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Am unteren Ende dieser Seite findet Ihr noch einen kurzen satirischen Text, ein historischer Rückblick - Wieso die Kritik der Computertechnologie sich als falsch erwiesen hat!
Die moderne Technik eine
Drachenschlange zu töten
Der Computer als Instrument der Symbolproduktion

Dieser Text ist nicht viele,
dieser Texte ist nicht. Laß Dich nicht verführen – Komm.
'Das Verhältnis vom
Mensch zur Maschine wird in der Computerwerbung häufig dem Verhältnis
vom Mann zur Frau analog gesetzt. In diesem Zusammenhang sprechen wir
bewußt von dem "Verhältnis vom Mann zur Frau", da es sich
um eine einseitige aktive Beziehung handelt – so wie auch die Beziehung
vom Mensch zur Maschine einseitig aktiv ist.
Die Unterstützung der
Gleichsetzung Mensch gleich Mann sowie Maschine gleich Frau geschieht in
Sprache und Bildern. Eine in der Sprache beliebte Variante sind die Wortspiele
um das Begriffspaar "man – mouse". (Are you a man or a mouse?)[1]
Wobei mit 'mouse' sowohl 'die
Frau', als auch das Bedienungsgerät benannt wird.
Auf dieses Verhältnis wird
im folgenden noch genauer einzugehen sein.
Die Frau, seine Frau, ist aber
nicht nur, das Mausi-Schatzi, sie wird, in die Jahre gekommen, auch sein Hausdrachen.
Ein Statussymbol, das er neben seinem Auto auf den Witzseiten der
Regenbogenpresse ausstellen kann.
Der Drache oder die
Drachenschlange ist mythologisch, die vom Ritter/ Prinzen/ Helden zu
bezwingende weibliche Potenz[2]. Wenn der Drachen
(umgangs_sprachlich für: böse Schwiegermutter, nudelholzschwingende
Ehefrau etc.) das Verschwiegene der Frau bedeutet, dann wird seine Tötung
als ihre Kastration verstanden. Erst, wenn der „Drache“ tot ist,
fällt die Jungfrau dem Krieger zu. Der lebendige Drachen in ihr ist
Zeichen für ihre feurige, d.h. auch sexuelle Kraft. Wenn diese erlischt,
kann der Bezwinger sich ihr gefahrlos nähern und sie in seine Geschichte
vom Helden, der die Jungfrau vor dem Ungeheuer rettete, überschreiben. In
diesem Kontext gilt die Drachenschlange deshalb als Symbol der nichtphallischen
Macht[3]. Sie steht für
das, was ausgeschlossen wird aus den Diskursen der Macht.
Es ist zu begreifen, daß
gerade das Ausgeschlossene (als Verschwiegenes) konstitutiv ist für die
Machtdiskurse. Die Aufrichtung des Phallus als dem einen, eindeutigen Symbol
erfordert den Ausschluß des eigenen Konstitutionsprozesses und die
Ausgrenzung des 'Restes', der nicht zu vereindeutigen ist. Diese Funktion ist
in die Diskurse eingeschrieben, sie ist in ihnen materialisiert[4]. Sie konstituiert das
und basiert gleichzeitig auf dem, entsprechend diesem Ausgrenzungsprozeß
organisierten, Geschlechterverhältnis. 'Die Frau' wird dabei synonym mit
dem Ort des Uneindeutigen, dem Ort der Symbolproduktion, dem Semiotischen;
durch sie (hindurch) werden diese `geheimen` Produktionsstätten angeeignet.
Eben in/durch diesen Prozeß
werden diese Produktionsstätten aber auch produziert. Das Weibliche, die
weibliche Potenz, das Poetische als das Andere, der Wahnsinn, der Körper,
u.a. gebären sich selbst im Akt des heterosexuellen Begehrens, der
Schaffung der Norm, und der Geburt des Phallus und des Geistes. Für den
Wahnsinn und die Sexualität wird dies von Michel Foucault in seinen
machttheoretischen Schriften[5] dargestellt. Judith
Butler führt diesen Zusammenhang für die Körper und die
heterosexuelle Geschlechtlichkeit aus, 'Der Körper im Spiegel stellt
keinen Körper dar, der sich sozusagen vor dem Spiegel befindet: Der
Spiegel produziert, selbst wenn dies von dem nicht-repräsentierten
Körper "vor dem Spiegel" ausgelöst wird, jenen als seine
delirierende Wirkung – ein Delirium, nebenbei gesagt, das zu leben wir
gezwungen sind."[6]
Wieso nicht Traumdenken lieben. die fleckige Klarheit der verbogenen Spiegel in den Spiegeln und ihre Verzerrungen, den Umschlag der Rationalität/Intellektualität, die übersprudelnd fallend sich selbst widerspricht mit Lust und dadurch begreift – auch sich selbst. Zaubern ist machbar, was heißt Anarchie – Herrschaftsfreiheit – die Spiegel aus Scherben teilweise blind.
Judith Butler weist auch auf
Möglichkeiten zur Sabotage der oben dargestellten Kraftversorgung der
Symbolproduktion. Ausgehend von der Karthographierung des Körpers (seiner
Zerlegung in sexuell attraktive, anzügliche, obszöne, verworfene
u.s.w. Teile) erweitert sie das System der Zeichen um die Dimension der
(lebens- und bewußtseinsschaffenden) Materialität der Zeichensysteme
und verweist auf die Möglichkeit des irregulären Spiels mit ihnen,
auf die Möglichkeit der Okkupation des Phallus – also der Enteignung
der besitzenden Klasse. Dies gilt es zu nutzen, nicht für die Herrschaft
des (diesmal weiblichen) Proletariats, sondern für den Kurzschluß
der Symbolproduktion.
Natürlich ist es nicht
einfacher, ein rigides und in uns eingebranntes Zeichensystem zu verändern
als, sagen wir, ein technisches Artefakt. Die materielle Widerständigkeit
der Zeichensysteme ist erheblich größer, aber wie schon
ausgeführt, funktioniert die Mechanik der Diskurse über das
Verschweigen ihrer Konstitutionsbedingungen (also Ausschluß und
Linearität b.z.w. Eindeutigkeit). Und das ist ihr empfindlichster Punkt.
In ihm liegt der Beginn der Revolte.
Aber zurück zu unserem
technischen Artefakt Computer.
In diesem Text wollen wir zeigen,
daß der Computer im ausgehenden 20. Jahrhundert zur zentralen 'Technik'
der Aneignung von Realität über Symbole wird und damit den Ort der
'Frau' einnimmt. Der Computer sichert und erzeugt eine spezifische
Symbolproduktion, die mit Techniken von Ausschluß und Vereindeutigung
arbeitet. Er restauriert die Ordnung der Eindeutigkeit, die Ordnung des
Phallus. Damit ist er (der Rechner) eine Technik, die in der
neopositivistischen Tradition ihre Grundlegung hat. Der Zweck dieser Technik
ist die Modernisierung der Herrschaftsverhältnisse. Die Organisierung und
Realisierung der Geschlechterverhältnisse ist darin ein wesentliches Ziel.
Eine Perspektive, aus welcher der
Computer als progressives und gar avantgardistisches Werkzeug erscheint, lehnen
wir ab.
Durch den Computer wird die
Funktion des Ausschlusses sowohl in Hard- wie in Software materialisiert. Die
Materialisierung des Ausschlusses im technischen Artefakt ist eine Methode, die
Machtzugänge in den Diskursen selbst zu monopolisieren und zu
hierachisieren. Die Monopolisierung der Macht durch die Informations- und
Kommunikationstechnologien geht dabei weiter als die Entsprachlichung, die mit
der Einführung der Schriftsprache einherging und der Monopolisierung der
Symbolproduktion durch eine Priesterkaste. Im Computer ist die Binarität
in der Hardware festgelegt, sie ist damit auch dem Zugriff der Schreibknechte
und -mägde, mit dem schönen Titel InformatikerInnen, entzogen. Es
sind auch nicht diese, sich selbst bereits als neu PriesterInnenklasse
feiernden[7], sondern ihre
AuftraggeberInnen, denen dies zugute kommt.
Das Was das traf das Wo
im Clo
Das Was sprach nur ganz leise;
"Oh."
Das Wo
ertränkte sich betrübt im Clo.
Das Was das blieb nur Wo?[8]
10011110110000..
Nachdem ihr Computer auch die zweite Übersetzung in Binärcode nicht verstand, stellte sie ihn in den Garten.
Um diese Zusammenhänge zu
klären ist es notwendig, die Symbolkonstruktion Frau/Mann und Computer zu
betrachten. D.h. die Frage des Übergangs von der alten symbolischen
Ordnung in die Neue Ordnung zu klären. Nur so ist es auch möglich,
das, in der neuen alten Ordnung wiederum, Ausgeschlossene zur Sprache zu
bringen. Unser Ziel ist dabei die Ausschau nach Sabotagemöglichkeiten der
technisierten Symbolproduktion.
Der Schatten der Medusa -
die Mythologie MenschMaschine
Das einleitende Zitat von Bigga Rodeck
spricht auf die Verknüpfung von Frau und Maschine an und dient damit als
eine Illustration der Verschiebung des Semiotischen von der Frau zur Maschine.
Deutlich vernehmbar wird dieser
vielfach angereizte Zusammenklang auch in den Bildern, mit denen das
Bedrohliche der MenschMaschine thematisiert wird.
Reich bebildert widmet sich der
Kinofilm 'Der erste Kontakt' aus der Serie Star Trek[9] dieser Thematik: Die
Erde wird von den Borgs bedroht, einer Art MenschMaschinezombies. Die Borgs
sind Cyborgs; ihr Ziel ist es, die Menschheit in ihr Kollektiv zu integrieren
(d.h. zu verschlingen).
