und Genetik, Alternativen
- Kritik der Mathematik, Mathematiken anderer Kulturen
- Kritik der Informatik, Computertechnik und
Systemtheorie
- Kritik der Medizin, Medizin anderer Kulturen
- Naturwissenschafts- und Technologiekritik Allgemein, Alternativen
Anderson, Warwick (home)
- Postcolonial Technoscience - in: Social Studies of Science - Vol. 32 Nos 5-6 - London 2002 - Internetpublikation - (Text - http://sts.nthu.edu.tw/~tsts/W-paper/Poco_Techno_Final_ms%5B1%5DWarwick.htm)
In dieser Einleitung der Ausgabe von Social Studies of Science zum Thema Postcolonioal Technoscience führt der Autor aus, was unter einem Ansatz postkolonialer Kritik von Naturwissenschaft und Technik verstanden werden könnte.
Barad, Karen (home)
- Re(con)figuring Space, Time, and Matter - in: De Koven, Marianne [Ed.] - Feminist Locations - Seite 75-109 - New Brunswick 2001
In diesem Artikel versucht Karen Barad ihren Ansatz des Agential Realism, den sie für die Physik entwickelt hat, auf gesellschaftliche Fragen zu übertragen.
Agential Realism setzt als Grundaussage, daß nur die Gesamtheit von Experiment und Realität eine objektive Aussage produziert, die Aussage also unabhängig von den konkreten empirischen Techniken ihre Bedeutung verliert. Durch das Festhalten an einer objektiven Aussage werden aber alle ideologischen Machtwirkungen letztendlich ausgeblendet, die Produktionsbedingungen, die Interessen, die Intentionen, die zur Produktion einer bestimmten Wahrheit führen, sind nicht mehr thematisierbar. Das heißt der ideologische Gehalt jedweder Aussage auch in den Naturwissenschaften wird abgestritten. Übertragen auf die Analyse gesellschaftlicher Prozesse führt dies zu einer Analyse die grundlegende Alternativen, die von abweichenden ideologischen Setzungen ausgehen nicht mehr denken kann. Die Analyse, obwohl auf die Einzelsituation zugeschnitten, bleibt herrschaftsaffirmativ.
Campbell, Kirsten (home)
- The Promise of Feminist Reflexivities: Developing Donna Haraway's Project for Feminist Science Studies - in: Hypatia - Vol. 19 No. 1 - 2004
Die Autorin analysiert den Unterschied des epistemologischen Ansatzes von Donna Haraway in Abgrenzung zum Konstruktivismus der Science Studies. Sie arbeitet dabei interessant heraus, welche Vorzüge der Ansatz Donna Haraways für die feministische Wissenschaft hat. Darüber hinaus weist sie aber auch auf Auslassungen Haraways hin. Die Schlußfolgerungen am Ende des Textes fallen leider hinter dem Gesamtniveau des Textes zurück. Letztendlich rekurriert sie in diesem Teil auf den demokratischen Diskurs humanistischer Subjekt als Ausgangspunkt der Aufstellung eines Regelwerkes für feministische Wissenschaft.
Haraway, Donna (home)
- Anspruchsloser Zeuge@ Zweites Jahrtausend. FrauMannc
trifft OncoMouseTM - in: Scheich, Elvira [Hg.] - Vermittelte
Weiblichkeit: Feministische Wissenschafts- und Gesellschaftstheorie - Hamburg
1996
Haraway, Donna (home) - Ein Manifest für Cyborgs - in: Haraway, Donna - Die Neuerfindung der
Natur: Körper, Text, Metapher - Frankfurt a.M. 1995 - Internetpublikation - (Text - http://www.stanford.edu/dept/HPS/Haraway/CyborgManifesto.html bzw. dt. Text - http://www.hermeneia.ch/cyborgmanifesto.pdf)
Die beiden Texte von Donna Haraway geben ausgehend von einer fundierten Kritik an den herrschenden erkenntnistheoretischen Vorstellungen in den Naturwissenschaften ihren Ansatz wieder in der Cyborgisierung der Gesellschaft eine Hoffnung auf die Unterminierung des männlich humanistischen Subjekts zu sehen. Letztendlich basiert ihr Ansatz darauf, daß sie hofft, daß in den naturwissenschaftlichen Produktivkräften sich ein Überschuß entwickelt, der dazu genutzt werden kann, die gesellschaftlichen Herrschaftsverhältnisse zum Einsturz zu bringen - also auf der klassisch marxistischen Revolutionshoffnung. Die Texte sind interessant aber nicht einfach zu lesen.
Das Manifest für Cyborgs ist im Vergleich zu radikaleren Ansätzen der Kritik des humanistischen identitätslogischen Projektes aus den 60er und 70er Jahren ein sehr biederer und konservativ simplifizierender Ansatz. Donna Haraway ignoriert nicht nur diese frühe radikale Kritik am humanistischen Projekt, z.B. die frühen Texte von Julia Kristeva (- "Semiologie - kritische Wissenschaft und/oder Wissenschaftskritik" -), Luce Irigaray (- "Das Geschlecht, das nicht eins ist" -) und Jean Baudrillard (- "Der symbolische Tausch und der Tod" -) - siehe unter dem Punkt - Philosophische Texte - in dieser Literaturliste -, sie kann auch nur durch diese Ausblendung ihren eigenen Ansatz als innovativ verkaufen. Die frühe Kritik hatte sehr klar eine Außerkraftsetzung der identitätslogischen Praxis gefordert im Sinne einer permanente kritischen Infragestellung in der eigenen Textpraxis. Haraway hingegen geht es gerade klassisch marxistisch um die Rettung dieser Identitätslogik, in dem sie sie als Cyborgselbst multibel reproduzieren will. Statt eines kritischen Rückbezuges der Logik auf sich selbst und einer permanenten revolutionären Praxis kommt es so zur Rettung des reaktionären identitätslogischen Projektes. Die Cyborg definiert sich multibel über viele kleine Identitätslogiken, die Revolution findet nicht mehr statt. Der Erfolg des Manifestes für Cyborgs in den 90er Jahren ist als Teil einer reaktionären erkentnistheoretischen Wende auch innerhalb der Linken zu begreifen. Eine Wende, die aber nicht Haraway anzulasten ist, sind doch zumindest ein Teil der AutorInnen der 60er und 70er noch viel reaktionärer geworden. So haben sowohl Julia Kristeva wie Luce Irigaray entgegen ihrer eigenen frühen Erkenntnis selbst in den 80er Jahren wieder das altbackene identitätslogische Konzept stark gemacht und damit dazu beigetragenen ihre eigenen wichtigsten Arbeiten dem Vergessen preiszugeben.
Für mich ergibt sich noch ein weiteres Problem. Ich würde den Begriff der Maschine gerade dadurch definieren, das die Maschine ein materielles Artefakt ist, das sich regelhaft verhält. Die moderne Naturwissenschaft reduziert in diesem Sinn Natur auf ihren maschinisierbaren Anteil. Naturwissenschaft beschreibt die Randbedingungen unter denen sich Dinge regelhaft verhalten und schafft damit die Vorraussetzung für ihren maschinellen Nachbau. Dies macht gerade den Erfolg des reduktionistischen Ansatzes aus. Eine Maschine, die sich nicht regelhaft verhält (z.B. ein explodierender Dampfkessel) hört auf eine Maschine zu sein und läßt genau die Unmöglichkeit Natur auf Regelhaftigkeit einzuschränken zu Tage treten. Ausgehend von dieser Definition ist die Maschine immer herrschaftsaffirmativ (regelbefolgend) und hat als Maschine kein subversives Potential. Das subversive Potential liegt hier vielmehr darin, daß keine Maschine nur Maschine ist, denn da sie materiell ist hat sie immer einen Anteil der ihre Funktionsweise in Frage stellt (und sei es so etwas triviales wie Materialermüdung - wobei schon die Rede von "Ermüdung" hier auf den nichtmaschinellen Anteil dieses Prozesses verweist -). Ich befürchte, daß der positive Bezug von Haraway auf Maschinenhaftigkeit und ihr Versuch der Begriffsverschiebung eher zur Verschleierung von Herrschaftsverhältnissen und ihrer ästhetisierten Aufwertung führt.
Von Donna Haraway gibt es sehr viel bessere und weitergehende Texte, die dann aber primär der Kritik der bestehenden Verhältnisse gelten. Einige davon sind in dieser Liste aufgeführt.
Weitere Texte und Infos zu Donna Haraway findet Ihr unter: - http://www.asahi-net.or.jp/~rf6t-tyfk/haraway.html -.
Haraway, Donna (home)
- Situiertes Wissen - in: Scheich, Elvira [Hg.] - Vermittelte
Weiblichkeit: Feministische Wissenschafts- und Gesellschaftstheorie - Hamburg
1996
In diesem Text stellt Donna Haraway in gut verständlicher Form die Grundlagen ihres naturwissenschaftskritischen erkenntnistheoretischen Ansatzes der Einforderung situierter Wissenspraxen dar. Bezugspunkt ist für sie dabei die Kritik anderer feministischer naturwissenschaftskritischer erkenntnistheoretischer Ansätze und der Sozialkonstruktivismus.
Als zentrales Problem ergibt sich an diesem Text, daß die sehr viel radikaleren und theoretisch fundierteren festlandseuropäischen Ansätze zur feministischen Wissenschaftskritik aus den 60er und 70er Jahren (z.B. - Julia Kristeva - und - Luce Irigaray - siehe unter dem Punkt - Philosophische Texte - in dieser Literaturliste) weitestgehend Außen vor bleiben und damit auch dieser Text hinter einem schon einmal ereichten erkenntnistheoretischen Stand zurückbleibt. Dies ist aber das Problem vieler moderner auch europäischer TheoretikerInnen, die durch ihren alleinigen Bezug auf dem angloamerikanischen Wissenschaftsraum, schon Gewußtes wieder in Vergessenheit geraten lassen und dadurch einer reaktionären epistemologischen Wende ungewollt zuarbeiten.
Weitere Texte und Infos zu Donna Haraway findet Ihr unter: - http://www.asahi-net.or.jp/~rf6t-tyfk/haraway.html -.
Harding, Sandra (home & info) - Das Geschlecht des Wissens - Pfaffenweiler 1994
Harding formuliert aus
soziologischer Sicht sehr fundiert eine grundlegende Kritik der geschlechtlich
männlichen Vorurteilsstrukturen der Wissenschaften. Besonders interessant ist
ihr daraus resultierender Ansatz für eine alternative Wissenschaftspraxis die
sie als "Strenge Objektivität" bzw. sozial verortete Erkenntnis
beschreibt. Sie fordert ein (Natur)Wissenschaftspraxis, die auf ihre
gesellschaftliche Eingebundenheit und die Bedingungen ihrer Wissensproduktion
reflektiert. Und in diesem Sinn objektiver als die bestehende Wissenschaft ist,
da sich diese Wissenschaft ihrer Subjektivität bewußt wäre, und die subjektiven
Setzungen (z.B. die geschlechtlichen) so auch bewußt immer wieder hinterfragen
könnte.
Harding, Sandra (home & info) - A Socially Relevant Philosophy of Science? Recources from Standpoint Theory's Cotroversiality - in: Hypatia - Vol. 19 No. 1
Ein guter Überblick über das aktuelle Selbstverständnis der feministischen Standpunkttheorie und ihre Verortung im Verhältnis zu anderen epistemologischen Ansätzen. Die Autorin Sandra Harding ist selbst eine der führenden Vertreterinnen dieses Theorieansatzes.
Auch hier ergibt sich aber, wie bei anderen akademischen Theorieansätzen aus dem angloamerikanischen Raum m. E. das Problem, daß nur wenig berücksichtigt wird, daß Naturwissenschaft und Technologie auch immer Politik mit anderen Mitteln sind (nicht darauf zu reduzieren, aber auch Politik) und dies gilt auch für die epistemologischen Grundlagen. Naturwissenschaft und Technologie sind auch immer Instrumente der Ideologieproduktion und der Materialisierung von Ideologie im technischen Artefakt und in Theorien. Die Interessengegensätze in der Gesellschaft sind deshalb auf allen Ebenen in die Naturwissenschaft und Technologie eingeschrieben.
Der Glaube Sandra Hardings, das diese Interessengegensätze durch die Demokratisierung der Auseinandersetzung und die stärkere Gewichtung des Standpunktes unterdrückter Gruppen aufgehoben werden könnten halte ich für falsch. Der Standpunkt unterdrückter Gruppen, ist kein objektiv besserer sondern ein substantiell vom Standpunkt der Herrschenden abweichender. Es gibt substantiell unterschiedliche Interessen in dieser Gesellschaft, Naturwissenschaft und Technologie sind Teil der Mittel mit denen die unterschiedlichen Gruppen in dieser Gesellschaft ihre kulturelle Hegemonie (im Sinne Gramscis) zu sichern versuchen oder sie zu erlangen versuchen.
Die feministische Wissenschaft ist in diesem Sinn ein Versuch Einfluß auf die kulturelle Hegemonie zu gewinnen. Das ist aus anarchistischer Sicht soweit es sich um einen Kampf gegen Herrschaft handelt sicher zu unterstützen, den Interessen der konservativeren Teile der herrschenden Kräfte, z.B. der katholischen Nomenklatura, steht dies aber sicher genauso objektiv entgegen. Aus der Sicht dieser Interessen wird jede feministische Wissenschaftspraxis immer eine schlechte Wissenschaftspraxis bleiben.
Heymann, Dagmar - Feministische Naturwissenschaftskritik bei Evelyn Fox Keller - in:
Verein feministische Wissenschaft (Schweiz) [Hg.] - Im Widerstreit mit der
Objektivität - Zürich 1991
Der Text ist eine kurze
Einführung in die Theorien Evelyn Fox Kellers. Dagmar Heymann arbeitet bei NUT e.V. (Frauen in Naturwissenschaft und Technik) - http://www.nut.de/ - in der AG Schriftenreihe mit.
Jansen, Sarah (home) - Magie und Technik - in: beiträge zur feministischen theorie und praxis -
Köln 1984
Der Text überlegt ausgehend von
magischen Praxen die Idee einer alternativen Praxis in den Naturwissenschaften.
Keller, Evelyn Fox (home) - Liebe Macht und Erkenntnis - München 1986
Das Buch von Evelyn Fox Keller
ist eine Sammlung grundlegender Essays zur Kritik der naturwissenschaftlichen
Erkenntnispraxen einschließlich des Hinweises auf alternative Möglichkeiten.
Sie arbeitet sowohl mit historischen, wie aktuellen Verweisen und bezieht die
psychoanalytische Objektbeziehungstheorie in ihren Kritikansatz bzgl. der
Subjektkonstitution des männlichen Naturwissenschaftlers in der Wissenschaft
mit ein. Die Texte sind Grundlage vieler weiterer Kritiken und nach wie vor
eine wichtige Grundlage feministischer Naturwissenschaftskritik. In neueren
Texte fällt Evelyn Fox Keller leider hinter dieses Kritikniveau zurück und
argumentiert sehr affirmativ.
Kerr, E. Anne (home) - Toward a Feminist Natural Science: Linking Theory and Practice - in: Women's Studies International Forum - Vol 21, No. 1 - 1998
Ausgehend von den unterschiedlichen Ansätzen zur Formulierung einer feministischen Epistemologie (Haraway/Harding/Longino/Nelson) entwickelt die Autorin konkrete Vorstellung zur Umsetzung der feministischen Ansätze in der naturwissenschaftlichen Forschungspraxis.
Kurz, Robert (info) - Die Reduktion des Menschen - in: Folha de S.Paulo (Original portugisisch: O homem reduzido) - Brasilien, Sao Paulo 3.10.1999
- Internetpublikation 2001 - (Text - http://ak-anna.org/reduktionismus_naturwissenschaft.pdf)
Eine Kritik des naturwissenschaftlich-ökonomischen Reduktionismus. Kurz kommt interessanterweise von der Seite der Kapitalismuskritik zu sehr ähnlichen Schlußfolgerungen wie Teile der feministischen Naturwissenschaftskritik.
Viele weitere Texte von Robert Kurz zur allgemeinen Kapitalismuskritik findet Ihr auf der Seite der Zeitschrift Exit - http://www.exit-online.org/text.php?tabelle=aktuelles -.
Latour, Bruno (info)
- Where are the Missing Masses? Sociology of a Door - ursprünglich publiziert in: Social Problems (special issue on sociology of science, edited by Susan Leigh Star) - Vol. 35, Seite 298-310 - Milwauky 1998 - unter dem Titel "Mixing Humans with Non-Humans: Sociology of a Door-Closer" - Internetpublikation (1992) - (Text - http://www.bruno-latour.fr/articles/article/050.html)
Überliest mensch die schalen Altmännerwitze ergibt sich aus dem Text eine interessante neue Perspektive auf Technologie. Bruno Latour, der als einer der wichtigsten Wissenschaftstheoretiker der 2ten Hälfte des 20ten Jahrhunderts gilt, stellt hier am Beispiel der Funktionsbeschreibung einer Tür und eines automatischen Schließmechanismusses eine theoretischen Ansatz dar, technologische Artefakte als soziale Aktanden, also in einer Art Subjektposition, zu denken. Der Türöffner wird so zu einem politisch und sozial handelnden Ding. Interessant ist dabei auch die Darstellung der Bedeutung alltäglicher Technologien für die Strukturierung unseres Alltages. Kritisch gelesen ergeben sich damit neue Möglichkeiten die politische und soziale Bedeutung von Technologie zu begreifen.