Das Borgkollektiv wird
zusammengehalten von der Borg, sie ist Die Borg, alle Borg. Im ersten Bild
schwebt sie als Frauenkopf mit Maschinenrückratschwanz und zuckenden Eingeweiden
von der Decke. Um ihren (oder aus ihrem) kahlen Kopf winden sich
Schläuche, die die Erinnerung an das Medusahaupt evozieren sollen. Doch
dieses eine Zitat reicht noch nicht. Es ist auch der „ fischige“
Unterleib der Frau, der hier ins filmische Spiel aufgenommen wird. Ihr
„Schwanz“ ist analog zu dem der Meerjungfrau, der Sirene, Nymphe
etc.. Alle diese mythischen, legendenhaften Gestalten bedrohen die Kontrolle
des Mannes über seine Potenz. Sie wollen ihn in die Tiefe des Meeres
(lies: in den vorsprachlich-uteralen Zustand) hinabziehen.
Bekämpft wird Die Borg von
Data, einem guten alten (d.h. phallisch/männlichen) Roboter/Androiden und
Captain Picard, der Verkörperung des männlich humanistischen
Intellekts. Der Kampf gilt dem Schutz des Erfinders des Warpantriebes (der
Wunsch nach unbegrenztem Verkehr und nie versiegenden Energieressourcen stand
für diese Antriebsidee Pate), um ihm mit seiner Rakete den 'ersten
Kontakt' ( mit einer extraterrestrischen Hochkultur) zu ermöglichen. Der
Erfinder, ein 'sympathischer' sexistischer, saufender, pissender,
rülpsender 'alter Hurenbock', ist eine der Identifikationsfiguren im Film.
Er ist neben Picard der
Mann-Mensch schlechthin. In dieser virtuellen Zukunft, die wir als Spiegel der
Gegenwart betrachten, ist Sexismus und die Funktion der Ausscheidungsorgane
gerade das spezifisch menschliche, das diese von der Maschine unterscheidet.
Einer Maschine, die biologisch verschmutzt, d.h. als Cyborg, zu Medusa wird,
die die humanistischen Individuen zu verschlingen trachtet.
Morgens früh, sich noch einmal
umdrehen, die Laken wenden und die Kühle auf der Haut spüren. Leichte
und angenehme Empfindungen aufsteigend aus dem Bauch, ein Glucksen,
Lichtstrahlen fallen durch die Vorhänge. Beim Strecken und Anspannen ein
Gefühl zwischen Lachen und Schmerz im Becken.
Durch die Wimpern blinzeln.
Körper, Antikörper als
Panzer oder als Ungenügen. Die Borg als Fleisch ist Schmutz ist 'Frau'.
Die Bilder tauchen auch an anderer Stelle auf. In der Tamponreklame, Always
– damit sie sich sicher fühlen, im AIDS-Diskurs und im Cybersex,
Entfleischlichung der Lüste im Computerzeitalter.
Die Sicherung der Grenzen wird
für das Individuum zentral. Das Identitätsdispositiv im
Posttaylorismus ensteht aus den Diskursen des regulären Grenzverkehrs.
Selbstmanagement, AIDS, Computertechnologie und Asylpolitik produzieren dieses
Individuum als Effekt der Kontrolle über die Grenzen, der Arbeitswelt, der
Sexualität, der Kommunikation oder der Staatszugehörigkeit, in einer
Gesellschaft in der funktionale und örtliche Identitäten in
Auflösung begriffen sind. Die Infragestellung dieses Dispositives der
Macht, die Irregularisierung oder gar Ablehnung dieser Grenzen,
ungeschützter Geschlechtsverkehr, mangelnde Identifikation mit den wechselnden
Arbeitsverhältnissen, offene Grenzen für Alle, oder die Einforderung
eines Sprechens über den Austausch von Datenstrings, der
Orgasmustauschrelation, hinaus, wird zum Denkverbot, istlatent wahnsinnig,
zumindest aber hoffnungslos romantizistisch.[10]
Hast Du dir jemals mit den Lippen über die Haut gestreichelt.
Es ist die Bedrohung und Lust,
die von einer möglichen Verunklarung der Grenzen zwischen Mensch und
Maschine, Intellekt und Körper ausgeht, von der Verfleischlichung des
Intellekts, die auch das phallische Subjekt angeht, mit der der bereits
erwähnte, Science-Fiction-Film arbeitet. Eine Bedrohung, die in unserer
Alltagswahrnehmung immer mehr Raum einzunehmen scheint.
Ob pränatale Genscanns zum
Zwecke der Produktion bestassimilierter Organismen, ob Pläne für
künstliche Gebärmütter, genmanipulierte Lebensmittel oder eben
die Berauschungen im Cyberspace, Internet etc. – all diese Dinge haben
uns schon mehr oder weniger erreicht und tun ihre Wirkung auf das, was uns
aktuell erregt und interessiert.
Das Erregende im Film ist die
Medusaborg (die Fraumaschine) und der Kampf, der gegen sie geführt wird.
Sie nährt sich und ist gleichzeitig Nährerin des Borgkollektivs, das
sich aus ehemals hochzivilisierten, mündig und besonnen handelnden
Sternenflottenmitgliedern zusammensetzt. Unter ihrer Königinnenherrschaft
verschwinden ihre Einzelmerkmale, ihre individuellen Geschichten und Geschicke;
einmal in den Borgkorpus assimiliert, werden sie Dronen (so der im Film
gebrauchte Terminus), die nur einen Auftrag kennen: zu arbeiten für die
Expansion des Kollektivs (durch die Borgifizierung noch vitaler Individuen).
Warum aber ist die Königin
böse und warum muß es eine untote Frau sein?
Die vorgängige Konstruktion
heißt, daß wir es mit einer Rachegöttin zu haben. Denn sie
wurde uns ja nicht als eine beliebige Borg vorgestellt, sondern als die Summe
aller möglichen Borgs, als die Urborg. Sie entstammt einer Art kosmischem
Hades und die Schlauchschlangen um ihren Kopf sind Insignien ihres
Erinnyengeschlechts.

Die antike Mythologie kennt die Erinnyen
als Rächerinnen des ungesühnten Opfers. Nach der platonischen Wende,
die den Logos als höchsten Wert und die Installierung des monotheistischen
Prinzips zur Folge hat, stehen sie immer mit leeren Händen da. Der Opferer
bleibt unauffindbar, da er immer schon in die Sphäre des Logos eingegangen
sein wird und die Materie (die Erinnyen, die Frauen) seiner dort nicht habhaft
wird.
In den Computerpraxen und ihren
Methoden, den lebendigen Körper der Frau zu okkupieren, ohne Gefahr zu
laufen, selbst körperlich involviert, verschlungen, entmachtet etc. zu
werden, ist dieser Bedeutungshintergrund virulent. Dies gelingt über die
paradoxe Wiederkehr des Körpers im Bild[11]. Der Körper der
Frau wird als virtuelle, tote Materie angeeignet, als ein Opfer gebracht (damit
die Maschine läuft), von dem endgültig keine Rache mehr zu erwarten
ist. Die Pandorisierung der Frau (ihre paradoxe Existenz als lebende Tote,
hohles Gefäß) kommt zu ihrem Abschluß.[12]
Denken wir an unverfängliche
Computerwerbung, an Coputerpornographie oder Cybersex: Da taucht der Mund einer
Frau als Diskettenlaufwerk, in das vom Nutzer (Wie sollte es eine Frau sein?)
die Diskette hineinzuschieben ist, auf, da ist im Informatikduden die Rede vom
'EVA-Prinzip:
Eingabe
– Verarbeitung – Ausgabe'[13], und in der
'virtuellen Realität' wird Marylin Monroe simuliert, da Männer
aufgrund ihrer kantigen Gesichtszüge einfach zu schwer abzubilden sind[14]. Die Programme mit
dem ganz neuen Lustgewinn geben darüber hinaus eine Vielzahl an
Penetrationsmöglichkeiten der 'Virtual Valerie'[15] an die Hand. Die
immer anspruchsvoller werdenden graphischen Oberflächen der Programme
simmulieren dabei eine Realität die zunehmend als die wahre Wirklichkeit
erscheint.
Die 'Frau' tritt als virtuelles
Bild in das Medium wieder ein. Der Nutzer scheint zwar den realen Körper
der Frau nicht mehr zu brauchen, da er ihn virtuell selbst (und besser als
jedes Original sein kann) produzieren kann, aber als eigentlich Lebendes bleibt
er unabdingbar. Nur als solches kann er seine Gefäßfunktion für
eine Realität erfüllen, die der binären Logik nicht Untertanin
ist, Unsinn ist und doch ihr (der binären Logik) Ausgangspunkt, Vorteig.
Im Computer, in der virtuellen
Bilderwelt, werden nur die eingestanzten Abbilder, dieser Büchse der
Pandora, der 'Frau' übernommen, nur ihr äußeres 'schönes'
Abbild. So erscheint sie nun als durch und durch hohl.
Der Computer okupiert das
Ausgeschlossene durch die Kennzeichnung im Binärcode, 30 – 80
– 120 Idealmaß, und entwertet es damit ein zweites Mal. Die 'Frau'
existiert nur noch als Untote, als Wiedergängerin, die ihr Leben gegeben
hat, um die Maschine zu bewegen. Bedrohlich wird sie nur in der
Grenzüberschreitung, dem Verweis auf das Fleisch, den Hinweis auf den
Ausschluß ihrer Existenz. Die Cyborgs sind Erinnyen, aber als solche
immer schon zum Scheitern verurteilt. Das Fleisch bleibt verworfen.
Beim Kuchenbacken gehe ich meist von einem
Grundrezept aus, variiere die Anzahl der Eier, die Art und Menge des Mehls und
der Margarine, füge statt angegebener Zutaten Marmelade und anderes hinzu,
schmecke den Teig noch etwas ab, und lasse ihn dann etwa bei der Hitze backen,
die ich für richtig halte, bis er fertig ist. Die Kuchen schmecken
normalerweise sehr gut.
Natürlich läßt sich ein
dezidiertes Rezept angeben. Nur würden die Kriterien für den
Austausch der Zutaten nicht viel weiter helfen; Erfahrung, Ausprobieren, weil
die Sonne scheint, weil der Kuchen für Brankica ist.
Es gibt auch Kuchen ohne Eier und ohne
Margarine oder ohne Mehl.
Was ein Kuchen ist?
Das läßt sich am besten mit dem
Begriff der Familienähnlichkeit von Wittgenstein begreifen. Der Begriff
der Familienähnlichkeit verweist auf das Problem des Auseinandertretens
von Zeichen und Bezeichnetem. Im letzten Abschnitt dieses Artikels wird dies
unter Rekurs auf Wittgenstein und Kristeva genauer ausgeführt.
Vater sagt, er würde das nie begreifen. Frauen haben das im Blut.
In der Funktion der
Symbolproduktion als Herrschaftstechnologie liegt daher der zentrale 'Nutzen'
der Computer- und Informationstechnologien. Der mythische, religiöse
Hintergrund ist kurz skizziert worden und
zeigt sich auch im Umgang mit denen, die sich dem neuen großen
Agitationsraum verschließen. Dies stellt auch die technologiekritische
Feministin Petra Sabisch fest:
'Meines Erachtens haben all
diese Verheißungen des neuen (Subversions-)Fortschrittglaubens
religiösen, oft sogar mythischen Charakter: Einerseits können all
die, die "draußen" stehen, nicht an dem wahren und einem
Gefühl des Cyberrausches teilnehmen und sie werden dementsprechend als die
diese Einzigkeit verhindernden Technik-Feinde im Vorhinein gebrandmarkt (..)
Andererseits wird all das, was Cyber-topia verspricht, gleichzeitig schon
vorausgesetzt und erneut beschworen: eben dieses Fünkchen mehr an
Kommunikationsfertigkeit, diese total tolle Teilhabe am
gemeinschaftsübergreifenden virtuellen Schlaraffenland.'[16]
Und wenn dies alles nicht hilft,
dann hilft vielleicht direkte Drohung: 'Eins ist klar, wenn sich die Frauen
nicht in die Computerzukunft einmischen, sind sie die Analphabetinnen von
Morgen'[17]
Die modernen Computer- und
Informationstechnologien führen zur Stabilisierung und nicht etwa
Verwischung der Geschlechterdifferenz. Ein zentrales Unterscheidungskriterium
ist darin wieder einmal der biologische Körper, dessen Geschlecht über
den möglichen sozialen Ort entscheidet, an dem er sich je aufzuhalten hat.
Der männliche Körper vor dem Bildschirm korrospondiert mit der
weiblichen Ikone im Bildschirm. Der entleibten Frau bleibt dabei als sozialer
Ort nur noch ein Unort der Nichtexistenz als virtueller Körper, damit der
männliche Intellekt auch als Datenstring noch etwas zu beißen hat.
"Auch die Frauen haben
Lust im Cyberspace"[18]
Computer-Pornographie als
Remythologisierung
Wir sehen Computer-Pornographie
in diesem Kontext als eine Form der Rückbindung des Computers (der neuen
Mythologie) an die alten Metaphern.
Um diesen Durchfluß der
Symbolproduktion zu ermöglichen, muß der Computer zum sexuierten
Objekt werden.
D.h., der Computer ist nicht im
eigentlichen Sinn Sexualobjekt, er dient vielmehr als Spiegel des
Männlichen. Das in der Maschine Verwahrte ist weiblich entsprechend sicher
muß es verwahrt werden. Einmal außer Kontrolle hilft nur noch
Schwarzenegger[19]. 'Eve 8 außer
Kontrolle', 'Species' u.a. Kinofilme der letzten Jahre zeigen das Bild des
Bösen, als das Bild der Fraumaschine, die den ihr zugewiesenen Ort
überschreitet. Die außer Kontrolle geratene Technik wird synonym zur
alles verschlingenden weiblichen Potenz.
Die für die männliche
Reproduktion funktionalen Bilder der Frau als Heiliger und Hure werden in
dieser patriarchalen Moral überführt in die ebenso funktionalen
Klischees der Frau als guter Natur und böser Cyborg. Die Gefahr geht von
der lebenden Maschine aus, der Cyborg, der untoten Wiedergängerin und
nicht von ihrer virtuellen, immer schon toten Schwester. Eine Fraumaschine
muß kontrolliert werden.
Die Wiedergängerin ist auch
hier wieder unter das Kuratel des männlich humanistischen Intellekts zu
stellen.[20]
Pornographie und Computer werden
von uns als funktionale Instrumente
zur Aneignung von Wirklichkeit verstanden, im Sinne einer Aneignung über
das Symbolische. Computerpornographie und Cybersex verknüpfen die beiden
Funktionssysteme von Pornographie und Computerkultur. Es geht hier damit um die
Einbindung von Sexualität über Pornographie und Computer in die
Produktion von Macht und Herrschaft. Es geht um den Zugriff auf Realität
über Symbole und die spezifische Funktion von Computerpornographie in
diesem Zusammenhang und die damit einhergehenden Verschiebungen. Cybersex und
Computerpornographie sind Teil eines Sexualitätsdiskurses in einer
Normalisierungsgesellschaft, wie sie von Foucault gefaßt wird: „Die
Sexualität befindet sich genau an der Kreuzung von Körper und
Bevölkerung. Folglich gehört sie zur Disziplin, zugleich aber
gehört sie auch zur Regulierung.“ [21]
Der Computer als Kommunikations-
und Informationstechnologie ist eine doppelte Disziplinartechnik.
Er diszipliniert als in den
Alltag diffundierte Maschine sowohl die Körper wie die
Handlungsabläufe; und als Phantasmengenerator wird er zur Kontrollinstanz
des Imaginären. Dabei bedient sich die Disziplin der Techniken der
Anreizung. Alles geschieht freiwillig; in der Freiheit der Konsumentscheidung
und des Angebotes.
Daraus ergibt sich auch en
passant eine Diffusion der öffentlichen in die privaten und der privaten
in die öffentlichen Räume. Das Freizeitgeschehen, am Computer beim
Internetsurfen oder Spielen oder Masturbieren, ähnelt den Abläufen am
Computerarbeitsplatz. Ein gesteigerter Spaßwert bei der Arbeit ist eine
effiziente und beabsichtigte Folge. Die Priorität liegt freilich bei der
Arbeit, die jedoch von Abhängigkeit und Ausbeutung gereinigt erscheinen
soll.
Daß die Bedingungen, unter
denen wir zu arbeiten gezwungen sind, entscheidenden Einfluß auf unsere
Leben haben, ist bekannt und jetzt anscheinend in Vergessenheit versenkt
worden. Wenn nun also, wie behauptet, die computergestützte Arbeit im
Zeichen der Freiwilligkeit steht (mit Hilfe von Selbstmanagement, Lean
Production, prinzipieller Übernahme von Verantwortung), verändert sie
auch unser ästhetisches Empfinden und mithin unsere Wünsche und
Begehren und die Praktiken ihrer Erfüllung.
Die beiden Felder
Öffentlichkeit und Privatheit, unter der Bedingung ihrer Besetzung durch
Computertechnologie, verändern somit sowohl die Gebrauchs- und
Tauschwertbeziehungen hinsichtlich Körper und Sexualität als auch das
darin eingelassene Geschlechterverhältnis. Die symbolische Ordnung wird
dabei durch die Warentauschbeziehungen und die binäre bzw. einwertige
Logik[22] als die allgemeinen
Formen der Aneignung von Realität bestimmt[23].
Insofern haben nun auch Frauen
Spaß am Cybersex, ja dies wird geradezu zum Ausweis einer gelungenen
Subjektkonstitution. Das 'autonome' Subjekt definiert sich über seinen
Tauschwert. Die dogmatisch frigide Feministin, die nach wie vor auf sexueller
Leiblichkeit jenseits von Warentauschrelationen besteht, wahrt, als genital
unterentwickelte, nicht die Grenzen. Ihre Impertinenz trifft auf amorphen
Haß.
Die Besetzung der Realität
durch den Computer wird über die Verbindung Frau-Computer
rückgebunden an die Inbesitznahme von Natur durch die Frau (hindurch). So
wie man begann, die brache Natur zu kultivieren, um ihren Wildwuchs zu
verhindern, sollte die 'wilde Frau', die mit der unbehandelten Natur verbunden
wurde, begrenzt und als Kulturacker begehbar gemacht werden. Gleiches gilt
für die Innektierung der Frau im Computer. Sie ist hier vollständig
kontrollierbar, nicht etwa nur durch das Prinzip Strafe und Gehorsam, sondern
durch ihre Entkörperung und Verarbeitung als Software.
Aber so wie die Natur immer
wieder als Übermächtige immaginiert werden muß, um die eigene
Größe in ihrer Überwindung zu bestätigen, ist auch nur
eine Technologie von erregendem Interesse, die mit dem Absturz droht. Die wahren
Meister(Hacker) arbeiten unter Ausschluß der üblichen
Sicherheitsstandarts.
Aufwachtraum – Lippen berühren
die Haut feucht – K kitzelt F mit der Zunge an den Fußsohlen
– Du beißt in ein Ohr, schmeckst – Fingernägel gleiten
den Rücken entlang – ein Hauch die Oberschenkel hoch über das
Becken zum Bauch – nach hinten gebogen, ineinander
verschlungen – angespannt – Erinnerung, das Zittern der Haut – Angst – trotzdem erfaßt – zurückweichend – aneinander entlanggleitend – sanft die Brust fester umkreisend – umhergeworfen – ein Biß in den Nacken – der Atem immer schneller – Hände und Haare überall – Öffnungen ertastend – fallend – angespannt – zitternd aneinander gepreßt – umschlungen entgleiten – anspannen ein bißchen – ein Drücken aneinander – pressen – Umschlungen mit naßem Körper und Haaren – ein drängendes Zucken einander mitreißend – ineinander versinkend – Aufgabe – Auflösung – ein Bein guckt unter dem Laken hervor, ein Fuß, ein Arm, eine Schulter – dann sitzen, anschauen – "Was hast Du denn da?" – Lachen
Eine andere Quelle bietet die
Geschichte der Anfänge der Ökonomie.