Als Problem wird aber in diesem Text Latours auch deutlich, daß Herrschaftsverhältnisse durch den Blick auf den einzelnen Türöffner weitestgehend ausgeblendet bleiben und so gerade ein solcher detailverliebter Blick auch zur Entpolitisierung instrumentalisiert werden kann. Eine herrschaftsaffirmative ideologische Praxis, die in der Ästhetisierung von technologischen Dingen unter Rekurs auf Latour - z.B. im Umfeld der Ars Electronica - auch benutzt wird.
Die Sichtweise auf die Dinge, die diese als (politische) Aktanden begreift, läßt zwar ihre Bedeutung für die Strukturierung des Alltags und damit ihre politische Bedeutung in den Blick treten, gleichzeitig wendet aber dieser Blick den Begriff der Intentionalität strukturkonservativ. Die Sichtweise auf die Dinge als intentional 'Handelnde' läßt die Intentionen derjenigen, die diese Dinge produzieren lassen, im Objekt, modern formuliert in der Sachzwanglogik, verschwinden. Denn die, die die Dinge produzieren lassen, materialisieren in ihnen ihre Intention und bringen diese zur Wirkung bringen. Und dies heißt meist die Materialisierung der Reproduktion der bestehenden Herrschaftsverhältnisse durch die Dinge. Z.B. sind die Produktionsabläufe in einer Fabrik nicht anders und selbstbestimmter zu strukturieren ohne einen grundsätzlichen Umbau der materiellen Maschinen, denn die Maschinen determinieren heute wesentlich den Produktionsablauf.
Die Sichtweise Latours liegt damit in höchst fragwürdiger Nähe zu modernen Taktiken der Verschleierung intentionaler Herrschaft und von Herrschaftsverhältnissen hinter einer technischen Rationalität, die bei Latour nun nur selbst in den Subjektstatus erhoben wird. Diese Betonung der Eigenständigkeit der Dinge macht zwar deutlich, daß Herrschaft nie perfekt ist und auch in ihrer Materialisierung im technischen Artefakt Widersprüche produziert, die Ausblendung von Herrschaft, der im Artefakt materialisierten Herrschaftsverhältnisse, ist dafür aber ein zu hoher Preis.
Weitere texte von Bruno Latour sind zu finden unter: - http://www.bruno-latour.fr/articles/index.html
Longino, Helen (info) - Natur anders sehen: Zur Bedeutung der Geschlechterdifferenz - in: Scheich, Elvira [Hg.] - Vermittelte Weiblichkeit: Feministische Wissenschafts- und Gesellschaftstheorie - Hamburg 1996
Helen Longino formuliert in diesem Artikel 6 vorläufige Kriterien für eine feministische Naturwissenschaft.
Longino, Helen (info) - Multiplying Subjekts and the Diffusion of Power - The Journal of Pilosophy - Vol. 88 No. 1 - 1991
Eine Diskussion der feministisch wissenschaftskritischen Ansätze von Donna Haraway, Sandra Harding und Evelyn Fox Keller. Die Ansätze werden zum Teil so sehr verkürzt, daß die von Hellen Longino an Hand dieser Verkürzungen formulierte Kritik fragwürdig wird. Als Lösung fordert die Autorin einen offenen Diskurs in einem Wissenschaftssystem in dem unterschiedliche Ansätze zugelassen sind. Ihr Begreifen von Wissenschaft als semantischer Praxis bietet aber interessante Möglichkeiten. Nur ist hier zu bemerken, daß Julia Kristeva mit ihren frühen Texten zur Semiotik hier bereis in den späten 60er Jahren wesentlich fundiertere und radikalere Schlußfolgerungen dargestellt hat (siehe hier unter den Literaturhinweisen unter dem Punkt Philosophische Texte - Kristeva, Julia -).
Maurer, Margarete (info) - Zum patriarchalen Charakter der Naturwissenschaften und den Möglichkeiten feministischer Alternativen - in: Wächter, Christine / Konecny, Felicitas / Kapl, Gudrun - Frauen in Naturwissenschaft und Technik - Wien 1993
Allgemeine Einführung in die feministische Naturwissenschaftskritik mit Beispielen aus der Biologie.
Merchant, Carolyn (home) - Der Tod der Natur - München 1987
Das Buch von Carolyn Merchant
ist ein sehr gut verständliches und sehr fundiertes Buch über die historischen
Entwicklungen und Zusammenhänge von Naturwissenschaft, Technik,
Geschlechterverhältnis, Kapitalismus und Herrschaft.
Orland, Barbara (home) / Rösler, Mechthild - Ansätze feministischer Naturwissenschaftskritik im
Überblick - in: Orland, Barbara/Scheich, Elvira [Hg.] - Das Geschlecht der
Natur - Frankfurt a.M. 1995
Der Text gibt einen leicht
zugänglichen guten Überblick über aktuelle Ansätze in der
Naturwissenschaftskritik.
Palm, Kerstin (info) - Was ist feministische
Naturwissenschaftsforschung - Internetpublikation 2003 - (Text - http://www2.rz.hu-berlin.de/ffz/pdf-files/palm.pdf)
Eine gut verständliche
Einführung ins Thema mit einem ausführlichen Anhang mit Literaturhinweisen.
Rübsamen, Rosemarie (info) - Patriarchat der (un)heimliche Inhalt der Naturwissenschaft und Technik - in : Pusch, L.F. [Hg.] - Inspektion der Herrenkultur - Ort unklar 1983
Ein kurzer Text zum
Zusammenhang von Patriarchat, Militarismus und Naturwissenschaft und
Technologie.
Scheich, Elvira (home) - Naturbeherrschung und Weiblichkeit - Frankfurt 1989 - Dissertation
In ihrer Dissertation führt die feministische Physikerin und Philosophin aus, wie die Organisation von
Reproduktions- und Produktionsarbeit entlang der Geschlechterdifferenz in die
Naturwissenschaften und auch in die aktuellen systemtheoretischen Modelle
einfließt. Außerdem weist sie auf der Basis der Theorien Alfred Sohn Rethels
einen Zusammenhang zwischen kapitalistischer und
naturwissenschaftlich-mathematischer Logik auf. Der Text ist nicht einfach
zugänglich, aber, da auf sehr hohem theoretischen Niveau, auch sehr lohnend.
Scheich, Elvira (home) - Die zwei Geschlechter in der Naturwissenschaft: Ideologie, Objektivität, Verhältnis - in: Wächter, Christine / Konecny, Felicitas / Kapl, Gudrun - Frauen in Naturwissenschaft und Technik - Wien 1993
Ausgehend von der Kritik sexistischer Stereotype in der Biologie ,die aktiv mit männlich und passiv mit weiblich gleichsetzen, diskutiert Elvira Scheich den naturwissenschaftskritischen Ansatz von Donna Haraway im Gegensatz zu ökofeministischen Ansätzen. Beide Ansätze werden dabei aber nur sehr oberflächlich dargestellt. Der Text ist nur als erster Einstieg sinnvoll.
Seline, Helaine (home) [Ed.] - Encyklopaedia of the History of Science, Technology, and Medicine in Non-Western Cultures - Dordrecht 1997
Eine Enzyklopädie nichtwestlicher Wissenschaft in einigen Hundert Kurzartikeln. Die Artikel sind reine Sachartikel, die ihre eigene Konstruktion nicht selbst reflektieren.
Star, Susan Leigh (home) - Power, technologies and the
phenomenology of conventions: on being allergic to onions - in: John Law [Hg.]
- A Sociology of Monsters - London 1991
Am Beispiel ihrer eigenen
Allergie gegen Zwiebeln führt Susan Leigh Star die Ein- und Ausschlüsse und die
Identitätsproduktion durch Klassifikationen und die industrielle Alltagswelt
aus (Z.B. daß Problem bei McDonalds eine zwiebelfreien Hamburger zu bekommen).
Der Text bezieht sich auf Haraway und wurde von dieser auch wieder im Text
'Anspruchsloser Zeuge@ Zweites Jahrtausend. FrauMannc
trifft OncoMouseTM' aufgegriffen.
Ein Problem dieses Textes ist, daß er setzt, das es wünschenswert wäre von Normen eingeschlossen zu werden, also z.B. als Vegetarier bei McDonalds vegetarische Speisen angeboten zu bekommen. Ich würde dem entgegensetzen, daß jeder solche Einschluß in Normen immer auch eine Gewalt gegen die so Eingeschlossenen bedeutet, also z.B. einen Einfluß McDonalds darauf, was als "vegetarisch" definiert wird. Ausschlüsse können gerade Freiheit bedeuten.
Star, Susan Leigh
(home) - Scientific Work and Unmcertainity - in: Social
Studies of science - Vol. 15 - London 1985
Im Text wird ausgeführt mit
welchen materiellen und diskursiven Technologien in der wissenschaftlichen
Praxis Eindeutigkeit produziert wird, eine Eindeutigkeit der Aussage, die sich
im Regelfall nicht aus der Untersuchung direkt ergibt.
Wajcman, Judy (home) - Feminist Theories of Technology - in: Jasanoff, Sheila/Markle, Gerald E./Petersen, James C./Pinch, Trevor [Hg.]
- Handbook of Science and Technology Studies - Thousand Oaks 1995
Judy Wajcman gibt in diesem Artikel einen Überblick über die feministischen Ansätze zur Technikkritik.
Teile der hier gemachten Aussagen finden sich auch in der Internetpublikation - Delivered Into Men's Hands? The Social Construction Of Reproductive Technology - wieder.
Woesler de Panafieu, Christine - Feministische Kritik am wissenschaftlichen
Androzentrismus - in: Ursula Beer [Hg.] - Klasse Geschlecht - Bielefeld 1989
Der Text gibt einen Überblick
über die unterschiedlichen feministischen Kritikansätze bezogen auf die
Wissenschaften auf hohem theoretischen Niveau.
- Kritik der Physik und Meteorologie, Alternativen
Barad, Karen (home) - Meeting the Universe Halfway: Realism and Social Constructivism Without Contradiction - in: Nelson, Lynn Hankinson und Nelson, Jack [Hg.] - Feminism, Science, and the Philosophy of Science - Dordrecht 1996
Auf der Basis der Auseinandersetzung mit Ansätzen des philosophischen Realismus und sozialkonstruktivistischen Theorien unter dem Gesichtspunkt der feministischen Theorie stellt die Philosophin und Theoretische Physikerin Karen Barad ihren erkenntnistheoretisch-naturwissenschaftlichen Ansatz des "Agential Realism" dar, den sie mit Bezug zu den erkenntnistheoretisch-physikalischen Ideen von Niels Bohr zur Quantentheorie entwickelt. Der Text ist schwer aber einer der ganz wenigen physikalisch und philosophisch fundierten Texte zu Fragen der Theoretischen Physik aus der feministischen Perspektive. Von der gleichen Autorin gibt es eine Reihe weiterer Texte zu diesem Thema.
"Das Problem bei ihrem in diesem Artikel dargestellten Ansatz ist aber, daß sie die immaterielle intentionale Handlung des Subjektes bei der Konstruktion empirischer Phänomene in das Phänomen, das heißt in die materielle empirische Realisierung, verlagert und objektiviert. Damit negiert sie letztendlich die immaterielle Handlungsfreiheit des Subjektes und übersieht, daß die intentionale Konstruktion auf einer (wenn auch vielleicht unbewußten) Entscheidung basiert."
Höhler, Sabine (home) - Heldengeschichten. Zum Verhältnis von Männlichkeit und
wissenschaftlicher Objektivität am Beispiel der Aeronautischen Meteorolgie um
1900 - in: Petersen, Barbara/Maus,
Bärbel [Hg.] - Feministische Naturwissenschaftsforschung: science & fiction
/ NUT Schriftenreihe Band 5 - Mössingen Talheim 1998
Der Text stellt die männliche
Mythisierung der wissenschaftlichen Luftschiffahrt und ihre Bedeutung im
Kontext der Wissenschaft dar. Inzwischen ist von Sabine Höhler auch ein Buch zu
diesem Thema erschienen.
Osietzki, Maria (home) - Energie und Entropie: Überlegungen zu Thermodynamik und
Geschlechterordnung - in: Meinel, Christoph/Renneberg, Monika -
Geschlechterverhältnisse in Medizin, Naturwissenschaft und Technik - Stuttgart
1996
Der Text zeigt an Hand von
Zusammenhängen zwischen der Einführung des zweiten Hauptsatzes der Thermodynamik
(Entropie) und einer Krise der Männlichkeit auf, wie sich die männlichen
Unsterblichkeitsphantasmen in die Naturwissenschaft einschreiben. Der Text ist
sehr gut verständlich.
Scheich, Elvira (home) - Was hält die Welt in Schwung? Feministische Ergänzungen zur Geschichte
der Impetustheorie - in: Woesler de Panafieu, Christine [Hg.] - Feministische
Studien Heft 1 - Franfurt 1985
Der Text führt aus, wie Logiken
in der Physik und im frühen Kapitalismus sich gegenseitig beeinflussen und
verstärken, und dies im Kontext der Verstärkung patriarchaler
Gesellschaftsverhältnisse und der Entwertung der Reproduktionsarbeit. Der Text
ist auch ohne Vorkenntnisse verstehbar.
- Kritik der Nanotechnologie
ETC Group (home) - The Big Down - Winnipeg, Manitoba, Canada 2003 - Internetpublikation - (Text - http://www.etcgroup.org/documents/TheBigDown.pdf)
Dies ist eine umfassende Kritik zur Einschätzung der Gefahren durch Nanotechnologie. Die ETC Group fordert ein Moratorium mit Stopp der Forschung bis weitere Abklärungen von Risiken stattgefunden haben. Dies ist dies primär eine Kritik an den Folgen und den organisatorischen Strukturen von Forschung.
Weitere Publikationen der ETC Group unter: - http://www.etcgroup.org/publications.asp
ETC Group (home) - The little Bang Theory - 2003 - Internetpublikation - (Text - http://www.etcgroup.org/documents/comBANG2003.pdf)
Als Bang Theory firmiert der Zusammenhang von Informationstechnologie, Nanotechnologie, Atomtechnologe und Biotechnologie. Wie auch im vorhergehenden Text ist dies primär eine Kritik an den Folgen und den organisatorischen Strukturen von Forschung.
Weitere Publikationen der ETC Group unter: - http://www.etcgroup.org/publications.asp
Swiss Reinsurance Company (home) - Kleine Teile-große Zukunft - Zürich 2004 - Internetpublikation - (Text - http://www.swissre.com/INTERNET/pwsfilpr.nsf/vwFilebyIDKEYLu/ULUR-5YNGCZ/$FILE/Publ04_Nanotech_de.pdf)
In dieser Hochglanzbroschüre der zweitgrößten Rückversicherungsgesellschaft der Welt, der sicher keine Industrie- oder Wissenschaftfeindlichkeit unterstellt werden kann, wird Versicherungen ausdrücklich empfohlen die Risiken von Nanotechnologie auf keinen Fall unbegrenzt zu versichern. Die Swiss Re äußert als Hauptbedenken, die Befürchtung, daß Nanotubes ähnliche Auswirkungen auf die menschliche Gesundheit haben könnten wie Asbest. Um kumulative Folgeschäden für die Versicherungsbranche zu vermeiden fordert sie (nicht ein Moratorium, die Menschen die sterben sind ja egal) sondern die Versicherungen auf Versicherungsverträge bei Nanotechnologie grundsätzlich mit einer maximalen abzudeckenden Schadenshöhe zu versehen. Als besonderes Problem der Nanotechnologie wird dann auch nicht die Gesundheitsgefährdung weiter diskutiert, sondern das Problem, daß diese Gesundheitsschäden im Fall der Fälle leicht auf die Verursacher zurückgeführt werden könnten im Gegenteil z.B. zu Gesundheitsbelastungen durch Dieselkraftstoffe. Dieser Bericht ist einfach ein erhellendes Beispiel, wie die Großindustrie denkt und leider auch ein Beleg dafür wie ernst zu nehmend die Gesundheitsgefahren durch Nanotechnologie heute schon sind.
Texte des AK-ANNA zum Thema Nanotechnologie
Viele weitere Linkhinweise, Texte und Infos findet Ihr auch auf unserer Netzressource zum Thema Nanotechnologie, zur Zeit (2007) der größten im deutschsprachigen Raum; NaNie NANO - http://ak-anna.org/nano_risiken/nano.html -.
- Kritik der Biologie und Genetik, Alternativen
Bleyer, Ruth - Science and Gender. A Critique of Biology and Its Theories on Women - New York 1984
Die Professorin für
Neurobiologie Ruth Bleyer widerlegt dezidiert alle gängigen Aussagen der
Soziobiologie und weist strukturelle wissenschaftliche Fehler nach, die auch
auf die heutige soziobiologische Forschung zutreffen. Nach Lektüre dieses
Buches stellt sich die Frage, wie es überhaupt noch möglich sein kann, daß
irgendeine/r unter naturwissenschaftlichen Gesichtspunkt die Soziobiologie noch
ernst nimmt.
Buchmann, Sabeth (home) - Formkontrollen - in: Eichhorn, Cornelia/Grimm, Sabine - Gender Killer Texte zu Feminismus und Politik - Amsterdam 1994 - Internetpublikation - (Text - http://www.nadir.org/nadir/archiv/Feminismus/GenderKiller/gender_4.html)
Die Autorin untersucht ausgehend von der Analyse des historischen feministischen Gentechnikwiderstandes und unter Einbezug der Standpunkte feministischer Naturwissenschaftskritikerinnen (Treusch-Dieter/Haraway/Wajcman) die Frage nach der Möglichkeit eine größere Breitenwirksamkeit für den Gentechnikwiderstand zu erreichen.
Das gesamte Buch findet Ihr unter: - Gender Killer - http://www.nadir.org/nadir/archiv/Feminismus/GenderKiller/ -.
Carlotta - 2084. Eine Polit-Science-Fiction-Fortsetzungs-Soap-Novelle - in: Contraste - Freiburg 2001 - Internetpublikation - (Text - http://irrliche.org/feminismus_science_fiction.htm)
Ein antisexistischer Science Fiction über Sicherheits und Gentechnikphantasmen.
Critical Art Ensemble (home) - Flesh Machine - Internetpublikation - (Text - http://www.critical-art.net/books/flesh/index.html)
Critical Art Ensemble (home) - Molecular Invasion - Internetpublikation - (Text - http://www.critical-art.net/books/molecular/index.html)
Das Critical Art Ensemble diskutiert in diesen zwei Texten unterschiedliche Strategien für eine revolutionäre konkrete Praxis im Umgang mit der Informations- und Biotechnologie und entwickelt konkrete Strategien. Zum Teil bleibt dabei aber die Technologiekritik auf der Strecke und das Konzept mündet in technologischer Akzeptanzbeschaffung. Außerdem fehlt der Kritik ein Begreifen der produktiven Aspekte von Technologie im Sinne der Produktion neuer Subjektivitäten, Big Brother ist halt nicht mehr Orwell sondern eine beliebte Fernsehsoap. Mit der Repressionshypothese ist dies nicht zu begreifen und in der Biotechnologie sind ähnliche Entwicklungen zu erwarten. Beschrieben werden diese Effekte zum Teil von Donna Haraway.
Auf der Seite des Critical Art Essemble finden sich weitere Bücher zur Technologiekritik als Internetpublikation.
Ebeling, Smilla (home) - Das Gonocavulumzucker der Fahnenträgerinnen. Aus dem Alltag eines
Biologiestudenten - in: Petersen, Barbara/Maus, Bärbel [Hg.] - Feministische
Naturwissenschaftsforschung: science & fiction / NUT Schriftenreihe Band 5
- Mössingen Talheim 1998
Der Text zeigt durch die Umdrehung
der Verhältnisse sehr amüsant aber prägnant die selektive geschlechtliche
Blindheit in der biologischen empirischen Verhaltensforschung auf.
Dolgin, Janet L. (home) - Ideologies of Discrimination:
Personhood and the 'Genetic Group' - in: Studies in History and Philosophy of
Biological and Biomedical Sciences - Vol. 32 No. 4 - New York 2001
Janet L. Dolgin führt aus, daß
die Genetik und ihre Auswirkungen auf soziale und juridische Diskurse nicht nur
das emanzipatorische Subjektverständnis einer liberalen Politik sondern auch das
konservative Modell der Familie außer Kraft zu setzen beginnt.
Haraway, Donna (home) - Primatologie ist Politik mit anderen Mitteln - in: Das Geschlecht der
Natur - Frankfurt a.M. 1995
Der Text ist ein Beispiel für
eine sehr fundierte Kritik soziobiologischer Ansätze am Beispiel der
Mainstream-Primatenforschung und der feministischen Primatenforschung. Der Text
ist sehr gut verständlich.
Weitere Texte und Infos zu Donna Haraway findet Ihr unter: - http://www.asahi-net.or.jp/~rf6t-tyfk/haraway.html -.
Haraway, Donna (home) - Gen-Fetischismus - in: Das Argument - 43. Jg., Nr. 242 - Seite 601-614 - Berlin 2001 - Internetpublikation - demnächst auf: - http://halluzinogene.org/anderes_gendiskurs.html - zu finden.
Dieser aktuelle Text von Donna Haraway ist auch einer ihrer theoretisch besten und radikalsten. Haraway führt hier differenziert aus, wie die Genetik als diskursive Praxis im Kontext der Produktion moderner Subjekte zu verorten ist. Sie stellt dar, daß die diskursive Bedeutung der Genetik eine wesentliche Funktion ist, die die Bedeutung dieser Wissenschaft ausmacht.
Weitere Texte und Infos zu Donna Haraway findet Ihr unter: - http://www.asahi-net.or.jp/~rf6t-tyfk/haraway.html -.
Heymann, Dagmar - Frankenstein und die Schöpfungsträume der Naturwissenschaftler - in:
Wechselwirkung Ausgabe Oktober 1995
Feministische
Naturwissenschaftskritik am Beispiel der Wunsch- bzw. Alpträume von der
Erschaffung künstlichen Lebens. Dagmar Heymann arbeitet bei NUT e.V. (Frauen in Naturwissenschaft und Technik) - http://www.nut.de/ - in der AG Schriftenreihe mit.
Heymann, Dagmar - Jungfrauen und Killer, die Macht der Darstellung in der Biologie - in
Heymann, Dagmar [Hg.] - Elfenbisse: feministische Naturwissenschaft / NUT
Schriftenreihe Band 2 - Mössingen-Talheim 1995
Der Text führt an Beispielen
aus der Immunologie sehr plastisch die in die wissenschaftliche Gedankenwelt
eingedrungenen gesellschaftlichen Stereotype aus. Dagmar Heymann arbeitet bei NUT e.V. (Frauen in Naturwissenschaft und Technik) - http://www.nut.de/ - in der AG Schriftenreihe mit.
Jansen, Sarah (home) - Männer, Insekten und Krieg: Zur Geschichte der angewandten Entomologie
in Deutschland 1900-1925 - in: Meinel, Christoph/Renneberg, Monika -
Geschlechterverhältnisse in Medizin, Naturwissenschaft und Technik - Stuttgart
1996
Der Text führt am Beispiel der
Entwicklung chemischer Gifte zur Bekämpfung von Insekten in der Landwirtschaft
aus, wie Metaphern und Logiken der Vernichtung in der angewandten
Naturwissenschaft und populistische
Bilder der "Anderen" der
Gesellschaft, also des jüdischen Teils der deutschen Bevölkerung bzw. des
Bildes "feindlicher Bevölkerungen "im ersten Weltkrieg, sich
gegenseitig bedingen und beeinflussen. Inzwischen ist dazu auch ein Buch von
Sarah Jansen erschienen.
Latour, Bruno (info) - Portrait of a Biologist as Wild capitalist - in (französischer Sprache publiziert): Fundamenta Scientiae - Vol. 4, No 3/4 - Seite 301-327 - Strasbourg 1984 - Internetpublikation - (Text - http://www.bruno-latour.fr/articles/article/017.html)
Ein Text der die moderne Form der Wissensproduktion und des Agierens ihrer Produzenten beschreibt am Beispiel eines Biologen. Bruno Latour beschreibt die Forschungs- und Wissenschaftspraxis eines Naturwissenschaftlers an Hand eines Interviews als Selbstvermarktungsstrategie eines Kapitalisten, der seine jeweiligen Inhalte und die experimentellen Strategien der Forschung entlang der Maximierung des Tauschwertes der erhofften Ergebnisse bei möglichst geringem Aufwand immer wieder anpaßt. Der Text gibt einen sehr guten Einblick in die nicht dem Forschungsgegenstand oder einem Streben nach Erkenntnis geschuldeten Beweggründe für wissenschaftliche Entscheidungen.
Als Kritik ließe sich anmerken, daß Latour den Zusammenhang, daß der Mehrwert auf der Ausblendung der Subsistenzarbeit wesentlich beruht und dies in engen Zusammenhang mit sexistischen Strukturen naturwissenschaftlicher Praxis steht nicht thematisiert, das Geschlecht der instrumentalisierten LabormitarbeiterInnen wird z.B. nicht thematisiert. Außerdem stellt sich die Frage, in wie weit diese einem Kaufmannskapitalismus entsprechende Struktur für die Wissenschaft heute noch zutrifft und nicht längst durch eine Struktur entsprechend dem Industriekapitalismus abgelöst wurde.
Weitere Texte von Bruno Latour sind zu finden unter: - http://www.bruno-latour.fr/articles/index.html -.
Lemke, Thomas (home) - Die Gene der Frau. Humangenetik als Arena der Geschlechterpolitik - in: Feministische Studien - 22. Jahrgang, Nr. 1 - Seite 22-38 - 2004 - Internetpublikation - (Text - http://www.thomaslemkeweb.de/publikationen/DieGenederFrau.pdf )
Im Artikel führt Thomas Lemke aus, wie die Genetik als diskursive Struktur sexistische stereotype reproduziert/aktualisiert und Frauen in eine spezifische Rolle der Verantwortung für 'genetische Gesundheit' drängt.
Thomas Lemke hat eine Vielzahl an Artikeln zur Medizin- und Gentechnologiekritik auf seiner Netzseite publiziert - http://www.thomaslemkeweb.de/ -.
Lorenz, Renate/Schultz, Susanne/Geene, Stephan [Hg.] - geld beat synthetic. CopyShop. Abwerten bio/technologischer Annahmen. - Berlin 1996
",Technologie' wird von Seiten der Industrie, Medizin, in den Medien und vermehrt auch über Kunstausstellungen als herrschendes gesellschaftliches Paradigma aufgebaut. Demgegenüber fehlt ein breiter und kontinuierlicher linker Widerstand, wie er etwa in den 80er Jahren von feministischen Gruppen gegen Gen- und Reproduktionstechnologien formuliert wurde. Dieses Buch versucht daher, einen Zusammenhang verstreuter kritischer Praxis herzustellen, die in unterschiedlichen sozialen Bereichen wie an Universitäten/Symposien, in aktionistischen Gruppen oder im Kunstbereich entsteht: Feministische und gesellschaftskritische Formulierungen, Überlegungen zur Rolle von Kunst bei der Ästhetisierung von Biotechnologie, Archive, Recherchen, Öffentlichkeitsarbeit gegen konkrete biotechnologische Manöver oder praktische Interventionen (z.B. gegen Patentierung und Freisetzung)."
Lorenz, Renate - GAME GRRRL - Internetpublikation 1997 - (Text - http://www.thealit.de/lab/LIFE/LIFEarchiv/ar_09_1.htm)
"Man muß sich vorstellen, sie mag Musik, subjektiviert manchmal ihren Computer, sie lehnt Zuschreibungen auf Frauen ab, liest feministische Theorie, läßt ihre sexuelle Identität unklar + arbeitet in einer Gruppe gegen Gen- und Biotechnologie."
Lorenz, Renate - Abwerten (bio)technologischer Annahmen - Internetpublikation 1997 - (Text - http://www.thealit.de/lab/LIFE/LIFEarchiv/ar_09_2.htm)
"Daß unsere Probleme technologisch gelöst werden, ist ein Mythos, dem wir uns nicht anschließen wollen. Daher sammelt GAME GIRL Argumente gegen die Wünsche und Hoffnungen, die zur Zeit auf Bio- und Gentechnologien projiziert werden: Abwerten der öffentlichen Bilder von Technologie, wie sie industrielle Werbung, Dokumentationen in TV und Zeitschriften und inzwischen auch künstlerische Projekte formulieren."
Lorenz, Renate - Digital Eingetragenes Warenzeichen - Internetpublikation 1997 - (Text - http://www.thealit.de/lab/LIFE/LIFEarchiv/ar_09_3.htm)
"A zum Thema einer angeblichen gesellschaftlichen Veränderung durch technologisch erzeugte Bilder möchte ich kurz zwei wahre Geschichten vorstellen, die schon einiges von dem thematisieren, auf das ich nachher hinaus will ..
B Zentralagent ..
C Wir manipulieren Bildaussagen dank Photoshop.."
Mushoff, Tobias (info) - Die Guten ins Töpfchen, die Schlechten ins Kröpfchen ... - in: Forum Recht - Heft 1/2005 - Seite 4-9 - Hamburg 2005 - Internetpublikation 2005 - (Text - http://www.forum-recht-online.de/2005/105/105mushoff.htm)
Dieser Text behandelt die aktuellen Entwicklungen der Rechtslage in Deutschland bzgl. Gentest und ihren Folgen in Hinsicht auf ArbeitnehmerInnen aber auch bzgl. allgemeiner juristischer Folgen.
Die Zeitschrift Forum Recht hat unter dem Titel "Genetik - Welches Wissen verträgt der Mensch?" noch weitere Artikel zu juristischen Fragestellungen aktueller Biotechnologie publiziert; - http://www.forum-recht-online.de/2005/105/105inh.htm -
Riewenherm, Sabine (info) - Let's talk about sex. Gene
und Geschlechter - in Genethischer Informations Dienst 105 - Berlin 1995
Ein kurzer Text zur Tatsache,
daß bis heute kein Gen und keine Genkombination identifiziert werden konnte,
die eindeutig das Geschlecht bestimmt. Mit Y und X das ist schon länger
veraltet.
Schmitz, Sigrid (home) - Man the Hunter / Woman the
Gatherer - Dimensionen der Gender-Forschung am Beispiel biologischer
Theoriebildung - in: Freiburger Frauenstudien - 12 - Freiburg 2002 - Internetpublikation - (Text - http://mod.iig.uni-freiburg.de/users/schmitz/pub/pubhunter.pdf)
Eine kurze Einführung in die
feministische Naturwissenschaftsforschung mit Ausführungen zur Kritik der
Reproduktion von Geschlechterklischees in der Evolutionstheorie.
Weitere Artikel der Autorin
findet Ihr unter - http://mod.iig.uni-freiburg.de/users/schmitz/publikation.html -
Schinzel, Britta (home) - Körperbilder in der
Biomedizin - in: Franziska Frei Gerlach, Annette V.-Schinck, Claudia Opitz, Beatrice Ziegler (Hrsg.) Körperkonzepte: Interdisziplinäre Studien zur Geschlechterforschung - Münster 2003 - Internetpublikation - (Text - http://mod.iig.uni-freiburg.de/publikationen/online-publikationen/koerperkonzepte.pdf)
Artikel zur Problematik der
Bildgenerierung in der Biologie und insbesondere in der modernen Neurologie
(Computergenerierte Bilder) und der dadurch in die Biologie einfließenden nicht
mehr explifizierbaren Vorurteile.
Weitere Artikel der Autorin
findet Ihr unter - http://mod.iig.uni-freiburg.de/publikationen/publikationen_schinzel.html -
Schwerin, Alexander von - Naturwissenschaftliche
Aspekte der sogenannten roten Genetik - Internetpublikation 2001 - (Text - http://archiv14.pds-im-bundestag.de/files/pds-papier2.rtf)
Für die PDS-Bundestagsfraktion
erstellte kritische Studie zur Beurteilung aktueller auf die Medizin bezogener gentechnologischer Entwicklungen. Die
Studie gibt einen guten und ausführlichen Überblick.
Spanier, Bonnie (home) - Im / Partial Science, Gender Ideology in Molecular Biology - Indiana 1995
Eine ausführliche Darstellung und Kritik sexistischer Stereotype und Denkfiguren, die auf den unterschiedlichen Ebenen in Forschungsalltag und Theorie der modernen Molekularbiologie wirksam sind.
THE BIOLOGY AND GENDER STUDY GROUP (Beldecos, Athena / Bailey, Sarah / Gilbert, Scott / Hicks, Karen / Kenschaft, Lori / Niemczyk, Nancy / Rosenberg, Rebecca / Schaertel, Stephanie / and Wedel, Andrew) - The Importance of Feminist Critique for Contemporary Cell Biology - in: Hypatia 3 - 1988 - Internetpublikation - (Text - http://zygote.swarthmore.edu/fert11a1.html)
Ausgehend von der Analyse sexistischer Vorstellungen in der historischen Zellbiologie leitet der Artikel über zur Kritik aktueller Vorstellungen und zur Frage nach alternativen Forschungsansätzen. Der Artikel im Internet ist eine im Jahr 1994 aktualisierte Fassung. Welche glaubt, die in diesem Artikel dargestellten frauenfeindlichen sexistischen Stereotype, aktiv=Mann und passiv=Frau, wären ein Problem der Vergangenheit, sei hier auf die Darstellung der Spitzenforschung (Max-Planck-Gesellschaft) in der BRD im Rahmen des vcell-Projektes hingewiesen. Im Spiel Spermrace kann "der Held" die "holde Eizelle" beglücken - siehe: http://www.vcell.de/interaktive/vcell_spermrace.html -. Und dieses Computerspiel stammt nicht aus dem 19ten Jahrhundert. Auf derselben Seite gibt es auch noch das Zellquiz - siehe: http://www.vcell.de/interaktive/vcell_quiz.html - zuerst die "leichte Kurvendiskussion" mit Verona und dann die höheren Level mit richtigen Fragen gegen Boris und Albert. Dies ist leider real das Selbstverständnis der Max-Planck-Gesellschaft im 21ten Jahrhundert.