Ausgehend vom Frauentausch als
einer ersten Form der Tauschwertbeziehungen kann aufgrund der Symbolisierungen
von Natur über die Frau, damit auch eine erste Form der Aneignung der
allgemeinen Lebensumwelt, ihre Subsummtion unter die Logik der
Tauschwertbeziehungen, gefaßt werden. Die Frau, bzw. der Frauentausch,
wird damit zur Matrix der Aneignung der Realität unter der einwertigen
Logik.
Dieser Zusammenhang findet sich
in der beginnenden Neuzeit in den Umbrüchen im Frauenbild und im
Naturverständnis[24]; er ist wirksam bis
in unsere Zeit hinein[25], insbesondere was die
Symbolisierungen in der Frau anbelangt.
So spricht Sir Francis Bacon z.B.
im 17. Jahrhundert über die experimentellen Wissenschaften in Metaphern
der inquisitorischen Folter von Frauen[26].
In der Moderne wird die Aneignung der Natur zunehmend sexuell gefaßt, im Begriff der
richtigen, heterosexuellen Sexualität.
Die Aneignung, die Inbesitznahme
der Frau und des in ihr Symbolisierten wird gefaßt über die
Pornographie. Die Pornographie hat in diesem Kontext in ihrer modernen Variante
die doppelte Funktion der phallischen Besetzung der Frau und der Besetzung des
über die Frau Symbolisierten.[27]
Die Form der symbolischen
Darstellung der Besetzung eines Ortes durch den Phallus läßt sich
auch in der exzessiven Darstellung des männlichen ejakulierenden Gliedes
im pornographischen Filmen,[28] aber auch in seinem
Ersatz durch diverse Werkzeuge in pornographischen Computerspielen finden[29]. Es geht in diesen
Bildern, die sich in Abschwächung auch in der Werbung wiederfinden,
durchaus um die reale Besetzung von Orten, d.h. männlicher Dominanz im
öffentlichen wie privaten Raum. Eine Besetzung, die gerade auch durch die
Präsenz pornographischer Bilder in diesem Bereichen sichergestellt wird.[30]
Das Internet ist ein
solchermaßen besetzter öffentlicher Raum
Urscene -
Die Eltern – K. und A.L. – ..
– das ist selten geworden – gemütlicher Abend
- Schnitt -
Im Fernsehen Familie Sanders –
fernseheguckend – im Bett – K Sanders sitzt, seine Frau neben ihm
schaut ihn an -
K. und A.L. finden die Darstellung der
älteren halbnackten zur fettleibigkeit neigenden Sanders unappetitlich
- Schnitt -
Nun fängt K. Sanders angeregt durch
einen Porno im Fersehen auch noch an seine Frau zu betatschen. -
Der Porno wird in Großdarstellung
gezeigt und regt auch den Vater vor dem Bildschirm an.
- Schnitt -
Im Kinderzimmer liegt das Kind verkrampft
im Bett und versucht, ohne die Hände zu benutzen, zu masturbieren. –
Leise, damit nichts zu hören ist.
- Schnitt -
Vater kommt langsam in Fahrt. Er hat noch
einen Porno aus dem Schlafzimmerschrank geholt. Seine Frau wartet auf die
Werbung. -
- Schnitt -
Das Kind nähert sich dem
Höhepunkt. -
- Schnitt -
Im Fernsehen ist Werbeunterbrechung. Das
Junge Paar aus der AIDS-Werbung. -
An den jungen Mann denkt jetzt A.L., wenn
sie ihren Mann ansieht. -
- Schnitt -
K. Sanders und seine Frau, die auch A.L.
heißt, kommen auch langsam zum Höhepunkt – wasserlassend -
K. und A.L. schalten aus – sie sind ja nicht pervers – eine gesunde Sexualität ist wichtig – dabei denken sie an das Kind. – Diese Sexualität wird den Opfern sexueller Gewalt genommen. – Das entsetzt auch K. und A.L..
Tabuisierung, Prüderie und
Pornographie sind zwei Seiten ein und derselben Politik. Pornographie als ein
'Sprechen anstatt', greift ineinander mit der Tabuisierung von Sexualität,
der Verhinderung des eigenen Sprechens, Benennens. Sie ist die Fortsetzung der
Enteignung der eigenen Sexualität im doppelten Sinne, im Sinn der Verhinderung,
Überlagerung eines eigenen Diskurses, und im Sinne der direkten Enteignung
und Umdeutung der wenigen vorhandenen Bilder auf die herrschende Norm.[31]
Der Sexualitätsdiskurs dient
dabei der Übermittlung sehr viel weitergehender Botschaften. Als Machtdiskurs
setzt er nicht unwesentlich die Bedingungen für Teilhabe an
gesellschaftlichen Prozessen. Welche die psychosozialen und -sexuellen Zeichen
nicht mehr zu lesen versteht, wird deshalb ja auch Analphabetin[32] genannt.
Der Computer übernimmt in
der Moderne zusehends die Matrixfunktion, d.h. der Computer ersetzt die Frau
und den auf sie bezogenen Sexualitätsdiskurs in ihrer Funktion der
symbolischen Besetzung und Aneignung der Realität. Er wird ein sexuiertes
Objekt, da der Aneignungsdiskurs ein phallischer bleibt.
Er ist in diesem Sinn eine
Maschine zur Steigerung des Wahrheitswertes[33], eine Maschine mit
der zentralen Funktion der Transformation von Wissen in Wahrheit, eine Maschine
zur Aneignung, d.h. hier Enteignung, bestehenden Wissens. Die Aneignung,
Enteignung, erfolgt über die Verfremdung, die Formung entsprechend der
maschinellen einwertigen, binären Logik und über die damit verbundene
computergestützte Steigerung des Wahrheitswertes.
Darin enthalten ist die
zielgerichtete Organisation des Wissens und damit seine ideologische
Überformung. Diese Struktur ist nicht neu, auch für andere
Wahrheitsfindungen, z.B. für die Gottesbeweise im Mittelalter, ließe
sich ähnliches sagen. Neu ist die Materialisierung im technischen Artefakt,
d.h. die Objektivierung im Wortsinn. Damit wird ein Objekt ('die Frau'), in dem
die Wirklichkeit und ihre Aneignung symbolisiert werden kann, zunehmend
überflüssig.
Die im Computer materialisierte
einwertige Logik wird selbst zu ihrem primären Objekt. Dies zeigt sich
darin, daß der Computer dem männlichen Nutzer als evokatorisches
Objekt dient[34]. Im Computer, durch
den Computer, kann sich der Phallus selbst spiegeln (eine Art Konservierung des
Spiegelstadiums, einhergehend mit einer immerwährenden jubilatorischen
Gewißheit über das eigene Selbst).
Als es aufwachte,
schnitt das Spiegelbild Grimassen.
Es schaute ganz ernst,
aber es ließ sich nicht beeindrucken.
Im Restaurant wäre das peinlich gewesen.
Im Netz (im Internet) erreicht
diese Spiegelung ihren Höhepunkt in einem Reden, das sich durch Belang-
und Bezuglosigkeit auszeichnet. Der/die NutzerIn kann sicher sein, nicht einmal
von den eigenen Sätzen über längere Zeit belästigt zu
werden.
Das Internet ist die
Vervollkommnung einer Kommunikationstechnik, die uns schon lange vertraut ist
– das Telefonieren.
Was das Telefon mit der
Realisierung der Tötung des Objekts Frau im technischen Artefakt zu tun
hat, untersucht Gerburg Treusch-Dieter. Ihre Analysen führt sie auf
die Spur Ingeborg Bachmanns und deren Roman Malina :
'Denn damit, daß das
'Bindewort' Frau zwischen Malina und Ivan am Telefon endgültig beseitigt
wird, werden Geschlecht, Körper und Ort abgehängt. Der Schaltkreis
der Macht verselbständigt sich bis hin dazu, daß er körperlos funktioniert.
Diese Körperlosigkeit scheint diejenige der Macht zu wiederholen, doch mit
dem Unterschied, daß sie nicht mehr über die Frau vermittelt ist.
Das vom Vater ausgehende Wort wurde durch ihren Körper 'weitergesagt'. Sie
gebar die Sprache des Sohnes, von der sie zwar als Körper ausgeschlossen
war, doch unter der Bedingung, daß sie innerhalb dieser Sprache als
körperliche Differenz funktionierte, über die sie mit dem Sohn
verbunden war, obwohl er das körperlose Wort repräsentierte. [..]
Beseitigt innerhalb des Schaltkreises der Macht, der den Körper der Frau
ausgeschaltet hat, nimmt das Telefon an dem Punkt ihre Stelle ein, wo die Frau
im Teufelskreis der Macht das – totgesagte – Mittel der Vermittlung
ihrer göttlichen Triade im Himmel, wie auf Erden war.'[35]
Das Opfer hinterläßt
nicht einmal mehr eine Blutspur oder einen Schrei, dem die Erynnie
hinterhersteigen könnte. Die Drachenschlange kann sich in ihr (der durch
das technische Artefakt eroberten Jungfrau) nie mehr regen, weil sie (die JF)
immer schon tot war. Gut für den Nutzer.
Es kann getrost von einer
Monopolisierung der Möglichkeiten, Handlungsmächtigkeit zu erlangen,
gesprochen werden. Menschen, die heute eine radikale Technologiekritik
versuchen, sehen sich verschiedensten, einander widersprechenden Vorwürfen
ausgesetzt. Einmal sind sie PC-FanatikerInnen, die sich (und vor allem anderen)
durch naive Technikfeindlichkeit, neue Lüste und angebliche
Tabubrüche versagen. Dann wieder sind sie reaktionäre
Lokalbürokraten, die an der Weltengemeinschaft und der ganz sicher damit
verbundenen Nivellierung von jedweder sozialer (usw.) Disharmonie nicht
mitarbeiten wollen. Oder sie sind verantwortungslos und überlassen dieses
gefährliche Machtmittel jenen, die Mißbrauch damit treiben usw.usf..