Voß, Heinz-Jürgen - Feministische Wissenschaftskritik. Am Beispiel der Naturwissenschaft Biologie - in: Hg. Ulrike Freikamp, Matthias Leanza, Janne Mende, Stefan Müller, Peter Ullrich, Heinz-Jürgen Voß - Kritik mit Methode? Forschungsmethoden und Gesellschaftskritik - Reihe: Texte / Rosa-Luxemburg-Stiftung; Bd. 42 - Berlin, 2008 - (Text - http://www.rosalux.de/cms/fileadmin/rls_uploads/pdfs/Texte-42.pdf)
Ein Überblick über die feministische Naturwissenschaftskritik am Beispiel der Biologie.
Weasel, Lisa (home) - The Cell in Relation: An Ecofeminist Revision of Cell and Molecular Biology - in: Women's Studies International Forum - Vol 20, No. 1 - 1997
Darstellung der Möglichkeit eines alternativen Denk- und Forschungsansatzes für die Zell- und Molekularbiologie ausgehend von der ökofeministischen Kritik. Die konkreten Ausführungen zur Molekularbiologie sind sehr interessant, einige der Metaphern im Text aber höchst Problematisch, z.B. wenn die Autorin Bevölkerungswachstum mit Krebs gleichsetzt.
Eine solche Metaphernwahl ist biologistisch und legt faschistisch/rassistische Folgerungen nahe. Hier zeigt sich genau die Problematik des ökofeministischen Ansatzes, der immer wieder zu Biologismus neigt. Auch wenn berücksichtigt werden muß, daß andere ÖkofeministInnen (z.B. Maria Mies) hier eine kritische linke feministische Position gegen Bevölkerungspolitik vertreten, liegt das Grundproblem doch in der biologistischen Denkweise, der Reduktion sozialer Zusammenhänge auf Biologie.
Weitere Texte zu Gen- und Biopolitikkritik finden sich auf - http://halluzinogene.org/
Dort befinden sich auch unterschiedliche satirische Seiten zum Thema:
- A genetic love affair,
- Dank Gentechnik ist es gelungen, die Furcht aus den Kinderzimmern zu vetreiben,
- Auch kleine Genome brauchen Training,
- Das GEN bestimmt unseren Alltag,
- GENopront,
- GENieÖl das Haarwasser mit Protogemomen,
- Journal for public genomic health JANUS GENOMIC,
- Trimm Dein GENOM!,
- Der selbstreinigende Säugling,
- Die Zukunft beginnt im Kinderzimmer,
- TOUR DE GENOM 2007,
- Kinder sind unser wichtigster Rohstoff,
- Vaterschaftstest -.
Texte des AK-ANNA zum Thema Genetik
Texte des AK-ANNA zum Thema Systembiologie
- Kritik der Chemie
??
- Kritik der Mathematik, Mathematiken anderer Kulturen
Booss-Bavnbek, Bernhelm (home) - Wie rein ist die Mathematik? 50 Jahre militärische Verschmutzung der Mathematik - in: Informationsdienst Wissenschaft und Frieden 2/90- Marburg 1984 - Internetpublikation - (Text - http://www.uni-muenster.de/PeaCon/wuf/wf-90/9021101m.htm)
Eine Analyse der Beeinflussung der Mathematik durch Finanzierung weiter Forschungsbereiche aus dem Militäretat. Der Autor stellt dar, daß dies nicht nur die Inhalte sondern auch die Art und Weise in der Mathematik betrieben wird grundlegend verändert hat, insbesondere im Kontext der Informationstechnologien.
Die Tendenz des Autors all diese Veränderungen dem Einfluß der Militarisierung zuzuschreiben ist zumindest problematisch, auch wenn sie einen Teil richtiger Analyse sicher enthält. Wirtschaftliche und andere Interessen, Veränderungen in der Subjektstruktur von WissenschaftlerInnen und in der Gesellschaft und ihre Rückwirkungen müßten ebenso berücksichtigt werden.
Der Standpunkt, das es früher eine unschuldige reiner Mathematik gegeben hätte ist höchst fragwürdig und blendet aus, daß Wissenschaft immer gesellschaftlich produziert ist. Die Forderung zurück zur Reinheit ist reaktionär, da sie Herrschaftsverhältnisse ausblendet. Zu fordern ist eine Mathematik die ihre gesellschaftlich Bedingtheit reflektiert, dies politisch diskutierbar macht und sich dazu verhält. Der Text ist für einen bestimmten Bereich, die militärischen Einflüsse, dazu immer hin ein Beitrag.
Weitere Texte von Bernhelm Booss-Bavnbek können auf seiner -
Netzseite - heruntergeladen werden.
Frougni, Christiane/ Peiffer, Jeanne (home) - Der mathematische Formalismus, eine Maschine
die Wahres aussondert - in: Woesler de Panafieu, Christine [Hg.] -
Feministische Studien Heft 1 - Franfurt 1985
Einer der wenigen Texte zur
Kritik der Mathematik aus feministischer Sicht und sehr gut verständlich. Es
geht um die Rolle des Formalismus in der Mathematik und der Gesellschaft.
Heyting,
Arend (info) - Disputation -
in: Intuitionism an Introduction - Amsterdam 1966
Anhand der Darstellung
unterschiedlicher erkenntnistheoretischer Positionen in der Mathematik durch
Personen, die miteinander diskutieren, macht Heyting in diesem Text sehr schön
klar, daß es die Mathematik nicht gibt.
Ortlieb, Claus Peter (home) - Bewußtlose Objektivität Aspekte einer Kritik der mathematischen
Naturwissenschaft - in: Krisis 21-22 - Bad Honnef 1998 - Internetpublikation - (Text - http://www.giga.or.at/others/krisis/c-p-ortlieb_bewusstlose-objektivitaet_krisis21-22_1998.pdf)
Der Text hinterfragt am historischen Beispiel Galileos den Objektivitätsanspruch der mathematischen Naturwissenschaften. Er ist leicht verständlich. Claus Peter Ortlieb ist Mathematikprofessor und gehört zum Umfeld der Gruppe Krisis um Robert Kurz. Der Text ist interessant hebt aber zu einseitig auf die Bedeutung der Wertform und des Kapitalismus für die Strukturierung des Denkens ab. Andere parallel wirksame gültige symbolische Ordnungen und Herrschaftsverhältnisse bleiben in ihrem widersprüchlichem Zusammenspiel unbegriffen.
Diese Engführung der Gedanken kennzeichnet auch weitere Texte von Claus-Peter Ortlieb, die aus kapitalismuskritischer Sicht trotzdem wichtige Einsichten für eine kritische Erkenntnistheorie enthalten. Dies gilt z.B. für den Text 'Gesellschaftskritik als Erkenntniskritik' - http://www.exit-online.org/html/link.php?tab=autoren&kat=Claus+Peter+Ortlieb&ktext=Gesellschaftskritik+als+Erkenntniskritik - und den Text 'Der Rhythmus des Absoluten' - http://www.exit-online.org/html/link.php?tab=autoren&kat=Claus+Peter+Ortlieb&ktext=Der+Rhythmus+des+Absoluten -. Insbesondere im letzten hier genannten Text werden die Probleme dieser Verengung der Argumentation deutlich. Durch die Simplifizierung der Zusammenhänge auf einen Hauptwiderspruch in klassisch marxistischer Tradition bleiben alle Widersprüchlichkeiten, die aus der gleichzeitigen Wirkung ungleicher Verhältnisse und den Unberechenbarkeiten der materiellen Realität resultieren unberücksichtigt. Die Autor vertritt fast eine Art marxistischen Platonismus, der an die Stelle von Gott oder der idealen Idee die Warenform und das Geld einsetzt. Die Kritik an der Vereinzelung der Menschen wird so zum modischen Kulturpessimismus. Kann doch auf dieser Ebene nicht erklärt werden, wieso die Menschen, die hier als vollständig bestimmt durch den Takt des Geldes begriffen werden, mit ihrer Vereinzelung unzufrieden sind.
Weitere Texte findet Ihr auf der Netzseite von Claus Peter Ortlieb - http://www.math.uni-hamburg.de/home/ortlieb/ - und auf einer Netzseite mit Texten der Krisis-Gruppe - http://www.exit-online.org/text1.php?tabelle=autoren&index=1&PHPSESSID=216c483cd6d343bc315fd0d859938c31 -.
Ortlieb, Claus Peter (home) - Das Erkenntnissubjekt als gewalttätige Eins - Internetpublikation 2005 - (Text - http://www.exit-online.org/html/link.php?tab=autoren&kat=Claus+Peter+Ortlieb&ktext=Gesellschaftskritik+als+Erkenntniskritik)
Eine kurze Darstellung der Positivismuskritik aus Sicht der kritischen Theorie.
Weitere Texte findet Ihr auf der Netzseite von Claus Peter Ortlieb - http://www.math.uni-hamburg.de/home/ortlieb/ - und auf einer Netzseite mit Texten der Krisis-Gruppe - http://www.exit-online.org/text1.php?tabelle=autoren&index=1&PHPSESSID=216c483cd6d343bc315fd0d859938c31 - siehe Kritik oben.
Reemtsen, Rembert (home) - Mathematik und Militärwesen - in: Informationsdienst Wissenschaft und Frieden 1/84- Marburg 1984 - (Text - http://www.uni-muenster.de/PeaCon/wuf/wf-84/8410500m.htm)
Ausgehend von der kritischen Betrachtung der Militarisierung der Mathematik im Zweiten Weltkrieg beleuchtet der die Bedeutung der militärischen Finanzierung mathematischer Forschung. Der Text ist einfach verständlich, aber auch etwas oberflächlich, es geht mehr um eine Darstellung von Fakten und Zahlen, als um eine tiefergehende Analyse.
Das es auch historisch früher weitergehende Beeinflussungen der Mathematik durch das Militär gegeben hat (z.B. Gründung der polytechnischen Hochschulen in Frankreich im Umbruch zur bürgerlichen Republik) wird ausgeblendet.
Star, Susan Leigh (home)/ Bowker, Geoffrey C. (home) - Pure, Real and Rational Numbers: The American Imaginary of Countability - Social Studies of Science - Vol. 31, No. 3 - Seite 422-425 - London 2001 - Internetpublikation - (Text - http://epl.scu.edu:16080/~gbowker/chadburning.doc)
Ein kurzer Text zur Bedeutung des Zählens, Gezähltwerdens, für die Konstruktion des bürgerlichen Subjektes.
Weitere Texte von Geoffrey Bowker finden sich auf seiner - Homepage - http://epl.scu.edu:16080/~gbowker/pubs.htm -.
Verran, Helen (home) - Accounting Mathematics in West Africa: Some Stories of Yoruba Number - in: Selin, Helaine [Ed.] - Mathematics across Cultures - Dordrecht 2000
In diesem Artikel beschreibt Helen Verran die westafrikanische Mathematik mit Yoruba Numbers. Um im Anschluß daran ihre eigene Erklärung unter dem Gesichtspunkt einer postkolonialen Kritik zu hinterfragen und um auf die Notwendigkeit, in eine Interpretation stärker die westafrikanische Alltagspraxis im Umgang mit Yoruba Numbers einzubeziehen, hinzuweisen.
Im Sinne Wittgensteins (obwohl sie sich nicht auf ihn bezieht) stellt sie heraus das Mathematik aus einer Praxis entsteht und nur in dieser Praxis voll begreifbar wird. Ihr geht es dabei darum deutlich zumachen, daß nicht eine absolute Mathematik bzw. Logik existiert (die Westliche) und alles andere nicht, nur noch nicht so weit entwickelte, Vorläufer sind, sondern, daß die unterschiedlichen Mathematiken unterschiedliche Arten des Zählens, der mathematischen Praxis, symbolisch verkörpern.
Verran, Helen (home) - Science and an African Logic - Chicago 2001
In diesem Buch führt Helen Verran ihre Überlegungen, die im vorher genannten Artikel angesprochen wurden, zum Denksystem der Yoruba Numbers ausführlich aus.
Verran, Helen (home) - Aboriginal Australien Mathematics: Disparate Mathematics of Land Ownership - in: Selin, Helaine [Ed.] - Mathematics across Cultures - Dordrecht 2000
Für die juristischen Aussagen über Landrechte der Ureinwohner Australiens ist es nach höchstrichterlicher australischer Rechtsprechung entscheidend, ob die oralen Wissenssysteme der Aborigenes eindeutige Landbesitzzuweisungen als Aussagen enthalten. Helen Verran führt aus, daß die Zuordnung der Clans zu Landmarken in der Region Australiens, in der sie mit Aborigenes bei der Erstellung eines kulturübergreifenden mathematischen Curriculums zusammengearbeitet hat, in einem genealogischem abstrakten Wissenssystem (Gurrutu) und einer Zuordnungspraxis (Djalkiri) gefaßt wird, in der Art einer Vektormathematik, und oral (in Gesängen) vermittelt wird.
Die Aborigenes übertragen ein genealogisches Denksystem mit seinen Begriffen (Onkel der Mutter/ Tochter und Schwester des Vaters/ ..) auf die Landschaft. Die unterschiedlichen Dinge erhalten so einen abstrakten Ort in einem komplexen Beziehungsgeflecht, in dem die Dinge untereinander, aber auch die Dinge mit den Menschen in Beziehung gesetzt werden. Dies ganze System ist verknüpft mit spezifischen Praxen der Nutzung des Landes.
Verran, Helen (home) - A Postcolonial Moment in Science Studies: Alternative Firing Regimes of Enviromental Scientists and Aboriginal Landowners - in: Social Studies of Science - Vol. 32 Nos 5-6 - London 2002
Das im vorher genannten Artikel beschriebene Wissenssystem der Aborigenes ist als kulturelle Praxis der Organisation der Landnutzung unter ökologischen Gesichtspunkten der modernen ökologischen Wissenschaft überlegen. Es ist besser als alle anderen Systeme in der Lage die Artenvielfalt zu erhalten, die nur durch die Jahrtausende alte Bewirtschaftung der Aborigenes entstanden ist. Aus diesem Grund versuchen ÖkologInnen und Landbewirtschaftungsfachleute dieses System zu verstehen. Verran beschreibt im Artikel einen solchen Versuch. Deutlich wird, daß sowohl Schwierigkeiten bestehen die abstrakte genealogische Logik als solche zu begreifen, wie auch, die Zuordnungspraxis (Wieso ist das der Großmutterbaum? Was soll das?).
Die Praxen erscheinen so beliebig.
Deutlich wird hier, daß eine Mathematik nicht nur aus Logik, sondern, in der Anwendung, immer auch aus einer sinnvollen Zuordnungspraxis besteht - was ist sinnvoll als eine Birne zu bezeichnen, dies ist nicht trivial -.
Unter Berücksichtigung der Annahme Verrans, daß es sich beim genealogischen System der Aborigenes um etwas ähnliches wie eine Vektormathematik handelt, ist außerdem, erstens, aufgrund der Komplexität, die Schwierigkeit des Verständnisses nicht verwunderlich, und zweitens, auch die Überlegenheit bei der Erklärung ökologischer Zusammenhänge erklärbar. Eine Mathematik, die nur Grundbegriffe kennt, die immer von vornherein in einem komplexen Verhältnis zu einander stehen, scheint für das Erfassen ökologischer Zusammenhänge von ihren Grundlagen her geeigneter als die westliche Mathematik nur linear einfach abhängiger Zahlen.
Verran, Helen (home) - Logics and Mathematics: Challenges Arising in Working across Cultures - in: Selin, Helaine [Ed.] - Mathematics across Cultures - Dordrecht 2000
In diesem Artikel zieht Helen Verran philosophische und erkenntnistheoretische Schlußfolgerungen aus ihren Erfahrungen mit Yoruba und Aborigenes Mathematik. Sie spricht sich sowohl gegen die klassisch neokolonialistische, imperialistische philosophische Sichtweise der einen, nur zu suchenden, und eben in der Regel westlichen Logik, die als wahrhaftiger Kern nur immer weiter klargestellt werden müßte, aus, wie auch, gegen einen multikulti Relativismus, der in der Setzung absoluter Differenzen, auch wieder dazu angetan ist andere Ethnien, als nicht der überlegenen weißen Kultur zugehörig, auszugrenzen. Sie fordert ein, die unterschiedlichen Mathematiken und Logiken als unterschiedliche Abstraktionen unterschiedlicher kultureller Praxen aufzufassen, die aber als Praxen auf einander bezogen werden können.
In einer Randbemerkung zeigt sie unter anderem den rassistischen und imperialistischen Charakter der Linguistik Chomsky's auf, die der erstgenannten philosophischen Sichtweise entspricht.
Weyl, Hermann (info) - Die heutige Erkenntnislage in der Mathematik - in: Gesammelte
Abhandlungen Band II - Heidelberg 1968
Weyl, Hermann (info) - Über die Grundlagenkrise in der Mathematik - in: Gesammelte Abhandlungen
Band II - Heidelberg 1968
Die beiden Texte von Hermann
Weyl (einem der wichtigsten Mathematiker des 20ten Jahrhunderts) stellen die
Grundlagen der intuitionistischen Mathematik und ihre Vorzüge gegenüber der
herrschenden mathematischen Auffassung dar. Die intuitionistische Mathematik
kommt ohne den Satz vom ausgeschlossenen Dritten aus. Dieser Satz gilt in der
feministischen Kritik als einer der zentralen Bestände der androzentrischen
(männlichen) Logik. Die Texte sind zwar auch für NichtmathematikerInnen mit ein
wenig Aufwand verstehbar, aber primär sicher für MathematikerInnen interessant.
Wittgenstein, Ludwig - Vorlesungen über die Grundlagen der Mathematik, Cambridge 1939 - in: Schriften/Ludwig Wittgenstein 7. Bd. - Frankfurt a.M. 1987
In den Vorlesungsmitschriften führt Wittgenstein aus wieso Mathematik "nicht unter einem Stein entdeckt" sondern "erfunden" wird. Und das es sich dabei um eine Praxis handelt, und Anschlußerfindungen der Erweiterung der bisherigen Mathematik sich als in der Praxis sinnvolle Fortsetzungen erweisen müssen - worin also der "Unterschied zwischen der Entdeckung der Konstruktion des 17-Eck und eines weißen Löwen" besteht -.
Besonders interessant ist der Disput zwischen Wittgenstein und Allen Turing, der in dieser Vorlesung als Student saß und dessen Grundannahmen Wittgenstein widerlegt.
Zerzan, John (info) - Number: Its Origin and Evolution - Internetpublikation - (Text - http://www.primitivism.com/number.htm - weitere Texte - http://www.insurgentdesire.org.uk/)
John Zerzan sieht in der berechnenden Mathematisierung der Welt die Grundlage für die Entfremdung des Menschen von der Natur. Der Text liefert einige provokative Gedanken, basiert aber auf einem ahistorischem und asozialem Naturbegriff, letztendlich übernimmt er damit die Trennung von Geist und Natur, nur das hier nicht der Geist dominieren soll, sondern die Natur. Das Reden gegen Handlungen wider die Natur, ist aber nicht weniger repressiv, z.B. gegen Lesben und Schwule, als die berechnende Logik des Kapitalismus. Viele Texte auf primitivism.com erinnern so nicht zufällig an den 'Edlen Wilden' Rousseaus. Dies ist nur die andere Seite einer binären Logik und gehört damit zu ihr wie die berechnende Mathematik.
- Kritik der Informatik, Computertechnik und
Systemtheorie
Becker Schmidt, Regine - Die Gottesanbeterin Wunschbilder und Alpträume vom
Computer - in: Krafft, Alexander/Ortmann, Günther [Hg.] - Computer und Psyche
Angstlust am Computer - Frankfurt a.M. 1988
Die feministische Theoretikerin
Regine Becker Schmidt wirft hier die Fragen auf, welche unbewußten und gesellschaftlichen Bilder in die
Technologie eingelassen werden, und, wie die Technologie sie ändert und
reproduziert. In diesem Sinn kann dieser Text als ein Beispiel verstanden
werden, wie die von Sandra Harding (siehe dort) geforderte Reflektion der
Technikentwicklung im Sinne starker Objektivität aussehen könnte. Der Text ist
allgemeinverständlich.
Buchmann, Sabeth(home) - "Nur soviel: Das Medium ist nicht die Botschaft" - in: Babias, Marius - Im Zentrum der Peripherie. Kunstvermittlung von Vermittlungskunst in den 90er Jahren - Dresden 1995
Eine Kritik der postmodernen Medientheorien (Norbert Bolz/Peter Weibel/Vilém Flusser/..), die auf hohem theoretischem Niveau gut verständlich aufweist, das diese Theorieansätze nicht nur simplifizierend alte Stereotype reproduzieren sondern auch im klaren Widerspruch zu poststrukturalistischen und feministischen Ansätzen und Kritiken (z.B. Judith Butler) stehen.
Critical Art Ensemble (home) - The Electronic Disturbance - Internetpublikation - (Text - http://www.critical-art.net/books/ted/index.html)
Critical Art Ensemble (home) - Electronic Civil Disobedience - Internetpublikation - (Text - http://www.critical-art.net/books/ecd/index.html)
Critical Art Ensemble (home) - Digital Resistance - Internetpublikation - (Text - http://www.critical-art.net/books/digital/index.html)
Das Critical Art Ensemble diskutiert in diesen drei Texten unterschiedliche Strategien für eine revolutionäre konkrete Praxis im Umgang mit der Informations- und Biotechnologie und entwickelt konkrete Strategien. Zum Teil bleibt dabei aber die Technologiekritik auf der Strecke und das Konzept mündet in technologischer Akzeptanzbeschaffung. Außerdem fehlt der Kritik ein Begreifen der produktiven Aspekte von Technologie im Sinne der Produktion neuer Subjektivitäten, Big Brother ist halt nicht mehr Orwell sondern eine beliebte Fernsehsoap. Mit der Repressionshypothese ist dies nicht zu begreifen und in der Biotechnologie sind ähnliche Entwicklungen zu erwarten. Beschrieben werden diese Effekte zum Teil von Donna Haraway.
Diefenbach, Katja (info) -
Kontrolle, Kulturalisierung, Neoliberalismus. Das Internet als Verstärker. -
in: [Hg] Lovink, Gert/Schulz, Pit. Netzkritik. Materialen zur Internet-Debatte
- Berlin 1997
Katja Diefenbach kritisiert den Internethype im Kontext der Entwicklungen von Arbeitsverhältnissen und des Kapitalismus auf hohem theoretischem Niveau ausgehend von poststrukturalistischen Theorieansätzen.
Diefenbach, Katja (info) - Wunschlos unglücklich. Über technologisch unterstützte Herrschaft, Freizeit-Knäste und Wunschmaschinen - in: BüroBert / minimal club / Schultz, Susanne [Hg] - Geld*Beat*Synthetik - Berlin 1996 -Internetpublikation - (Text - http://ftp.fortunaty.net/com/textz/textz/diefenbach_katja_wunschlos_ungluecklich.txt )
Ausgehend von den Theorie Jean Baudrillards und von Gilles Deleuze/Felix Guattari kritisiert Katja Diefenbach die simplifizierende hippe Technikafirmation durch reaktionäre Medienwissenschaftler wie Norbert Bolz u.a. und führt eine differenzierte radikale linke Position zum politischen Potential der Informationstechnologien aus.
Diefenbach, Katja (info) - Hans im Glück. Das Technosubjekt im Freizeitknast - Internetpublikation (1996) - (Text - http://www.nightsounds.de/hansimgl%fcck.htm)
Eine intelligente und differenzierte Analyse der Integration der techno-subkulturellen Praxen in den kapitalistischen Alltag und ihrer Instrumentalisierung für den kapitalistischen Mehrwert und das Funktionieren von Herrschaft.
Erb, Ulrike (home) - Das Märchen vom sanften Computer - in: Conrad/Konnertz [Hg.] -
Weiblichkeit in der Moderne - Tübingen 1986
Eine Kritik des Scheins
sogenannter "ganzheitlicher" Technikansätze insbesondere in den
Informationstechnologien aus feministischer Sicht.
Forsythe, Diane E. - Engineering Knowledge: The
Construction of Knowledge in Artificial Intelligence - in: Social Studies of Science - Vol. 23 No. 3 - London 1993
Ethnometodologische
Untersuchung in Einrichtungen die Expertensysteme erstellen zu geschlechtlichen und sozialen Vorurteilen, die insbesondere in die Definition des als relevant anzusehenden Wissens eingehen.
Helmreich, Stefan (home) - Recombination, Rationality,
Reductionism and Romatic Reactions: Culture, Computers, and the Genetic
Algorithm - in: Social Studies of Science - Vol. 28 No 1 - London 1998
Der Autor führt aus, wie sich
die heterosexistischen stereotypen Vorstellungen der Programmierer in ihrer
Arbeit im Computerprogramm abbilden, am Beispiel der Programmierung mit Genetic
Algorithm. Es handelt sich hier um eine ethnometodologische Feldstudie.
Kumbruck, Christel (home) - Kritische Auseinandersetzung mit "ganzheitlichen" Informatikkonzepten
Eine Kritik sogenannter
"ganzheitlicher" Informatikkonzepte aus feministischer Sicht -
Quelle leider unbekannt
Kumbruck, Christel (home) - Die binäre Herrschaft: Intuition und logisches Prinzip - München 1990
Dieses Buch führt vor allem im
zweiten Teil einen grundsätzlichen Zusammenhang zwischen binären
Logikstrukturen und ihrer Dominanz, und langfristigen gesellschaftlichen
Entwicklungen der Geschlechterdifferenz aus. Berücksichtigt wird dabei, sowohl
die Mythologie und die sich in ihr wiederspiegelnde Herausbildung des
(männlichen) abendländischen Logos mit der Trennung von Sophia und Logos, und,
die Funktionsweise des sich bildenden vergeschlechtlichten Unterbewußten des
Bürgertums. Der Text baut in diesem zweiten Teil sehr stark auf anderen
Theorien auf. Das Buch benennt wichtige Aspekte einer Kritik der
Informationstechnologien, die ansonsten selten benannt werden.
Rübsamen, Rosemarie (info) - Der Wolf hat Kreide
gefressen - bewahrt Euer Mißtrauen gegenüber der Wissenschaft - in: beiträge
zur feministischen theorie und praxis Nr. 12 - Kön 1984
Rosemarie Rübsamen kritisiert in
diesem Text die Systemtheorien und die Aussage, daß insbesondere die
feministische Kritik an den Naturwissenschaften auf die Systemtheorien nicht
zutreffen würde.
Sobchack, Vivian (info) - All-Theorien - in: Hans Ulrich Gumbrecht/K. Ludwig Pfeiffer -
Paradoxien Dissonanzen Zusammenbrüche - Frankfurt 1991
Der Text der feministischen
Kulturwissenschaftlerin Vivian Sobchak stellt kurz die systemtheoretischen
Ansätze dar um dann zu einer radikalen Kritik überzuleiten - 'ihr politisches Unbewußtes appelliert an
faschistische Sehnsüchte und einen gefährlichen Relativismus'. Leider ist
vieles ein bißchen sehr kurz ausgeführt. Dieser Text stellt eine sehr klare
Kritik der systemtheoretischen Ansätze und ihrer Ideologie dar.
Star, Susan Leigh (home) - The Politics Question in Feminist
Science and Technologie Projects: the queering of infrastructure -
Internetpublikation - (Text - http://www.drury.edu/ess/Technology/starr.htm)
Thesen/Fragen zu Feminismus und
Computernutzung.
Thürmer-Rohr, Christina (home) - Wendezeit - Wendedenken -
Wegdenken - in: beiträge zur feministischen theorie und praxis Nr. 12 - Köln
1984
Christine Thürmer-Rohr
kritisiert in diesem Text pointiert und treffend Capras Ideologie und ihren Aufgriff
in der feministischen Bewegung.
Weber, Jutta (info) - Ironie, Erotik und Techno-politik: Cyberfeminismus als Virus in der neuen Weltunordnung? - in: Die Philosophin. Forum für feministische Theorie und Philosophie - 12.Jg. H. 24 - Tübingen 2001 - Internetpublikation - (Text - http://www.obn.org/reading_room/writings/html/ironie.html)
Dieser Text ist zwar vom theoretischem Niveau ziemlich schlecht und inhaltlich falsch verweist aber auf eine Vielzahl interessanter Quellen. Der Text der Autorin gibt einen guten Überblick über Tendenzen im Cyberfeminismus. Das Hauptproblem des Textes ist, daß in klischierter Weise in völliger Abstraktion oder auch Unkenntnis von den politischen Realitäten der 70er und 80er Jahre und der dort formulierten differenzierten Technologiekritik (z.B. durch Theoretiker wie Jean Baudrillard aber auch durch vielfältige politische Basisgruppen oder in einer feministischen Zeitschrift wie der Schwarzen Botin) eine Scheinrealität einer naiven Funditechnologiekritik als Strohpuppe aufgebaut wird um dann auf diese eindreschen zu können, und die hier vertretene letztendlich naive Herrschafts-Technik-Affirmation zu verkaufen. Denn Technikkritik wird hier nur formuliert um immer wieder zu demselben Schluß zu kommen, frau muß sich mit dieser herrschenden Technik arrangieren oder wird sich ihr unterordnen müssen. Das mit einem solchen zur Formulierung alternativer Technologien unfähigen Blick nicht einmal so was triviales wie Windkraftanlagen durchgesetzt hätte werden können, dann hätten wir höchstens "alternative" Atomkraftwerke (vielleicht als buntangestrichene dezentrale Blockheizkraftkraftwerke), fällt der Autorin auf Grund ihrer Unkenntnis der politischen Auseinandersetzungen der 70er und 80er Jahre dann auch nicht auf.
Gerade im Bereich der Informationstechnologie und bei Cyberfeministinnen ist eine solche Backlashargumentation häufig anzutreffen, dieser Text ist dafür eine gute Dokumentation. Durch Geschichtsfälschung und die Trivialisierung der theoretischen Auseinandersetzung um Technologie in den 70er und 80er Jahren wird ähnlich wie in den Auseinandersetzungen mit dem konservativem Kampfbegriff Political Corectnes, durch die abwertende Falschdarstellung der politischen Bewegungen der 70er und 80er Jahre ein Bewegungs-Bashing betrieben, um die eigene Anpassung an übermächtige reaktionäre Herrschafts-Technologie-Formationen als Fortschritt verkaufen zu können und vor dem eigen schlechtem Gewissem zu legitimieren.
Ich halte nicht die Anpassung an diese Übermacht für den Fehler, sondern den Versuch diesen verlorenen politischen Kampf gegen diese herrschaftsaffirmative Form der Informationstechnologie und die daraus resultierenden gesellschaftlichen Rückschritte auf dem Weg zu einer freieren Gesellschaft als Fortschritt zu verkaufen. Entlang dieser Linie würde ich auch viele Cyberfeministinnen kritisieren, nicht die Nutzung des Computers und des Internets für politische und andere Zwecke ist das Problem sondern die weitestgehend kritiklose Affirmation dieser Technologie, zumindest bzgl. ihrer strukturellen und symbolischen Folgen. Eine Kritik findet höchstens noch auf der Ebene statt, welche und wer welchen Zugriff auf die Technologie hat.
Ähnlich wie bei der Auto-Straße-Technologie (weitgehende Enteignung des öffentlichen Raumes/Kinderziehung zum Regelbefolgen unter Androhung von Verstümmelung und Todesstrafe/usw.) gilt aber für die Computer-Internet-Technologie (Fixierung des Denkens auf Binärstrukturen/Fremddefinition der Subjekte über Information/usw.) daß sie weit über den individuellen Anwendungsbereich hinaus herrschaftsaffirmative Strukturen in der Gesellschaft als Technologie materialisiert und festschreibt, und technologische Alternativen ließen sich natürlich in beiden Fällen entwickeln. Dies ist eine Kritik die bereits in den 70er und 80er Jahren formuliert wurde und immer noch aktuell ist.
Auch die Dissertation der Autorin "Umkämpfte Bedeutung: Natur im Zeitalter der Technoscience" ist im Netz erhältlich; - Text - http://elib.suub.uni-bremen.de/publications/dissertations/E-Diss228_webersec.pdf -.
- Kritik der Medizin, Medizin anderer Kulturen
Adams, Vicanne - Randomized Cotrolled Crime: Postcolonial Sciences in Alternative Medicine Research - in: Social Studies of Science - Vol. 32 Nos 5-6 - London 2002
Die tibetanische Medizin wird durch die unterschiedlichsten Kontexte beeinflußt;
- durch die Ausgrenzung als Nicht-Medizin und ihre Kritik nach westlich medizinischen Maßstäben,
- durch die Ausbeutung des medizinischen Wissens durch Pharmakonzerne,
- durch das Interesse tibetanischer Mediziner(Innen?) sich auf dem internationalem Markt zu etablieren,
- ..
AGGPG
[Hg.] - Hermaphroditen im 20. Jahrhundert - Bremen 1997 -
In Deutschland werden Kinder
genitalverstümmelt, falls sie nicht in das eindeutige binäre Geschlechtsraster
passen, sondern als Intersexuelle geboren werden. Die AGGPG arbeitet seit
Jahren gegen diese Praxen. Der Reader gibt einen guten Überblick über das
Thema. Aktuelle Infos zum Thema findet Ihr z.B. über die Links auf der Seite http://www.x-berg.de/ bzw. über http://www.das-verordnete-geschlecht.de
Barnes, Djuna - Kennen Sie Zwangsernährung? - in: Barnes, Djuna - New York - Reinbek, 2002 - (Text - http://www.ak-anna.org/der_neue_mensch/medizin_kritik_norm/zwangsernaehrung_sufragetten.htm)
Eine Reportage der Schriftstellerin Djuna Barnes von 1914, ein kurzer Text zur Gewaltausübung/Folter durch Zwangsernährung gegen Hungerstreikende. Djuna Barnes hat sich zu Beginn des 20ten Jahrhunderts für diese Reportage dieser Prozedur selbst freiwillig ausgesetzt um als Journalistin über diese Form der medizinischen Gewalt, die gegen die Sufragetten in Großbrittanien ausgeübt wurde und nicht selten langfristig zum Tod führte, berichten zu können.
Corea, Gena (home) - MutterMaschine - Hamburg 1986
Ein Buch zur Kritik der Reproduktionstechnologien aus feministischer Sicht. Aufgrund seiner Umfassendheit und klaren Stellungnahme in den 80er Jahren ein Standartwerk der feministischen Diskussion.