Die Computernutzung könnte gleichsam ein notwendiges Kriterium werden, um
im elementaren Sinn gesprächsfähig zu bleiben.
Es geht also um die Aneignung der
Realität, und dies im Sinne der Enteignung; also um die Kontrolle und
Verfügung über die Realität.[36] Dabei wird die
Realität eindeutig bezeichnet. Wenn die Realität also der einwertigen
Logik unterworfen wird und das Symbol des Phallus dabei die signifikante Rolle
bei der Ausführung spielt, dann wird auch das Bedeutungsfeld des
Phallischen rigide verengt. Es dient nur noch der Ausmerzung der Vielstimmigkeit,
der Ambivalenz oder Vagheit und verwandelt polymorphe, libidinöse
Verstrickungen in plane Warentauschbeziehungen. Diese offenbare Reduktion der
phallischen Potenz ist denn auch eine Attraktion, die möglicherweise
irgendwann gespürt und gegen die dann vielleicht opponiert werden wird.
Die Neuen Medien arbeiten mit der
fatalen Strategie der massenhaften Trivialisierung und funktionieren hierin in
ähnlicher Weise wie das Fernsehen. Ihre Überlegenheit den
„alten Medien“ gegenüber, liegt in der angeblichen
Möglichkeit der aktiven Mitgestaltung des Geschehens auf dem Bildschirm.
Natürlich sind Handlungstränge, die verknüpft werden
können, durch die Anzahl der Programme beschränkt. Die Programme
ihrerseits sind nur Variationen eines Themas, aber das ist zu ignorieren.
Wichtig ist der Zugang zu freiem Konsum, der wiederum ein demokratisches
Grundrecht ist.

Das Ineinanderwirken von
Pornographie und Computernutzung fand bereits Erwähnung und ist eng mit
der Realitätsaneignung und der Hierarchisierung des Geschlechterverhältnisses
verbunden, dem Zugriff auf die Wirklichkeit über das Spiegelbild, den
Bildschirm.
Computer-Pornographie arbeitet
mit Zeichen, die über die alte symbolische Matrix gelesen werden, wobei
der Ort (das Computernetz) das Novum dartellt. Dieser Ort ist gleichzeitig
Medium für einen kreativen Akt, der die bis dahin legitime Wirklichkeit
(z.B. die der Subjekt-Objekt-Beziehung) hinter sich läßt und eine
Überwirklichkeit schafft, in der das Objekt nahezu eliminiert wird, –
und doch wird es dadurch auch bestimmt.
Die pornographischen Praxen, die
ausschließlich im Rahmen der traditionellen Symbolproduktion
ausgeführt werden und bloß die einfache Ausbeutung, Diffarmierung
und Beherrschung der Frau im Blick haben (also Prostitution, Pornographie in
Print-Medien, Vergewaltigung etc.) könnten dadurch in Mißkredit
geraten. Der Handel mit realen Frauen würde zum Skandal, zu einer Art
Geschmacklosigkeit. Die eigentliche, wahre (Ware) Sexualität würde
die in der Computerrealität erlebte, die Begegnung mit der künstlich zusammengesetzten
Bildschirmfrau würde ein Zeichen für gelungene Emanzipation, die
Ablösung von realen Frauen durch den Traum vom Cybersex, der
Sexualität im Data-Suit mit dem Computer, ein Beweis für die Ankunft
im neuen Jahrtausend.
Nun muß sich die, in diesem
Bild schmutzige, schwitzende, eigenwillige, sexuell minderwertige Frau messen
am Maßstab ihrer virtuellen Schwester. Doch die Lebende ist keine
Konkurrentin für die unsterbliche Untote. Die reale Frau wird zur immer
schon Unvollkommenen, von Anfang an Verworfenen. Sie ist in der
Symbolproduktion nicht einmal mehr als Aneignungsmatrix der Realität
notwendig.
'Schöne neue Welt: Sex
mit wem man will, wann immer man will, wie man will – der Computer
macht’s möglich. Cybersex ist das Zauberwort, das mehr und mehr
durch die Medien geistert, Phantasien, Hoffnungen weckt und ungehinderte
Lusterfüllung verspricht. Doch was ist nun wirklich daran, am Sex mit
Computern? Wie kommt es, daß die Vorstellung so viele Menschen so nachhaltig
fasziniert? Ein Computer bedeutet in erster Linie Macht und totale Kontrolle
– und wer hätte nicht schon mal davon geträumt, im sexuellen
Bereich die totale Kontrolle zu besitzen, sich den Partner absolut zu
unterwerfen. In der Sado-Maso- und Bondage- Szene wird genau dieser Aspekt
ausgelebt, die Macht wird zum dominanten Lust-Faktor. Auch wenn diese
Phantasien bei jedem vorhanden sind, mit der Umsetzung in die Realität tun
sich die meisten doch eher schwer. Wo finde ich den richtigen Partner, wie sage
ich es ihm oder ihr, und überhaupt – die Emanzipationsbewegung und
das gewachsene Selbstbewußtsein der Frauen macht es den Männern auch
nicht gerade einfacher, ihre vermeintliche Macht auszuspielen. Wie schön
ist es da doch, wenn mann seine persönliche Geliebte im Computer und damit
total unter Kontrolle hat.'[37]
'Cybersex ist ein sexuelles
Schlaraffenland, in dem der Cybernaut von Fragen nach dem AIDS-Test, den rauhen
Spülmittelhänden, dem Schweiß und fremden Gerüchen
verschont wird.'[38] [39]
Dabei geht es nicht um die reale
Erwartung, daß Sexualität nun nur noch am Bildschirm stattfinden
würde. Die Ausgrenzung von Paradoxien und Ambivalenzen aus der
Symbolproduktion, dient gerade der Negierung von in diesem Zusammenhang bestehenden Abhängigkeiten[40] und der Versuch ihrer
Auslöschung ist als Beleg ihres Weiterbestandes zu lesen.
Ablesbar ist dies in der
Doppeldeutigkeit der Frau-Maschinenmetapher. Ist das Bild der Frau in der
modernen Computerwerbung sexualisierte Aneignungsmethapher der Maschine als
willfähriger Dienerin[41], so wird in den
genannten Kinofilmen, 'Eve 8 – Außer Kontrolle', 'Species' das Verschlingende der 'Frau' über
die unbeherschbare Maschine symbolisiert. Auch der Computer, als treuer
Gefährte, in dessen Inneren die Frau sicher verwahrt scheint – wobei
der Computer die Büchse figuriert, in dessen Innerem die Pandora lauert
– ist vor ihr nicht gefeit. Das Ausgegrenzte bleibt das Vorhergehende.
Erstens; "Streich mal deinen Pulli
glatt. – Oh die kriegt ja schon richtig Busen."
Zweitens; Die Hunde, Hündin und
Rüde. Der Mann neben deinem Vater stößt dich an. "Schau
hin, da kannst du noch was lernen."
Drittens; Der Vetter, Der Onkel, Der
Bruder, Der Ausbilder. "Ich hatte auch Schiß beim ersten mal. Dann
haben die mich mit in den Puff genommen. Danach ging das. Du wirst sehen."
Viertens; Das Aufklärungsbuch, nicht
nur sauber sondern rein, AIDS, Kondom, Arzt, Regel, Verhütung, Abtreibung.
Fünftens; "Komm bloß nicht
mit nem Kind nach Haus", die Mutter.
In der Talk-Show feixen feiste Männer
über pubertäre Witze. In 30%[42]
aller Fälle sexueller Gewalt gegen Kinder sind Jugendliche (fast
ausschließlich männliche) die Täter – das ist kein Thema.
Hast Du als Kind geliebt?
Beziehungen unter Kindern sind nichtig
– niedlich. Das wissen wir über die Eingeborenen.
Aber es gibt ja zum Glück auch
verantwortungsbewußte Erwachsene, die Kinder in die Sexualität
einführen.
"Faß dich nicht an!" – "Zeig mal." – "In der neuen Hose sieht sie doch ganz brauchbar aus." – "Du mußt einfach rangehen."
Ob eine Ware besonders attraktiv ist, hängt auch von ihrer Knappheit ab. Ein Gut kann künstlich verknappt werden, wenn an die Möglichkeit seiner Gewinnung viele Bedingungen gestellt werden.
Für unseren Zusammenhang
gilt, daß Cybersex und seine geschmäcklerischen Varianten wie
Latex/Leder-Szene und SM von der bürgerlichen Avantgarde, der
intellektuellen und solventen Oberschicht betrieben werden. Die vorgestellten
Praktiken erscheinen als High-Sex im Unterschied zum Low-Sex der Unterschicht.
Der Mannequinisierung[43] der Sexualität
und ihrer Einbindung in den öffentlichen Diskurs, steht der Schmuddelsex
der KleinbürgerInnen entgegen.
Letztere vergehen sich
unkontrolliert und ohne jeden Sinn für Choreographie aneinander,
löschen das Licht , wenn es soweit ist und haben keine Sprache für
das, was sie tun, außer ihrem
keuchenden Schweiß. Danach ist es ihnen peinlich, weil sie von den
alten Verklemmungen drangsaliert werden. So jedenfalls könnte ein Klischee lauten.
Das Sexualitätsdispositiv
dient damit einmal mehr als Identitätsraster.[44]
Die Übergänge sind
dabei fließend und die unterschiedlichen pornographischen Produkte
ergänzen sich in ihren sexistischen Implikationen.
In beiden Bildern geht es um
klare Differenzierung und Abspaltung.
Im abgewerteten alten Bild wird
das Ausgegrenzte in der Frau verortet und über sie kontrolliert, zwar wird
im pornographischen Kontext noch eine andere Sexualität mitgedacht als die
phallisch genitale, eine Sexualität, die aber als potentiell
verschlingende, in der Frau verortet, kontrolliert werden muß.