Duden, Barbara (home) - Sammlung I, Ausgewählte Schriften und Vorträge 1991-1998 (Der fließende und der verstockte Körper / Schwangerschaft: Die gute Hoffnung und die Diagnose / Die bio-optimale Frau) - Internetpublikation - (Text - http://www.pudel.uni-bremen.de/pdf/duden_ammlung.pdf) - (Die Texte behandeln Themen, die Barbara Duden zeitgleich in drei Büchern diskutiert hat; Geschichte unter der Haut. Ein Eisenacher Arzt und seine Patientinnen - Stuttgart 1987 / Anatomie der Guten Hoffnung. Zur Bildgeschichte des Ungeborenen - Frankfurt/Main 2003 / Der Frauenleib als öffentlicher Ort. Vom Mißbrauch des Begriffs Leben - Hamburg 1991)
Barbara Duden beschreibt die historischen Veränderungen bzgl. Körper., Leib, Gesundheit und verdeutlicht so die Funktionen moderner Begrifflichkeiten der Medizin/Biologie/Genetik bei der (Selbst)Enteignung des Frauenleibes. Barbara Duden ist eine sehr detailreich, genau und überzeugend argumentierende Wissenschaftlerin (Historikerin/Soziologin), die ihr Begreifen der heutigen Alltagspraxis, von Schwangerschaft, Pränataldiagnostik, Ultraschall, u.a. durch die Verfremdung aus der Übernahme einer Position des historisch früher Anderen gewinnt. Ihre Analysen sind in vielen Punkten, was heutige Wissenschaft und ihre Wirkung im Alltag angeht, sehr aufhellend.
Bzgl. der Vergangenheit neigt sie aber zu einem zu positiven Blick, der die damaligen Machtdiskurse und ihre Wirkungen auf den Leib u.a. ausblendet. Dies führt teils zu essentialistischen Positionen eines von ihr imaginierten früheren direkten Zugangs zu Weiblichkeit und Leib. Da Barbara Duden lange Jahre mit Ivan Illich zusammengearbeitet hat, liegt nahe, daß sie die strukturell 'katholische' Sicht auf die Dinge, die bei Illich durchscheint, hier übernimmt. Denn vieles liest sich wie die Vertreibung aus dem Paradies nach dem Sündenfall des Essens vom Baum der Erkenntnis. Das historisch Frühere wird mit Unschuld und originärer Leiberfahrung verknüpft, eine Sichtweise die den Blick auf die Kontinuitäten und Umwandlungen älterer Machtdiskurse in neue verstellt, und damit auch das Begreifen dieser modernen Machtstrukturen nur bedingt leisten kann. Dies verknüpft sich zum Teil noch mit einer besonderen Schuld der Frau (an sich selbst) weil sie sich auf diese modernen Körperdiskurse einläßt, und weist damit in die höchstproblematische Richtung einer Sonderverantwortung der Frauen für das Leben. Sicher nicht im Sinne Dudens, aber trotzdem in ihren Texten angelegt, lassen sich diese Texte so auch reaktionär interpretieren, daß Frau nun an der Gewalt, der sie in der Medizin ausgesetzt ist, selbst Schuld hat und dies als Ausgleich für ihre Sünde des Paktierens mit der Moderne (also dem Teufel) auch verdient hat. Sie übersieht, daß die kapitalistischen Modernisierungsprozesse mit ihrer Zerstörung hergebrachter Strukturen auch immer eine Entbindung und Befreiung aus überkommenen Gewaltverhältnissen beinhalten, nur das diese Machtverhältnisse gleichzeitig in neue Machtstrukturen überführt werden.
Bzgl. der Moderne liefert Barbara Duden aber Detaileinsichten in die Funktionsweisen von medizinischen Disziplinartechniken, wie sie sonst kaum zu finden sind. Weitere Texte von Barbara Duden sind zu finden unter: - http://www.pudel.uni-bremen.de/432dt_barbara_duden.html#Bibliographie -.
Duden, Barbara (home) - Die Verkrebsung - Internetpublikation - (Text - http://www.pudel.uni-bremen.de/pdf/VERKREBS.pdf) -
Die Autorin kritisiert differenziert die Bedeutung von Risikodiskursen und Produktion von Risikobewußtsein für die Konstitution eines neuen medizinalisierungsadäquaten Subjektes. Krebs ist in der Form wie heute Ängste um Tod und Verfall hier gebündelt werden ein Phänomen der Moderne, und Krebs ist auch ein Phänomen, daß etwas aussagt über unsere moderne Methodik Ängste durch Disziplinartechnik ruhig zu stellen und an Experten zu deligieren.
Für die Kritik an diesem Text gilt gleiches, wie oben.
Weitere Texte von Barbara Duden sind zu finden unter: - http://www.pudel.uni-bremen.de/432dt_barbara_duden.html#Bibliographie -.
Duden, Barbara (home) - Die Ungeborenen. Vom Untergang der Geburt im Laufe der Nachkriegszeit. - Seite 148 bis 168 - in: Schlumbohm, Jürgen [Hg.] - Rituale der Geburt: Eine Kulturgeschichte - München 1988 -
Die Autorin stellt dar welche Bedeutung der Medizinalisierung der geburt und ihrer Verlagerung in die Klinik beikommt. Und das es hierbei nicht um die Verringerung der Kindersterblichkeit ging.
Im Gegensatz zur Autorin würde ich darauf Wert legen auch die Geburtspraxen früherer Zeiten als gesellschaftlich kulturell vermittelte Praxen zu begreifen in die die jeweiligen Macht- und Herrschaftsverhältnisse eingeschrieben waren. Für die Kritik an diesem Text gilt insofern gleiches, wie oben.
Weitere Texte von Barbara Duden sind zu finden unter: - hhttp://www.pudel.uni-bremen.de/432dt_barbara_duden.html#Bibliographie -.
Duesberg, Peter (home) / Koehnlein, Claus / Rasnick, David - The chemical bases of the various AIDS epidemics: recreational drugs, anti-viral chemotherapy and malnutrition - in: Journal of Bioscience Vol. 28 No. 4 - Bangalore 2003 - (Text - http://www.ias.ac.in/jbiosci/dec2003/791.pdf) -
Ein medizinischer Fachtext der mit medizinisch wissenschaftsimmanenten Argumenten die gängige Theorie bzgl. AIDS und die Behandlung mit AZT kritisiert. Die Texte zur Infragestellung der Virushypothese und der Wirksamkeit von AZT von Peter Duesberg sind eben so wie die von Kary Mullis von homophoben Grundannahmen durchzogen. Sie sind außerdem keine wissenschaftskritischen Positionen, sondern die Texte wissenschaftsimmanenter Außenseiter. In den Texten geht es nicht um eine grundsätzliche kritische politische und gesellschaftliche Kontextualisierung medizinischer Wissenschaft sondern um die medizinimmanente Durchsetzung einer alternativen Sichtweise.
Kritische Naturwissenschaft ist eine Praxis die ihre eigen Methoden und Begriffe z.B. bzgl. ihrer gesellschaftlichen Wirkung mit reflektiert und auch reflektiert, welche Vorurteile in ihre naturwissenschaftlichen Annahmen eingehen. Dies findet in diesen Texten nicht statt.
Obwohl eine Infragestellung der Virushypothese als alleiniger Ursache für AIDS aus wissenschaftskritischer Sicht sinnvoll erscheint, sind die Texte von Kary Mullis und Peter Duesberg in diesem Kontext auf Grund dieser Struktur für eine kritische Sicht auf AIDS nur sehr bedingt tauglich.
Eine wesentlich interessantere Kritik findet sich in den hier aufgeführten Texte aus der 'ALASKA-Zeitschrift für Internationalismus' - Heft 234 - Bremen 2000 - von Patricia McFadden, Stephan Geene, Alexis Jeremias und Ilse Lass.
Fausto-Sterling, Anne (home) - Sexing the Body. Gender Politics and
the Construction of Sexuality - New York 2000
Das Buch beschreibt, kritisiert
und dekonstruiert ausführlich die Konstruktion einer heterosexuellen
Zweigeschlechtlichkeit durch Medizin und Biologie.
Geene, Stephan - Projektionen Von Einer Projektiven Sache, zur Geschichte der AIDS-Debatte - in: alaska, Zeitschrift für Internationalismus - Heft 234 - Seite 4 bis 7 - Bremen 2000 - (Text - http://ak-anna.org/aids_afrika_medizin_sexualitaet/aids_hiv_virus.htm) -
Stephan Geene diskutiert hier thesenartig die Kritik Duesbergs an der Virushypothese und stellt die Notwendigkeit heraus, die medizinische Praxis als eine die Realität konstituierende Tätigkeit zu begreifen. Die Festlegung des medizinischen Mainstreams auf die Behauptung, daß AIDS eine reine Viruserkrankung sei, ist insofern im medizinischen Apparat wirklichkeitsschaffend und in diesem Sinn auch für Menschen real. Eine medizinische Wirklichkeit jenseits der Medizin existiert nicht. Um so wichtiger werden damit aber ästhetische und soziale Praxen, die es Menschen ermöglichen ihre eigene Realitätswahrnehmung parallel und im Widerspruch zur medizinischen Setzung zur Wirkung zu bringen.
Stephan Geene ist Mitinitiator von: - http://www.b-books.de/ -.
GRAINE (home) - Fowl play, Falsches Spiel. Die zentrale Rolle der Geflügelindustrie in der Vogelgrippekrise - in: GRAIN Infobrief - Februar 2006 - Barcelona - (Text - http://www.huehner-info.de/vogelgrippe/vogelgrippe-GRAIN-feb2006.html) -
Dies ist die Übersetzung eines Artikel der Organisation GRAIN (an international non-governmental organisation which promotes the sustainable management), in dem dargelegt wird, wie der Seuchendiskurs um die Vogelgrippe von der Lobby der Hühnerindustrie wieder besseren Wissens gegen die Freilandhaltung in Kleinbetrieben instrumentalisiert wird und dabei UN-Organisationen benutzt werden.
Illich, Ivan (info) - Tools for Conviviality - Internetpublikation - (Text - http://homepage.mac.com/tinapple/illich/1973_tools_for_convivality.html) - (Als Buch publiziert: Tools for Conviviality - London, 1973)
Ivan Illich war in den 60er und frühen 70er Jahren der vielleicht wichtigste Kritiker der modernen Zivilisationsmythen. Seine Bücher zur Wirkung des Schulsystems, als ein System, das vor allem im Trikont (Er selbst lebte in Lateinamerika), primär der Reproduktion von Herrschaft dient (Deschooling Society - Text - http://olivier.hammam.free.fr/imports/illich/deschool/ -), seine Analyse des Medizinalsystems, daß zur Verkrankung der Gesellschaft und zu mehr Elend führt, seine Kritik des Umgangs mit Sprache (Vernacular Values - Text - http://www.preservenet.com/theory/Illich/Vernacular.html -), seine Kritik an den Wirkungen von Technologie (Energy and Equity - Text - http://www.cogsci.ed.ac.uk/~ira/illich/texts/energy_and_equity/energy_and_equity.html -), u.a. stellten für viele Menschen weltweit den Ausgangspunkt für eine grundsätzliche Infragestellung des zivilisatorischen Fortschrittsmythos dar. Sie waren ein Ausgangspunkt moderner Wissenschafts- und Technologiekritik. Der Text Tools for Conviviality gibt noch einmal einen Überblick über einen Teil dieser Kritiken. Ivan Illich geht bei seiner Kritik sowohl von der historischen Analyse aus, die aufzeigt, daß auch viele Selbstverständlichkeiten Produkte historischer Prozesse sind (Z.B. unser Begriff von Gesundheit) und insofern durchaus als gesellschaftliche Setzungen auf ihre Wirkungen hin hinterfragt werden müssen, als auch vom Vergleich der Zivilisationsversprechen mit der Realität der Verelendung vieler Menschen.
Als katholischer Theologe liegt es Nahe seine Arbeit teilweise unter dem Blickwinkel eines ihr inhärenten strukturellen 'Katholizismus' zu kritisieren. Wie schon bei Barbara Duden ausgeführt lesen sich auch bei ihm viele Texte, wie die Vertreibung aus dem Paradies. Die moderne Technologie erscheint so wie der Apfel vom Baum der Erkenntnis, mit dem die Menschen sich selbst verdammen. Die Gewaltsamkeit und Vermachtung indigener Gesellschaften oder historischer Wissensformationen wird von ihm weitestgehend ausgeblendet, damit verstellt er das Verständnis, wie es zum Heute kommen konnte, und er negiert auch vielfältige Ansatzpunkte für Widerstand. Der Pessimismus der letzten Jahre Ivan Illich's basiert für mich in dieser Selbstverstellung der Analyse der realen Machtwirkungen, die zu einer strukturell 'katholischen' unaufhebbaren Schuld des Menschen führt, aus der kein Ausweg zu existieren scheint.
Ein wichtiger Bestandteil der Durchsetzung der Moderne (Technologie und Naturwissenschaft) war aber ihr Auftreten als Befreiung von traditionellen Zwängen, das heißt die Suche der Menschen nach Freiheit wurde für die Modernisierung der Herrschaft instrumentalisiert. Das Ziel der Freiheit existiert auch heute weiter und es gilt dieses Versprechen wieder aufzugreifen gegen die modernisierte Herrschaft, für eine anarchistische Naturwissenschaft und Gesellschaft.
Weitere Texte von Ivan Illich sind zu finden unter: - http://homepage.mac.com/tinapple/illich/ -.
Jeremias, Alexis - Krankheit und Konstrukt, AIDS-Politiken in Afrika - in: alaska, Zeitschrift für Internationalismus - Heft 234 - Seite 14 bis 19 - Bremen 2000 - (Text - http://ak-anna.org/aids_afrika_medizin_sexualitaet/aids_virushypothese_kritik.htm) -
Eine ganze Reihe Gründe sprechen dafür, daß ein erheblicher Teil der als AIDS-Erkrankung in Afrika diagnostizierten Erkrankungen mit AIDS nichts zu tun hat. Da in Afrika die dort gültigen Diagnoserichtlinien (rein symptomatische Diagnosen ohne Tests) AIDS ununterscheidbar von einer ganzen Reihe weiterer Erkrankungen machen (Z.B. TBC, die als Armutserkrankung in Afrika weit verbreitet ist), ist davon auszugehen, daß die "AIDS in Afrika"-Diskussion im nicht unerheblichen Maß die realen Probleme - Mangelernährung, Hygienemängel, dreckiges Trinkwasser und Armutserkrankungen - wie ein Nebelwerfer verdeckt. Die über das Stigma "AIDS und afrikanische Sexualität" aufgemachte Debatte dient offensichtlich zur rassistischen Ablenkung von den realen Ursachen, kapitalistischer Ausbeutung, postkolonialer Abhängigkeitsstrukturen, für ein Großteil dieser Erkrankungen, die AIDS nur in einem Teil der Symptome gleichen.
King, Nicholas - Security, Disease, Commerce: Ideologies of Post-Colonial Global Health - in: Social Studies of Science - Vol. 32 Nos 5-6 - London 2002
Dem "War Against Terrorism" ging ein sehr ähnliches ideologisches Konstrukt voraus der Kampf der USA gegen unberechenbare Krankheitserreger weltweit. Im Sinne eines "Emerging Deseases Worldview" wurde bereits unter der Präsidentschaft Bill Clintons eine weltweite gesundheitspolitische Eingriffspolitik der USA eingefordert, um den Ausbruch und die Weiterverbreitung von Krankheiten bereits in den 'Herkunftsländern' zu stoppen.
Kohler Riessman, Catherine (home) - Women and Medicalisation - in: Weitz, Rose [Ed.] - The Politics of Women's Bodies. Sexuality, Appearance and Behaviour - New Yorck / Oxford 2003 -
Ein Text der einen guten Überblick über die Bedeutung der Medizin als Herrschafts- und Disziplinartechnologie gegenüber Frauen gibt und dies nicht nur am Beispiel des Gebärens. Der Text liefert außerdem eine Vielzahl an interessanten Literaturhinweisen zu diesem Thema.
Kothari, Manu L./Metha, Lopa A. (info) - Violence in Modern Medicin - in: Nandy, Ashis [Ed.] (home) - Science, Hegemony and Violence, A Requiem for Modernity - New Delhi 1988 - (Text - http://www.unu.edu/unupress/unupbooks/uu05se/uu05se0d.htm#5.%20violence%20in%20modern%20medicine)
Der Artikel kritisiert in polemischer Form aus der Sicht zweier indischer WissenschaftlerInnen die Moderne Medizin primär als ein System der Gewalt und der Bereicherung. Von den gleichen AutorInnen findet sich zu diesem Thema auch noch ein Buch im Internet - Living Dying - http://www.healthlibrary.com/reading/living/ -.
Das Buch, in dem der genannte Artikel zu finden ist, ist entstanden im Rahmen eines wissenschaftlichen Programms der United Nations University in Tokyo. Im gleichen Buch sind weitere Artikel zum Zusammenhang Kolonialismus und Naturwissenschaftskritik zu finden. Auch dieses Buch ist im Internet zu finden unter - Science, Hegemony and Violence - http://www.unu.edu/unupress/unupbooks/uu05se/uu05se00.htm#Contents -.