Im Cybersex, im High-Sex, hat
sich dies aufgelöst; der Phallus schläft mit sich selbst. Frauen
werden in diesem Bild vollends zu kastrierten Männern. Das heißt,
die Cybersexfrau, die computergenerierte Frau,[45] ist vollständig
seiner Logik unterworfen, Produkt dieser Logik. Als Leitbild der wahren (Waren)
Sexualität, setzt sie aber die Maßstäbe des wahrhaft
Weiblichen.
Bedroht wird dieses Idyll nur
noch durch die Aufdeckung des Ausgeschlossenen. D.h. durch die Verwischung der
Grenze zwischen der virtuellen und der realen Welt. Die Borg, als reales und
nicht nur virtuelles Phantasma, benennt diese Angst vor der 'Verschmutzung' des
Cyberspace durch biologische Körperlichkeit. Die Angst vor der
Infizierung, wird benannt in der Angst vor der Verworfenen, dem Bild der Medusa.
Der Rekurs auf eine, wie auch
immer geartete, 'ursprüngliche' weibliche oder männliche
Sexualität ist keine Alternative, denn einen solchen Diskurs stellt die
männlich phallische Sexualität dar, mit ihren Signifikationsprozessen
und der daraus resultierenden Logik. Eine Alternative müßte die
Dekonstruktion eben dieser Diskurse beinhalten.
Auch eine Sexualität, die
nicht als anthropologische Invariante, als Rekurs auf Natur gefaßt ist,
läßt sich nicht in Banalitäten, in Klischees auflösen.
Eine als historisch und im individuellen Sozialisationsprozeß
konstituiert gefaßte Sexualität, der Körper und seine
Lüste lassen sich nicht vollständig in virtuellen Welten des Cybersex
und der Computerpornographie auflösen. Historische und
Sozialisationsprozesse lassen sich nicht auf Klischees reduzieren. Die
Materialität der Diskurse ist nicht auflösbar.
Cybersex und Computerpornographie
haben Teil an ihrer Aufrichtung, an der Reproduktion und Ausweitung eines
spezifischen modernen Kanons von Klischees über das Geschlechterverhältnis
und die Sexualität. Sie sind in diesem Sinn auch Funktionen rassistischer
und sexistischer Ausgrenzungsprozesse. Das heißt sie sind nicht zu
trennen von der Ausgrenzung spezifischer Teile der Sexualität und ihrer Aneignung
in Warentausch- prozessen.[46]
Banale Herrschaft
Die Aufrichtung banaler Klischees
ist funktional, sie ist ein wesentlicher Bestandteil von Normierungsdiskursen.
Dabei diffundiert die Macht in der Normalisierungssgesellschaft der Moderne
zunehmend in die alltäglichen Verrichtungen hinein. Sie ist insofern nicht
mehr zu verorten als übergeordnete Instanz. Gleichzeitig scheint sie aber
nach wie vor geradezu das Leben zu geben bzw. zu sichern. Dies ist ihre
Legitimation. Insofern ist das Töten auch nur noch zu legitimieren als
"ein das Leben sicherndes" (z.B. Eugenik).
Im Nationalsozialismus hieß
dies, die Anderen müssen sterben damit die 'arische Rasse' um so mehr
leben kann, aber auch die 'arische Rasse' muß sich selbst 'in diesem
Blutbad reinigen von ihren schwächsten Gliedern'.
Für Foucault ist in diesem
Zusammenhang der Rassismus zunächst das Mittel, um im Bereich des Lebens,
den die Macht in Beschlag genommen hat, einen Einschnitt einzuführen:
einen Einschnitt zwischen dem, was leben muß und dem, was sterben
muß. 'Die Rasse, der Rassismus, das ist die
Akzeptabilitätsbedingung des Tötens in einer
Normalisierungsgesellschaft.' [47]
In der modernen bundesdeutschen
Realität sind die Anderen potentiell alle, die aus der Normalität
herausfallen. Diese Form des Sozialrassismus unterscheidet sich damit
wesentlich vom Rassismus der Rasse. Eine wesentliche Funktion des Banalen ist
die Produktion dieses Normalen. Die Herrschaft des Banalen, das dieses Normale
vorstellt, ist damit ein wesentlicher Teil des Rassismus in der Moderne.
Den Begriff des Banalen verwenden
wir dabei in Anlehnung an einen Artikel zur Faschismustheorie aus der Schwarzen
Botin, einer radikalfeministischen Zeitschrift, die ein literarisches und
theoretisches Schreiben als Gesellschaftkritik begriffen hat. Publiziert haben
dort in den 70er und 80er Jahren Elfriede Jelinek, Ginka Steinwachs, Libuse
Moniková, Gerburg Treusch-Dieter, u.a..
'Das Wort banal bezeichnet im
Zusammenhang mit Klischee eine bestimmte Bewußtseinsstruktur, die sich
zusammensetzt aus beliebig variablen Faktoren und als Summe banaler Klischees
kollektives Eigentum ist. Der Zwang des Banalen ensteht durch seine
Unterdrückungsfunktion. Wir gehen davon aus, daß die banalen
Denkkonstruktionen keine Tatsachen des Bewußtseins sind, sondern sie sind
verknüpft mit Religiösität und Volksaberglauben (Schicksal,
höhere Gewalt, Pech, Glück u.s.w.) bewußtseinsproduzierend.
[..] Es ensteht der Eindruck,
als handle es sich bei der Vielfalt der Klischees um tatsächliche
Konstellationen der Wirklichkeit. [..] Die Zwänge, welche sich im banalen
Denken und Handeln niederschlagen, geben sich als Errungenschaften
gesellschaftlicher Entwicklung aus.' [48]
Die banalen Klischees stellen
eine trivialisierte Form des Mythos in der Moderne dar. Die NutzerInnen und SchöpferInnen der neuen
Computertechnologien, die unter dem aus der Science-Fiction-Literatur
entlehnten Begriff des Cyberspace, also der Welt der Cyborgs, zusammengefaßt
werden, sind noch lange vor der eigentlichen Entwicklung technologischer
Apparaturen, vor allem TäterInnen der NeuSchöpfung alter Begriffe,
Metaphern und Bilder, d.h. der Restauration banaler Klischees.[49]
Das 'Leben' und 'Lieben' der 'BewohnerInnen
des Cyberspace' stellt eine Remythisierung bekannter Alltagsklischees dar.[50] In der
Selbstdarstellung seiner BewohnerInnen klingt das wie folgt.
Der 'Cyberspace' ist das 'Frontierland, das Grenzgebiet, das Pionierland das auf Besiedlung wartet'. Die 'Cyberpunks sind die Nomaden' im 'Cyberland', die Datenreisenden insgesamt 'sind anarchische Einzelgänger', die im 'elektronischen Cafehaus elektronische globale Gemeinschaften' bilden, 'echte Gemeinschaften', mit 'echter Freundschaft'.
'Im Cyberspace kannst Du sein, wer Du willst'. Die Identitäten können beliebig gewechselt werden, die meisten haben mehrere Identitäten. Dies entspricht einer Realität 'in der ich ja auch beim Milchman eine ganz andere Person bin, als die, als die ich bei der Arbeit auftrete oder als die, die ich bei meinem Liebhaber bin'. Dies entspricht einer modernen flexiblen Anforderungen entsprechenden Identität. Der Verkehr erfolgt unter Pseudonym, mit so phantasievollen Namen wie 'Jumping Jack Flash, der immer lustig ist', oder 'm-normal', die das Netz der 'Whole Earth Review' mitorganisiert, einer Zeitschrift, die 'Teil, der aus der Hippiebewegung hervorgegangenen Gegenkultur' ist. In diesem Netz kann z.B. ein Vater von der Leukämieerkrankung seines Kindes berichten und ganz viele zeigen dann elektronisch ihre Betroffenheit. Im Netz verkehren ganz unterschiedliche Menschen aller Rassen und Klassen ohne Vorurteile miteinander.
[51]
Dies rechtfertigt das Netz als Teil der 'Gegenkultur'.
Das Fersehgucken für mich als Kind war eingeschränkt. Manchmal durfte ich aber auch spät noch Filme sehen. Oft mußte ich mir danach beim Einschlafen einen anderen Ablauf ausdenken und erzählen. Halblaut machte ich dabei die Geräusche, die die Handlung begleiteten nach – Töne. Die Filme, in denen meist die Falschen gewannen, die Falschen die HeldInnen waren, erzwangen dies.
Der 'Cyberspace' wird bald das Fernsehen als Sozialisationsinstanz für Kinder (Jungen?) ersetzen. Auch die 'Schule könnte im Cyberspace zum Abenteuer werden'.
Mit der 'Reality-Engine, der
Wirklichkeitsmaschine', kann das 'World-Making', die 'Neuerschaffung einer
ganzen Welt' betrieben werden. In diesen Cyberspace kann die NutzerIn auch mit
ihrem 'Cyberbody eintauchen', und dort anderen NutzerInnen begegnen. Das
beliebteste Computersimulationsspiel in diesem Bereich ist zur Zeit ein Spiel
bei dem das Ziel in der Vernichtung der SpielpartnerIn besteht. Der
'Cyberspace ermöglicht so die Flucht aus dem Gefängnis unseres
Körpers'.[52]
Die Hoffnung besteht 'den
Menschen'
irgendwann 'als Information im Computer abspeichern' zu können, bisher
begnügen sich Wohlhabende mit dem 'Trans-Time-Service', dem Einfrieren ihrer
Körpers nach dem Tod (?).
Durch den 'Cyberspace' kommt es zu einer ganz
anderen Warnehmungsqualität der Realität, die Bilder in der
'virtual Reality'[53] sind kaum noch von echtem Erleben zu unterscheiden.
Abziehbilder aus dem Kaugummiautomaten
ziehen. Die Bilder werden verdoppelt oder vervielfacht in dem den besten
FreundInnen der Handrücken mit dem frischen Bild auf den Arm oder auch auf
den Handrücken gedrückt wird.
Es gibt auch die Möglichkeit die
Bilder ein zweites mal zu verwenden, das ist aber falsch.
Die Bilder sind mehr ein Symbol für das Zusammensein.