Lass, Ilse - "Frei Von Armut, Frei Von AIDS", Chronik einer südafrikanischen Kontroverse - in: alaska, Zeitschrift für Internationalismus - Heft 234 - Seite 20 bis 25 - Bremen 2000 - (Text - http://ak-anna.org/aids_afrika_medizin_sexualitaet/aids_afrika_armut.htm) -
Wissenschaftlich-medizinische Wahrheiten werden nicht nur, nicht einmal primär, durch einen innerwissenschaftlichen Diskurs erzeugt, sondern auch über Werbeagenturen und politisch-wirtschaftliche Machtzirkel als gesellschaftlich hegemoniale Deutungen durchgesetzt. Der Artikel führt ausführlicher die Auseinandersetzungen mit der südafrikanischen Regierung und ihrer vom Mainstream abweichenden AIDS-Politik aus, die als eine der wenigen Regierungen den KritikerInnen des medizinisch-pharmakologischen Establishments breiten Raum einräumte.
Lemke, Thomas (home) - Gesunde Körper - kranke Gesellschaft? Medizin im Zeitalter der Biopolitik - in: Zeitschrift für Biopolitik - 2. Jg., Nr. 2 - Seite 67-71 - Berlin 2003 - Internetpublikation - (Text - http://www.thomaslemkeweb.de/publikationen/Gesunde%20K%F6rper%20(FR).pdf)
Der Text stellt sehr kurz einige interessante Thesen dar. Er kritisiert zuerst die Ausblendung sozialwissenschaftlichen Wissens aus der Analyse medizinischer Praxen und die inflationäre Verwendung des Begriffs Bio-Politik. Ausgehend von der Analyse, daß soziale und politische Zusammenhänge in der Diskussion der Bio- und Medizintechnologie ausgeblendet werden, das die Frage, "[..] welche Interessen (verbinden) sich mit der Durchsetzung bestimmter Krankheitsbilder und der Suche nach spezifischen Krankheitsursache", in der Wissenschaft außen vor bleibt, werden vier Problemkomplexe andiskutiert.
1) Virtualisierung - Durch die prädikative Medizin wird Krankheit zum Normalfall, der Krankheitsbegriff wird auf Zustände ausgedehnt, die bisher nicht als krank galten, der Normierungsdruck steigt.
Als Kritik an Lemke ergibt sich die Frage, ob dies nicht ein Grundmoment der Medizin ist und schon lange gilt.
2) Individualisierung - Die biologistische - genetische, neurologische - Erklärung individueller Krankheitsverläufe, eine biologistische Konstruktion des Individuums.
3) Sozialisierung - Körperteile und substanzen werden zur Ware. Die Medizin wird zunehmend von Kosten/Nutzen Erwägungen bestimmt. 'Genetische Risiken' begründen neue Abhängigkeiten und Verpflichtungen innerhalb der Verwandtschaftsbeziehungen.
4) Naturalisierung - Die Auflösung z.B. der Artgrenzen durch die Genetik führt als Reaktion zu einer Verschärfung der soziobiologistischen Diskurse der Naturalisierung von Grenzsetzungen, sexistischer, rassistischer, usw.
Als Kritik an Lemke ist hier festzustellen, daß die moderne Medizin im Gegenteil zur Behauptung der Auflösung von Grenzen zur verstärkten Einschrift der binären geschlechtlichen Ordnung auf der Ebene des immer schon konstruierten biologischen Körpers führt und das nicht nur diskursiv. Z.B. durch Enthaarungspraxen, durch die Auslöschung intersexuellen Lebens, durch operative Praxen (Klitorisverkürzungen/'Schönheits'operationen/), durch Hormonbehandlungen, usw. usw.. Die Medizin führt dadurch zu einer Verengung der Handlungsspielräume, die aus der leiblichen Vielfalt und Uneindeutigkeit resultieren, da diese Vielfalt systematisch eliminiert wird.
Der Text ist kurz und gut verständlich. An vielen Stellen würde aber mehr Ausführlichkeit gut tun oder zumindest Hinweise zum Weiterlesen.
Thomas Lemke hat eine Vielzahl an Artikeln zur Medizin- und Gentechnologiekritik auf seiner Netzseite publiziert - http://www.thomaslemkeweb.de/ -.
McFadden, Patricia (info) - Der Mythos Der 'Afrikanischen' Sexualität, HIV/AIDS im Kontext weiblicher Sexualität in Afrika - in: alaska, Zeitschrift für Internationalismus - Heft 234 - Seite 8 bis 13 - Bremen 2000 - (Text - http://ak-anna.org/aids_afrika_medizin_sexualitaet/aids_afrika_frauen.htm) -
Der Artikel stellt aus antirassistischer und feministischer Perspektive den Umgang mit "AIDS in Afrika" in Zusammenhang mit patriarchaler Herrschaft und heterosexistischen Projektionen auf den Körper "der schwarzen Frau". Die Autorin macht deutlich das im südlichen Afrika AIDS nicht zu trennen ist vom mangelnder Selbstbestimmung der Frauen und Mädchen über sich selbst und ihre Sexualität.
Millett, Kate - Der Klapsmühlentrip - Köln, 1996 - Textauszug - (Text - http://www.ak-anna.org/der_neue_mensch/medizin_kritik_norm/zwangspsychiatriesierung_frauen.htm)
Die Schriftstellerin Kate Millett, eine der bekanntesten Vertreterinnen der Frauenbewegung, schildert im Buch 'Der Klapsmühlentrip' in klarer und eindringlicher Sprache die Gewalt der psychiatrischen Institutionen, die sich insbesondere gegen Frauen richtet. Die bekannte Feministin wurde selbst Opfer dieses Systems und geht aus von ihren eigenen Erfahrungen einer jahrelangen Odyssee durch die Psychiatrie. Kate Millett ist eine der bekanntesten Vertreterinnen der Antipsychiatriebewegung.
Perkins Gilman, Charlotte - Die gelbe Tapete - USA 1892 - Textfassung gekürzt - (Text - http://www.ak-anna.org/der_neue_mensch/medizin_kritik_norm/depression_frauen.htm)
Ein früher Texte (Ende 19tes Jahrhundert) über die normierende Gewalt der Medizin gegen Frauen, für die die Krankheit, die einzige Möglichkeit scheint sich dem Funktionieren in der Frauenrolle zu entziehen. Die Erzählung - Die Gelbe Tapete - von Charlotte Perkins Gilman beschreibt die Flucht einer Frau in die Depression und hat starke autobiografische Bezüge. Charlotte Perkins Gilman überwand ihre eigene schwere Depression dadurch, daß sie ihre Familie (zuerst den Mann und dann auch die Tochter) verließ und sich der feministischen politischen Arbeit widmete. Aus dieser Position war es ihr auch möglich neue Liebesbeziehungen einzugehen.
Reiche, Claudia - Bio(r)EvolutionTM, Zum aktuellen militärisch-medizinischen Komplex - in: Strategien der Gesundheitsökonomie - Heidrun Kaupen-Haas et al. [Hg.] - Frankfurt am Main 1998 - (Text - http://www.obn.org/reading_room/writings/html/biorev_d.html)
"Anlaß dieses Textes sind Eindrücke beim Besuch zweier internationaler Medizinkonferenzen in San Diego, die im Januar 1998 stattgefunden haben. Beide Konferenzen gingen in Teilen des Programms zusammen, es kann meines Erachtens die eine gleichsam als Fortsetzung der anderen betrachtet werden, nämlich als Artikulation, mehr noch als Verdichtung des aktuellen militärisch-medizinischen Komplexes, wie er sich vielfältig gerade in San Diego erforschen läßt."
Weitere Texte der gleichen Autorin findet Ihr unter - Claudia Reiche - Auswahl an Publikationen - http://www.obn.org/reading_room/writings/html/works.html -.
Reiche, Claudia - ‚Dual Use'? High Tech für militärische und zivile Nutzungen in Medizin und Kunst - in: Elke Bippus, Andrea Sick [Hg.] - Industrialisierung Technologisierung von Kunst und Wissenschaft - Bielefeld, 2005 - (Text - http://www.ak-anna.org/der_neue_mensch/medizin_kritik_norm/medizin_militarismus_dual_use.htm)
Der Text von Claudia Reiche fragt nach den Konsequenzen des ‚Dual Use'?-Konzeptes für Medizin und Kunst am konkreten Beispiel aktueller Forschungsselbstdarstellungen der DARPA.
Weitere Texte der gleichen Autorin findet Ihr unter - Claudia Reiche - Auswahl an Publikationen - http://www.obn.org/reading_room/writings/html/works.html -.
Samerski, Silja (home) - Die Freisetzung genetischer Begrifflichkeiten - 2001 - Internetpublikation - (Text - http://www.pudel.uni-bremen.de/pdf/Samerski03DieFreisetzGuteGene160903.pdf) -
Ein Text der differenziert die Bedeutung des Wortes Gen als ideologisches Füllwort in der Produktion des Risikodiskurses aufzeigt.
Weitere Texte von Silja Samerski sind zu finden unter: - http://www.pudel.uni-bremen.de/431dt_silja_samerski.html#Bibliographie -.
Samerski, Silja / Duden Barbara (home) - Das aufgeschwatzte Risiko / Genetische Beratung als Sprachritual - 1997 - Internetpublikation - (Text - http://www.pudel.uni-bremen.de/pdf/duden_samerski_das_aufgeschwatzte.pdf) -
Ein Kritik zur Verwendung des Risikobegriffes in der Pränataldiagnostik.
Weitere Texte von Silja Samerski sind zu finden unter: - http://www.pudel.uni-bremen.de/431dt_silja_samerski.html#Bibliographie -.
Samerski, Silja (home) - Vom Zahlenzauber der Statistik / Ein Lehrstück über die Zumutungen des Risikodenkens - 2002 - Internetpublikation - (Text - http://www.pudel.uni-bremen.de/pdf/Samerski02VomGigDt_FIN.pdf) -
Kritik des Denkens in Statistiken und ihrer Auswirkungen auf die Selbstwahrnehmung der Menschen.
Weitere Texte von Silja Samerski sind zu finden unter: - http://www.pudel.uni-bremen.de/431dt_silja_samerski.html#Bibliographie -.
Schultz, Susanne - Feministische Bevölkerungspolitik? Zur internationalen Debatte um Selbstbestimmung - in: Eichhorn, Cornelia/Grimm, Sabine - Gender Killer Texte zu Feminismus und Politik - Amsterdam 1994 - (Text - http://www.nadir.org/nadir/archiv/Feminismus/GenderKiller/gender_2.html)
"Auf jeden Fall sind politische Strategien und Handlungsspielräume von Frauen innerhalb der Reproduktionsweisen nicht mit einer bevölkerungspolitischen Verantwortung von Frauen zu verwechseln. Der Mangel an feministischer Auseinandersetzung mit den Prämissen von Bevölkerungspolitik und ihre unklare, neutrale Bestimmung als Politik, die sich auf die Reproduktionsweise richtet, verleitet zu solchen Trugschlüssen. Es wird damit nahegelegt, zwischen einer guten, demokratischen, weil in die Verantwortung der Staatsbürgerinnen hineinverlegten und insofern selbstbestimmten, Bevölkerungspolitik und einer schlechten, weil autoritären und auf Zwangsmaßnahmen beruhenden, unterscheiden zu können. Der tendenzielle Übergang von Zwangsmaßnahmen zu konsensuellen und integrativen Konzepten hat jedoch bislang nichts an den Zielen von Bevölkerungspolitik als Machtstrategie des modernen Staates geändert, der Bevölkerung zur Variablen erklärt, um sie zu regulieren und ihre Reproduktion zu kontrollieren."
Das gesamte Buch findet Ihr unter - Gender Killer - http://www.nadir.org/nadir/archiv/Feminismus/GenderKiller/ -.
Schultz, Susanne - Müttersterblichkeit zwischen Risiken und Rechten. Eine Diskursanalyse zur Medikalisierung von Bevölkerungspolitik. - Internetpublikation 2002 - (Text - http://www.glow-boell.de/de/rubrik_3/6_172.htm)
Thesen zur Medikalisierung der Bevölkerungspolitik nach der UNO-Konferenz in Kairo als in die Subjekte hinein verlagerte Machtpolitik.
Schultz, Susanne - Neoliberale Transformationen internationaler Bevölkerungspolitik: Die Politik Post-Kairo aus der Perspektive der Gouvernementalität - S. 452 bis 480 - in: Peripherie. Zeitschrift für Politik und Ökonomie in der Dritten Welt, Schwerpunktheft Gouvernementalität - Nr. 92, 23. Jg. - Dezember 2003 - (Text - http://www.ak-anna.org/der_neue_mensch/medizin_kritik_norm/bevoelkerungspolitik_feminismus.htm)
Der Text diskutiert die Bedeutung der Modernisierung der bevölkerungspolitischen Diskurse für unterschiedliche AkteurInnen und die unterschiedlichen Zielgruppen bevölkerungspolitischer Programme. Susanne Schultz arbeitet so heraus, daß unterschiedliche soziale Gruppen mit unterschiedlichen politischen Strategien angegangen werden, die aber fast alle den Begriff der Selbstbestimmung stark verkürzen oder in sein Gegenteil wenden. "Selbstbestimmtes freies Handeln" wird definiert als vernünftiges entsprechend dem, den bevölkerungspolitisch Vorgaben folgenden, medizinischen Risikodiskurs.
Schultz, Susanne - Von der Regierung reproduktiver Risiken / Gender und die Medikalisierung internationaler Bevölkerungspolitik - S. 68-89 - in: Marianne Pieper, Encarnación Gutiérrez Rodríguez (Hg.) - Gouvernementalität. Ein sozialwissenschaftliches Konzept in Anschluss an Foucault - Campus Verlag Frankfurt a.M 2003 - (Text - http://www.ak-anna.org/der_neue_mensch/medizin_kritik_norm/medikalisierung_bevoelkerungspolitik.htm)
In diesem Text stellt Susanne Schultz dar wie die modernen Bevölkerungspolitik zunehmend auf die Führung durch Selbstführung, also auf das Subjekt - die Frau und ihre Selbstwahrnehmung - gerichtet ist. Der Zugang erfolgt dabei über die Medikalisierung der Schwangerschaft und Risikodiskurse. Diese Risikodiskurse bauen nicht nur auf biologistischen Argumentationen sondern auch auf entpolitisierten sozialen Argumentationen auf.
Tew, Marjorie - Safest birth attendants: recent Dutch evidence - S. 55 bis 63 - in: Midwifery 7 - London 1991 - (Text - http://home.tiscali.nl/~knmg1638/SAFESTBIRTH.htm)
Kurzdarstellung einer empirischen statistischen Untersuchung über die Bedeutung der Verlagerung der Geburt in Krankenhäuser für die Gesundheit von Mutter und Kind. Deutlich wird das die allgemeine Verlagerung der Geburt ins Krankenhaus keinen gesundheitlichen Fortschritt erbracht hat im Vergleich zur Geburt mit Unterstützung einer Hebamme.
Seline, Helaine [Ed.] (home) - Medicine Across Cultures, History and Practice of Medicin in Non-Western Cultures - Dordrecht 2003
Das Buch gibt in 19 Artikeln unterschiedlicher AutorInnen einen Überblick über den westlichen Wissensstand über die Medizin anderer Kulturen. Eine kritische Hinterfragung der an westlichen Ideologien orientierten Darstellungspraxis findet in den meisten Texten nicht statt. Trotzdem um einen ersten Überblick zu gewinnen ein sinnvolles Buch.
Sichtbar wird hier z.B., daß der Metapher des Flüssigen in der Chinesischen Medizin die Reproduktion autoritärer heterosexistischer Klischees inhärent ist. Im Gegenteil zu Europa wo traditionellerweise in einer Logik des Festen, z.B. einem mechanistischen Körperbild, argumentiert wird und hier die Geschlechterklischees reproduziert werden, z.B. über den Ausschluß des Weiblichen als Nicht-Festes, Flüssiges, kommt der Metapher des Flüssigen, bzw. der 'richtigen' Flüsse, in China fast die umgekehrte Bedeutung zu. Die oppositionelle, gegen z.B. die heterosexistische Ordnung gewandte Verwendung der Metapher des Flüssigen, aus z.B. europäischen feministischen Diskursen (Luce Irigaray u.a.) ist nicht auf die chinesische Kultur übertragbar. Die unkritische Übernahme der chinesischen Metaphern des Flüssigen in der europäischen Alternativmedizin führt häufig zur Reproduktion reaktionärster Klischees.
Mit Luce Irigaray ließe sich sagen, die chinesische Metapher des Flüssigen entspricht einer Logik des Festen.
Star, Susan Leigh (home) - Regions of the Mind -
Stanford 1989
Organisationssoziologische
Untersuchung zu den Gründen der Entstehung und Durchsetzung neurologischer
Lokalisationstheorien im 19ten Jahrhundert in England. Die Untersuchung macht
am Beispiel deutlich, daß naturwissenschaftliche Entwicklungen wesentlich von
Arbeitsstrukturen, den sozialen Verortungen und Möglichkeiten der ForscherInnen
und materiellen wissenschaftlichen Produktionsbedingungen (Laborausstattungen,
Zugang zu PatientInnen, usw.) bestimmt werden. Susan Leigh Star ist sich dabei
klar, daß sie mit der Infragestellung des Dogmas, daß naturwissenschaftliche
Entwicklungen primär durch objektive Naturtatsachen bestimmt würden, eine
Religion auf dem Höhepunkt ihrer Macht kritisiert.