Der 'Cyberspace ist die Welt
im/hinter dem Spiegel', in die wir 'eindringen' können. Ins 'Datennetz
einzudringen ist wie ein Rausch'.
Cybersex ist ein weitere Schritt
der Befreiung der Sexualität. Die Cyberfrau, der Cyborg, stellt das dritte
Geschlecht dar, im Sex mit dem Computer kommt es zu ganz zentralen, ganz 'neuen,
universellen Erfahrungen'. Die Maschine hat eine spezifische maschinelle Erotik.
Cybersex ist vergleichbar mit dem Sex mit einem Motorad. Der Android ist das
ganz Andere, völlig neue, uns selbst vollständig verwandelnde, so
gilt es ihn zu programieren. Die CybersexpartnerIn muß dazu ein
Eigenleben entwickeln, um uns zu überraschen. Die CybersexpartnerIn im
Computer kann entsprechend den eigenen Bedürfnissen ausgesucht werden und
ist jederzeit verfügbar. Diese PartnerIn ist deshalb mehr als die
Realität, sie ist realer.[54]
Baudrillard sprich bezüglich
der modernen Techniken vom 'perfekten Verbrechen'[55], der
'Zerstörung aller Illusionen'[56], der 'Sättigung
durch absolute Realität'[57].
Das Instrumentarium der
TäterInnen sind die Techniken der Simulation.
'Die Welt ist also eine
radikale Illusion. das ist eine Hypothese wie jede andere: jedenfalls
unerträglich. Und um sie abzuwehren, muß die Welt realisiert werden,
man muß ihr die Kraft der Realität geben, ihr um jeden Preis zum
Existieren und zum Bedeuten verhelfen, ihr jeden geheimnisvollen, beliebigen,
zufälligen Charakter nehmen, den Schein verbannen und den Sinn austreiben,
sie aller Vorherbestimmung entziehen, um sie ihrem Zweck und ihrer maximalen
Effizienz anheimzugeben, sie ihrer Form entreißen, um sie ihrer Formel
anheimzugeben. Dieses gigantische Desillusionierungsunternehmen –
wörtlich: die Tötung der Illusionen der Welt zugunsten einer absolut
realen Welt – genau das ist die Simulation.
Was der Simulation
entgegensteht ist also nicht das Reale, das nur ein Sonderfall von ihr ist,
sondern die Illusion. Und es gibt keine Krise der Realität – ganz im
Gegenteil: es wird immer noch mehr Reales geben, denn das wird von der
Simulation produziert und reproduziert und ist selbst nur ein Modell der
Simulation. Die Vermehrung der Realität [..] ist unsere wahre Katastrophe.
Sie ist das fatale Schicksal einer objektiven Welt.
Die Illusion muß ihre
Macht und ihre radikale Bedeutung wiedererhalten – zu oft ist sie zu
einem Wahnbild verkommen, das uns vom Wahren ablenkt: das, womit sich die Dinge
ausstaffieren, um zu verbergen, was sie sind. Wohingegen die Illusion der Welt
die Art und Weise ist, wie die Dinge sich für das ausgeben, was sie sind,
während sie ganz und gar nicht dahinter stehen. Im Schein sind die Dinge
das, wofür sie sich ausgeben. Sie erscheinen und verschwinden ohne
irgendetwas durchscheinen zu lassen. Sie entfalten sich ohne auf ihr Sein oder
ihre Existenz bedacht zu sein. Sie zeigen sich, lassen sich aber nicht
entziffern. In der Simulation dagegen, in diesem gigantischen Apparat an Sinn,
Berechnung und Effizienz, der all unsere technischen Artefakte bis hin zur
aktuellen virtuellen Realität umfaßt, geht die Illusion des Zeichens
zugunsten seiner Operation verloren.[58]
Damit geht die 'Beseitigung
des Anderen'[59] einher, der
Ausschluß, den wir zu Beginn dieses Textes dargestellt haben. Baudrillard
verfällt aber, indem er diese Beseitigung als real ansieht, selbst den
Techniken der Simulation. Auch den Techniken der Moderne gelingt aber die
vollständige Auflösung im Berechenbaren nicht, ihnen gelingt nur die
Simulation der vollständigen Berechenbarkeit. Eben dies ist der
'Fortschritt' der systhemtheoretischen Ansätze in den Natur- und
Sozialwissenschaften, die Simulation der vollständigen Berechenbarkeit
nicht die Berechenbarkeit. Dies funktioniert aber nur auf der Ebene der
Simulation selbst. Da wir davon ausgehen, daß es nicht möglich ist
sich von der eigenen Geschichte zu verabschieden, werden aber auch diese
Simulationen wieder vom Ausgegrenzten erfaßt. Die Bilder der Medusa, die
hinter dem Computerbildschirm erscheinen verweisen auch auf diesen Punkt.
Insofern geht es hier auch darum, alte Geschichten zu erzählen.
Die Trivialmythen, die sich in
den obigen Zitaten der 'Cybernauten' finden, sind nicht dem Zufall geschuldet.
Die heterosexistischen Stereotype und Klischees dienen gerade der Aneignung des
Anderen, des Ausgegrenzten, durch die Ausgrenzung, und nicht seiner Beseitigung[60]. Ein weiteres Moment
des Rassismus liegt eben darin, Ausgegrenztes projizieren zu können und es
sich auf diese Weise auch wieder gefahrlos aneignen zu können. Es ist kein
Zufall, daß inzwischen die überwiegende Zahl Prostituierter in der
BRD keine deutsche Staatsangehörigkeit besitzen. Der rassistische
Einschnitt, die Ausgrenzung der Anderen, der ausländischen Frau, ist
Voraussetzung eben gerade auch für die gefahrlose Aneignung des aus der
eigenen Person Ausgegrenzten über diese.
Der sanfte Computer ist ein
Märchen[61] der
turnschuhbesockten AlternativprogrammiererInnen, zu denen auch Bill Gates
zählte, bevor er durch einen Zufall, aber nicht zufällig,
Milliardär wurde.
Die dargestellte Klischeefunktion
der Computer- und Informationstechnologien zeigt sich auch im politischen
Bereich. 'In vielen Texten und Stellungnahmen taucht eine ähnliche
Argumentationsstruktur auf, die zunächst davon ausgeht, daß das
Vorhandensein dieser technischen Weiterentwicklung unbestreitbar ist, um dann
im folgenden über Möglichkeiten der Mitgestaltung, Veränderung,
Ausweitung, usw. zu reden. Es geht um die Kritik 'innerhalb' des so
akzeptierten Mediums, immer vor dem Hintergrund, daß all diese
Auseinandersetzungen letztlich für eine wahnsinnige Demokratisierung
sorgen, eine nie vorstellbare Vielfalt an Kommunikation ermöglichen.[62] Es ist
auffällig wie in der Begründung (..) all die [Klischees]
heraufbeschworen werden und plötzlich wieder Geltung bekommen, die in
anderen Kontexten keine/r mehr hören will[63]: ein Mehr an
Kommunikation, ein Mehr an gleichberechtigter gesellschaftlicher Teilhabe, ein
Mehr an Gemeinschaft.'[64]
Der Triebtätermythos im
Cyberspace
Für das entwickelte Subjekt
der Norm ist das Zerstörerische das Andere, das Kranke, mangelhaft
Entwickelte.
In diesem Kontext ist die Kritik
an der Hackerkultur zu sehen. Ihr Verbrechen besteht nicht so sehr in der
Abweichung von der Norm als vielmehr in ihrer Aufdeckung, im Verweis auf die
Abhängigkeit vom Anderen, Ausgegrenzten. Der Hacker spitzt die
Normalität der Computernutzung zu. Dabei thematisiert er in seiner Flucht
in die Auflösung im Netz das Semiotische, das Ausgegrenzte, das
Unbewußte. D.h. er verletzt die Grenzen, die für das Subjekt
konstitutiv sind, er mißachtet die Regeln des Safer-Sex. Durch die
Auflösung im Netz wird die Kontrollinstanz der Maschine außer Kraft
gesetzt.
Dementsprechend muß er als
Triebtäter im Cyberspace ausgegrenzt werden.[65]
Deutlich
wird dies in 'Ghost in the Shell' einem Kultfilm von 1995 dargestellt, aber auch
in der einschlägigen SF-Literatur wird dies thematisiert. 'Ghost in the
Shell'
ein Zeichentrickfilm, zu denken ist hier aber mehr an ausgefeilte
Avantgardecomics als an Micky Maus, 'ist die kongeniale filmische Adaption
des gleichnamigen manga-comics, den der Zeichner und Kultautor Shirow Masamune
1993 für das MECHA-Magazin "Young Jump" schuf'[66].
In
der Handlung, die in der Zukunft in einer Megalopolis spielt, geht es darum,
daß ein zu einer intelligenten Lebensform mutiertes Softwareprogramm der 'PUPPET
MASTER',
ein Programm zur Einpflanzung falscher Erinnerungen, sich in der 'Hülle
eines erotischen weiblichen Cyborgs'[67]
verselbstständigt und flieht, und von dem Cyborg 'cybersex-girly'[68] Kusanagi, einem
weiblichen Cyborg, d.h. ei-nem weiblichen Gehirn in einem weiblichen
Maschinenkörper, und Agentin
der Regierung gejagt wird. In einem furiosen Show-Down, in dem beide
zerstückelt werden, findet die Story ihren Umschlagpunkt. Die beiden
Cyborg finden sich gegenseitig und vereinigen sich, um Nachkommen zu
zeugen/gebären. Im Moment der Vereinigung greifen Regierungstruppen mit
schweren Waffen an und vernichten den PuppetMaster und Kusanagi. Ihr
älterer männlicher Freund und Kollege kann nur noch Kusanagis Kopf
retten. Das letzte Bild zeigt sie, ihren Kopf, den Kopf einer älteren Frau
auf dem Körper eines kleinen Mädchens, den ihr Kollege auf dem
Schwarzmarkt besorgt hat. Sie blickt über die Stadt und lauscht in den
elektronischen Netzen nach dem Nachwuchs.