Star, Susan Leigh (home)/ Bowker,
Geoffrey C. (home) -
Sorting Things Out: Classification And Its Consequences - Internetpublikation
1999 (Auszug aus einem Buch der AutorInnen publiziert bei MIT Press 1999) -
(Text - http://epl.scu.edu:16080/~gbowker/classification/)
Grundlegende und umfassende
kritische Untersuchung zu Ausschlüssen, Normen und politischen Implikationen
die durch medizinische Klassifikationssysteme erzeugt werden, bzw. in diese
einfließen.
Weitere Texte von Geoffrey Bowker finden sich auf seiner - Homepage - http://epl.scu.edu:16080/~gbowker/pubs.htm -.
Star, Susan Leigh (home)/ Bowker,
Geoffrey C. (home) -
How things (actor-net)work: Classification, magic and the ubiquity of standards -
(Text - http://epl.scu.edu:16080/~gbowker/actnet.html)
* What work do classifications and standards do? We want to look at what goes into making things work like magic: making them fit together so that we can buy a radio built by someone we have never met in Japan, plug it into a wall in Champaign and hear the world news from the BBC.
* Who does that work? We want to explore the fact that all this magic involves much work: there is a lot of hard labor in effortless ease[1]. Such invisible work is often not only underpaid - it is severely underrepresented in theoretical literature (Star and Strauss, in press). We will discuss where all the `missing work' that makes things look magical goes.
* What happens to the cases that don't fit? We want to draw attention to cases that don't fit easily into our created world of standards and classifications: the left handers in the world of right-handed magic, chronic disease sufferers in the world of allopathic acute medicine, the onion-hater in MacDonalds (Star, 1991b) and so forth.
Weitere Texte von Geoffrey Bowker finden sich auf seiner - Homepage - http://epl.scu.edu:16080/~gbowker/pubs.htm -.
Visvanathan, Shiv (info) - Modern Medicine and its Non-Modern Critics: A Study in Discourse - in: A Carnival for Science, Essays on Science, Technology and Development - New Delhi 1997
Eine Darstellung und Reflektion der indischen Naturwissenschafts- und Medizinkritik der ersten Hälfte des 20ten Jahrhunderts, insbesondere durch Gandhi und Vertreter(Innen?) der traditionellen indischen Medizin.
Im gleichen Buch finden sich weitere Texte zu anderen Bereichen der Naturwissenschaftskritik des gleichen Autors.
Sehr problematisch ist der unkritische Bezug des Autors auf Helena P. Blavatsky und die Theosophie. Sowohl die Texte Blavatskys wie die Wurzelrassentheorie der Theosophie sind Teil der ideologischen Grundlagen auf denen die nationalsozialistische Rassenlehre aufbauen konnte und auf die sich Nationalsozialisten im Fall Blavatsky auch direkt bezogen. Ein Bezug auf Blavatsky erfordert hier zumindest eine kritische Auseinandersetzung mit diesem Zusammenhang. Dies leistet der Autor nicht und trägt damit potentiell zur Verharmlosung rassistischen Gedankenguts bei. Blavatsky als frühe feministische Position zu empfehlen ist insbesondere angesichts der Ignoranz des Autors gegenüber der Vielzahl feministischer naturwissenschaftskritischer Texte der letzten Jahrzehnte grob irreführend. Noch krasser wird dies bei seinen Bezugnahmen auf Peter Singer, den wohl bekanntesten modernen Befürworter der Ermordung Behinderter, falls sie nach utilitaristischer Logik nicht in der Lage zu einem 'lebenswertem' Leben seien. Genaueres dazu aber im auf diesen Hinweis folgenden zweiten Texthinweis auf einen Text dieses Autors.
Visvanathan, Shiv (info) - A Carnival of Science & On the Annals of the Laboratory State - A Carnival for Science, Essays on Science, Technology and Development - New Delhi 1997 -
(Text - http://www.unu.edu/unupress/unupbooks/uu05se/uu05se0k.htm#8.%20on%20the%20annals%20of%20the%20laboratory%20state)
In diesen beiden Texten analysiert der Autor für Indien den Zusammenhang kolonialer und postkolonialer Machtregime mit Denken und angewendeter Praxis der (Natur-)Wissenschaften. Er führt aus, daß die Gesellschaft und große Teile der Bevölkerung zum Labor und zu Versuchskaninchen gemacht werden. Auch und insbesondere im postkolonialen Indien, in dem die Sachargumentation einer für lokale Gegebenheiten ignoranten Wissenschaft zur Legitimation eines autoritären Staates wird.
Im gleichen Buch finden sich weitere Texte zu anderen Bereichen der Naturwissenschaftskritik des gleichen Autors.
Absolut unverständlich ist der unkritische positive Bezug auf den australischen Eugenikbefürworter Peter Singer. Singer wird im Buch als einer der wichtigsten Tierversuchgegner weltweit breit zitiert. Die Argumentation die Vis Vishvanathan hierauf aufbaut ist, daß die Brutalität mit der Tiere gequält werden letztendlich auch zur Brutalität gegen Menschen führt. Dadurch, daß der Autor sich in diesen Punkt aber gerade primär auf Peter Singer als Quelle bezieht, führt er seine eigenen Argumentation ad Absurdum. Peter Singer ist ein sehr aktiver Tierliebhaber und Tierversuchsgegner und gleichzeitig als Bioethiker einer der führenden Philosophen, die die Tötung behinderter Menschen als legitim vertreten. Sein Hauptargument als Utilitarist ist dabei 'Leid' bzw. Empfindungsunfähigkeit, d.h. ein nicht 'lebenswertes' Leben, zu beenden. Er wiederholt damit in den 80er Jahren im Detail einen Teil der Argumentation der nationalsozialistischen Ideologie für die Ermordung tausender Behinderter in der Aktion T 4 und für den Beginn des Holocaust. Denn die Vernichtung Behinderter war die erste große industrielle Mordaktion der Nationalsozialisten, sie war das Modell für das Folgende. In diesem Sinn wurde Singer auch in Deutschland von der Neuen Rechten aufgegriffen, und seine Argumentation zur Relativierung des Holocaust benutzt. Veranstaltungen mit Peter Singer in Deutschland wurden begrüßenswerter Weise mehrfach von Krüppelgruppen und feministischen Gruppen verhindert. Der 'Tierfreund' Singer ist gerade ein Beispiel dafür, daß die Liebe zu Tieren mit einem Haß auf Menschen einhergeht. Die Logik läuft dabei entlang des bekannten Klischees vom guten und schlechten Wilden, wobei der/das gute Wilde hier durch das Tier und der/das schlechte Wilde durch die 'entarteten' 'lebensunwerten' Menschen verkörpert wird.
Die Tierliebe eines Adolf Hitler ist kein Zufall. Die Ideologien von Tierschutz und Massenmord können durchaus sich ergänzende Logiken darstellen. Die von der Kritik an Tierversuchen ausgehende Logik Visvanathans greift insofern zu kurz.
Dieser Text wurde hier trotzdem aufgenommen, trotz des unkritischen Bezüge auf Singer, die seine eugenische Ideologie vollständig ignorieren, da dieser Text in anderen Bereichen wirklich informativ und interessant ist.
Der Artikel ist vorher bereits in einem anderen Buch erschienen, das entstanden ist im Rahmen eines wissenschaftlichen Programms der United Nations University in Tokyo. Im gleichen Buch sind weitere Artikel zum Zusammenhang Kolonialismus und Naturwissenschaftskritik zu finden. Auch dieses Buch - Science, Hegemony and Violence - http://www.unu.edu/unupress/unupbooks/uu05se/uu05se00.htm#Contents - ist im Internet zu finden.
- Philosophische Texte
Bachelard, Gaston (info) - Die Philosophie des Nein - Wiesbaden 1978
Gaston Bachelard war einer der
wichtigsten französischen Philosophen der ersten Hälfte dieses Jahrhunderts auf
den sich unter anderem die postrukturalistische Philosophie bezieht.
Wesentliche Teile seines Werkes beziehen sich auf die Kritik der
naturwissenschaftlichen Erkenntnis. Er fordert eine Psychoanalyse
naturwissenschaftlicher Begriffe, und versteht darunter, die Bewußtmachung der
Begriffsgeschichte, die in Begriffen, wie z.B. dem Massebegriff, sich
angelagert hat und als Bedeutungshof mitgeschleppt wird, um so zu einer
kritisch rationalen bzw. surrationalen Naturwissenschaft zu kommen.
Baudrillard, Jean (info) - Der symbolische Tausch und der Tod - München 1982 (1976)
Eine frühe und erstaunlich zutreffende Analyse für die Veränderungen der symbolischen Ordnung im Umbruch zum postmodernen Kapitalismus und seine Bedeutung für die Selbstkonstruktion der bürgerlichen Subjekte, und immer noch eine der radikalsten und brilliantesten Kritiken dieser Entwicklungen unter herrschaftskritischen Gesichtspunkten. Baudrillard hat es hier in den 70er Jahren geschafft detailliert vieles an gesellschaftlichen Entwicklungen vorauszusagen, was sich erst in den 90er Jahren voll realisiert hat.
Aktuelle Texte von Jean Baudrillard sind zu finden unter: - Text - http://www.egs.edu/faculty/baudrillard-articles.html -.
Bolt, Barbara (home) - Shedding Light For The Matter - in: Hypatia - Vol. 15 No. 2 - 2000
Ausgehend von der Erfahrung, daß extreme Lichtverhältnisse, wie z.B. in Westaustralien, dazu führen können, daß durch Licht nicht mehr sondern weniger sichtbar wird, diskutiert die Autorin eine Kritik und Alternative zur westlichen erkenntnistheoretischen Praxis des Enligthenment. Sie spricht dafür die erkenntnistheoretische Praxis eher als eine Beleuchtungspraxis anstatt einer Erleuchtung zu begreifen. Dieses Verständnis von Licht wird für sie Metapher für eine Wissenschaftspraxis als performative Praxis der Bezeichnung.
Frietsch, Ute - Die Abwesenheit des
Weiblichen: Epistemologie und Geschlecht von Michel Foucault zu Evelyn Fox
Keller - Frankfurt a.M. 2002
Ute Frietsch hat in ihrer
Dissertation die epistemologischen Texte Michel Foucaults auf ihre Aktualität
für den feministischen Diskurs hin untersucht. Sie stellt dabei einen Bezug zu
den Arbeiten der feministischen Naturwissenschaftskritikerin Evelyn Fox Keller
her.
Günther, Gotthard - Idee und Grundriss einer nicht-Aristotelischen Logik - Hamburg 1959
Gotthard Günther konzipiert in seinem zentralem philosophischen Werk unter anderen das Konzept einer real mehrwertigen Logik. Er geht dabei aus von der Kritik scheinbar mehrwertiger Logiken, z.B. der heute unter dem Begriff Fuzzy-Logik bekannten Konzepte, für die er nachweist, daß sie nicht anderes als zweiwertige Logiken sind. Dies ist ein mehrbändiges Werk, bei dem die einzelnen Bände ca. 500 Seiten umfassen. Texte von und über Gotthard Günther findet Ihr unter: - http://www.vordenker.de/ggphilosophy/ggphilo.htm -.
Irigaray, Luce (info & info) - Die Mechanik des Flüssigen - in: Luce Irigaray - Das Geschlecht das
nicht eins ist - Berlin 1979
Die radikalfeministische
Theoretikerin und Psychoanalytikerin Luce Irigaray verweist hier auf die
impliziten unbewußten Bedeutungen einer 'Mechanik des nur Festen', wie sie in
den Naturwissenschaften üblich ist. In einer Physikvorlesung, die ich besucht
habe, bemerkte einmal ein Professor recht treffend, daß die Physik trockenes
Wasser beschreiben würde (aufgrund der vielen vereinfachenden Annahmen, die
jeder Rechnung zu Grunde liegen und die die Mathematisierung überhaupt erst
ermöglichen). Der Text ist brillant und literarisch formuliert, der Stil
Irigarays setzt eine Bereitschaft voraus sich auf ihn einzulassen. Irigaray ist
für mich in ihren frühen Texte (z.B. Speculum / Das Geschlecht das nicht eins
ist) die brillianteste, theoretisch radikalste und fundierteste Kritikerin der
androzetrischen Logik.
Kristeva, Julia (home & info) - Semiologie - kritische Wissenschaft und/oder Wissenschaftskritik - in: H.G. Peter V. Zima - Textsemiotik als Ideologiekritik - Frankfurt a.M. 1977
Siehe unten.
Kristeva, Julia (home & info) - Semiologie als Ideologiewissenschaft - in: H.G. Peter V. Zima - Textsemiotik als Ideologiekritik - Frankfurt a.M. 1977
Die zu diesem Zeitpunkt linke radikale feministische Theoretikerin und Philosophin Julia Kristeva formuliert in diesen beiden Texten die Grundlagen für eine alternative wissenschaftliche erkenntnistheoretische Praxis, die in der Lage ist die identitätslogischen Strukturen zu unterlaufen und als auch politisch revolutionäre Praxis wirksam zu werden. Bzgl. der Anwendbarkeit dieser Textpraxis auf die Naturwissenschaften ist sie zwar ambivalent und bzgl. ihrer Ansichten über den erkenntnistheoretischen Stand der modernen Physik naiv (Sie begreift nicht, daß nach wie vor in dieser Naturwissenschaft stringent positivistisch gearbeitet wird), in den gesamten frühen Texten (aus den Bücher "Le Text du Roman" und "Semiotik") bis zum Buch "Revolution der poetischen Sprache" weist sie aber nichts desto trotz mehrfach auf die Möglichkeit und Notwendigkeit hin, diese kritische Praxis auch auf die Mathematik, als Textpraxis der Naturwissenschaften, auszuweiten.
Für mich ist dies der einzig mir bekannte umfassend formulierte Entwurf einer radikalen linken epistemologischen Alternative zur bestehenden Wissenschaftspraxis.
Kristeva, Julia (home & info) - Bachtin, Das Wort, Der Dialog Und Der Roman - in: H.G. Jens Ihwe - Literaturwissenschaft und Linguistik - Band 3 - Frankfurt a.M. 1972
In diesem Text wird die Herkunft des erkenntnistheoretischen Ansatzes Julia Kristevas aus dem Werk des russischen Linguisten Michail Bachtin deutlich. Bachtin bezieht sich selbst auf die karnevaleske Logik Francois Rabelais.
- Satirische Texte
Djuren, Jörg - Internetpublikationen - Hannover/Berlin 2005 bis 2008
Auf den Seiten des AK-ANNA und Netzseiten aus dem Umfeld des AK-ANNA finden sich hinter den Haupttexten eine große Zahl satirischer Texte. Hier nur Links zu den witzigsten:
- Kwantenmekanik, die Wissenschaft von der Mechanik großer Füße
- Und es begab sich zur Zeit des Einstein Jahres 2005
- Eine kurze Geschichte der Physik, Mathematik und Informatik
- Informatik, Computertechnologie der Walzer und die Folgen
- Trauen Sie keinem AIDS-Virus
- Warum feministische Kritik der Naturwissenschaft böse ist
- Erkenntnistheorie & Alternativen
- !Der Kampf des Jahres; NATURWISSENSCHAFTEN - gegen - KRITIK!
- Statistik der Medizin bzw. medizinische Statistik
- Welle-Teilchen-Dualismus
- Chaostheorie
- Wieso die Kritik der Computertechnologie sich als falsch erwiesen hat!
- Fruchtfliegen, Fruchtfliegen sind wie wir
- Ist Donna Haraway eine Cyborg?
- Anderes
Nitzschke, Bernd - Die Zerstörung der Sinnlichkeit - München 1974
Das Buch wirft einen anderen
Blick als üblich auf Drogen, indem es die positiven Möglichkeiten, die der
Drogengebrauch uns erschließen könnte, betont. Für uns war es neben zwei
anderen Texten Ausgangspunkt, die Frage zu diskutieren, inwieweit die Nutzung
von bewußtseinsverändernden Drogen als bewußte Erkenntnispraxis in den
Naturwissenschaften Sinn macht. Da wir aber von tiefergehenden Selbstversuchen
abgesehen haben sind wir nicht zu einem abschließenden Ergebnis gekommen.
Watts, Alan - Dies ist Es: (u.a. Essays über Zen u. spirituelle Erfahrung) - Basel
1979
Weil, Andrew - Das erweiterte Bewußtsein - Stuttgart Datum unklar
Auch diese beiden Bücher werfen
einen anderen Blick als üblich auf Drogen, indem sie die positiven
Möglichkeiten, die der Drogengebrauch uns erschließen könnte, betonen. Für uns
waren sie neben einem anderen Text Ausgangspunkt, die Frage zu diskutieren,
inwieweit die Nutzung von bewußtseinsverändernden Drogen als bewußte
Erkenntnispraxis in den Naturwissenschaften Sinn macht. Da wir aber von
tiefergehenden Selbstversuchen abgesehen haben sind wir nicht zu einem
abschließenden Ergebnis gekommen.
Zuletzt aktualisiert 30.2.09
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