Zu Beginn des Filmes wird die
Herstellung/Geburt der Cyborg Kusanagi gezeigt zu Sphärenmusik in farbiger
Flüssigkeit. Sie ist eine Frau ohne Unterleib, mit dem Körper einer
etwas muskulöseren Schaufensterpuppe. Sie ist die positive Heldin,
Identifikationsfigur, aufs engste verbunden mit dem 'PUPPET MASTER'. Die Negativfiguren
sind die grundsätzlich korrupten Politiker und Regierungsbeamten-Menschen.
Damit symbolisiert der Film
über das begehrte und gleichzeitig ungefährliche, da
ungeschlechtliche, Objekt Kusanagi die symbiotischen Verschmelzungswünsche
im Netz. Diese müssen, da sie der herrschenden Norm einer entwickelten
Erwachsenensexualität zuwiderlaufen, von ihr ausgegrenzt werden. Wer als
Normnutzer seinen Phallus im Computer spiegeln will, für den müssen
die Verschmelzungswünsche der Hacker bedrohlich, ja obszön,
erscheinen, thematisieren sie doch das Verschwiegene seiner Lust.
Computerspiele: Die Maus an der Decke aufhängen – das Pendel des Todes. den Bildschirm mit den Kabeln am Computer festbinden und Langsam in die Reichweite des Pendels schieben, bis er auf grausame Weise gezweiteilt wird.
Für 'den Hacker' ist das
technische Großsystem nicht so sehr Phallussymbol, vielmehr, ist das
Eintauchen in diese 'Urmutter des Chaos' (die Technik) ein Bezug auf
präödipale Bedürfnisse. Das Eintauchen am Rande des
Kontrollverlustes liefert relativ gefahrlose Lustmomente, die gleichzeitig
durch die Penetrationsmöglichkeit, die Manipulation, Beherrschung, in
ödipalen Momenten aufgehen können. Die Kastrationsdrohung ist hier
gleichbedeutend mit dem Passwordentzug, dem Sperren des Netzzuganges. Dementsprechend ist das höchste
Lustmoment verknüpft mit dem Eindringen in verbotene Systeme.
Unbewußt benannt wird dies
in dem in der YIPL, der Youth International Party Line, der Scenezeitschrift
der Hacker in den USA, Anfang der 70er Jahre verwendeten Leitspruch 'Fuck Ma
Bell'.[69] Bezogen war dies auf
die größte Telefongesellschaft der USA, die Bell-Company. Damals
beschäftigten sich die Hacker primär damit, wie sie das Telefonsystem
überlisten konnten.
Auch dies zeigt noch einmal die
Bedeutung des Telefons, als dem dem Computernetz vohergehenden Medium. Was
wiederum auf das schon genannte Zitat von Gerburg Treusch-Dieter im ersten Teil
des Textes[70] und den Ersatz der Frau durch das
Telefon, bzw. den Computer verweist.
'Beseitigt innerhalb des
Schaltkreises der Macht, der den Körper der Frau ausgeschaltet hat, nimmt
das Telefon an dem Punkt ihre Stelle ein, wo die Frau im Teufelskreis der Macht
das – totgesagte – Mittel der Vermittlung ihrer göttlichen
Triade im Himmel, wie auf Erden war.'[71]
Auch die Konnotation von Technik
im Allgemeinen, z.B. die Verbindung von Automobilen und Frauen in der Werbung,
bekommt so noch einen ganz anderen Inhalt. Das Auto ist dann nicht so sehr als
verlängerter Phallus zu begreifen, sondern selbst weiblich konnotiert,
bzw. es ist der in der Frau gespiegelte Phallus. Die Lustmomente am
Geschwindigkeitsrausch liegen gerade in der Möglichkeit des
Kontrollverlustes, aber auch in der Beherrschung.
Das heißt, daß die
Möglichkeit des Kontrollverlustes in der Technik als zentrales Kriterium
ihrer Funktionalität anzusehen wäre. Für den Computer findet
sich diese Grenzerfahrung im Risiko des Programmabsturzes wieder. Im Gegensatz
zum Geschwindigkeitsrausch auf der Autobahn liefert er relativ gefahrlose
Lustmomente.
Dieses Verständnis
männlicher Technikaneignung als Grenzerfahrung greift zum Teil auf die von
Theweleit konzipierte Psychodynamik des soldatischen Mannes zurück.
In seiner Habilitationsschrift
'Männerphantasien'[72] setzt er sich mit der
Psychodynamik der Mitglieder der ehemaligen Frontsoldatenverbände (z.B.
Stahlhelm u.a.) auseinander. Seine Grundthese ist dabei, daß diese
Männer im Gewaltexzess gerade das Moment der Auflösung, als
präödipales Bedürfnis, und die Rekonstruktion der
(geschlechtlichen) Identität im Überstehen dieses Momentes, z.B.
Granatfeuer, suchen.[73]
Stecken Sie Ihren linken kleinen
Zeigefinger in den Mund und reiben sie gleichzeitig mit der Daumenkuppe der
rechten Hand die obere Ecke dieses Blattes, spreizen sie dazu den Zeigefinger
ab und winkeln sie die anderen Finger an. Achten Sie nun genau auf die
Reaktionen Ihres Gegenüber.
Nun wiederholen Sie das Experiment im Internet.
Die Großtechnologie tritt
als das zu Beherrschende, bedrohliche Chaos gewissermaßen an die Stelle
der Natur bzw. sie wird naturalisiert. Diesen Zusammenhang benennt auch Irmgard
Schulz unter Rekurs auf die Erfahrungen der Tschernobyl'Kathastrophe'.
'Zumindest nach
"Tschernobyl" wurde die nicht mehr berechenbare Technik selbst zur
"Naturgewalt" erklärt. Bilder der Erfahrung von
Übermächtigkeit, die bisher mit "Natur" besetzt wurden,
werden mit Vorstellungen aus Science Fiction durchsetzt. Wenn es stimmt,
daß "Frauenbild" und "Naturbild" als projektiver
Ausdruck der gesellschaftlichen Beziehungen zu "innerer und
äußerer" Natur zusammengehören, dann müssen sie in
der Metaphorik des Krisendiskurses gezeigt werden können.'[74]
Die Änderung der Methaphorik
zeigt sich in der Moderne in der Abbildung der Frau in der Technik, und damit
der Verwahrung der "inneren Natur" in ihr. Eine "innere
Natur", die aber eben in diesem Prozeß auch ein weiteres mal erst
produziert wird.
Die dargestellte Psychodynamik
findet sich in der Analyse bei unterschiedlichen AutorInnen[75] wieder. Sie wird von
uns auch als Beispiel für die Normalität begriffen, analog zur
Argumentation Joseph Weizenbaums, eines linksliberalen Philosophen und
Computerkritikers. 'Weizenbaum [nimmt] das pathologische Extrem als
Lehrstück auch für die sogenannte Normalität, [..].
Grandiosität, das Bedürfnis, alles unter Kontrolle zu haben, das
suchtartige Verlangen nach den "thrills" komplizierter und eleganter
Problemlösungen und der magische Glaube an die eigene Cleverness: all das
diagnostiziert er am zwanghaften
Programierer stellvertretend für alle, die man "Ingenieure des
Lebens" nennen könnte. Weizenbaum hat vor allem Naturwissenschaftler
und Technologen im Auge. Aber die instrumentelle Vernunft hat ihre
Protagonisten vielerorts. Daß ihre eifrigsten Verfechter von ihr wie
besessen sind, daß an der Wiege des Computers, dieses Inbegriffs des
vernünftigen Mittels, eine ver_-rückte Leidenschaft gestanden hat,
demonstriert Weizenbaum an einem ganz und gar nicht beliebigen Beispiel. Zu
Recht gilt ihm der Programierer als paradigmatischer Fall solcher Dialektik der
Aufklärung, [..][76]'
Diese Struktur gilt uns dabei
nicht als Teil einer unabgeschlossenen Entwicklung, sondern als Teil der
Entwicklung entsprechend des psychoanalytischen bürgerlichen
Normalitätsideals und wird als solcher immer auch als weiter wirksam
begriffen. Die Psychoanalyse beschreibt treffend die psychosoziale Genese des
bürgerlichen heterosexuellen (männlichen) Subjekts. Aber auch dieses
Subjekt, ist nicht von seiner Genese zu trennen. Es schleppt seine Geschichte
mit sich herum. Als gesund kann es sich nur auf Kosten derjenigen definieren,
die seinen Standards nicht entsprechen und als defizitär gesetzt werden.
Nur in ihnen kann es seine Überschüsse, seine Uneindeutigkeiten
scheinbar sicher verwahren. Aber als Ausgrenzung des eigenen Gewordenseins, ist
es immer ein Gewaltakt, der sowohl das Gesunde wie das Defizitäre
produziert. Und diese Gewalt verweist das Subjekt wieder auf das Ausgegrenzte.
Notwendig wird also die
Infragestellung dieser Normalität und damit auch der geschlechtlichen
männlichen phallischen Singularität, bzw. weitergehender die
Aussetzung dieser Form von Identitätsentwicklung überhaupt, sei sie
auch toleranter gefaßt. Das Defizitäre ist dabei keine Hoffnung,
spiegelt es doch eben den gleichen gewaltätigen Prozeß wie das
Gesunde.
Der Hacker lebt das offen, was
für den Normalnutzer seine heimliche Perversion ist. Insofern ist der
Hacker ebensowenig subversiv wie sein populärer Bruder.
Das banale Klischee der
Dekonstruktion
Das Klischee besagt, daß in
der Welt der Virtualität, im gelobten Cyberland und fein gesponnenem
Internet, die harten und in der Realität unmißverständlichen
Fakten des biologischen Geschlechts spielerisch variiert und verschiedene
Gender-Rollen erprobt werden können. Damit wird nicht nur auf die
abgelebte Geist-Körper Dichotomie vertraut, sondern zugleich der
trostlosen Primärrealität konservative Erstarrung zugesprochen (die
CyberlandbewohnerInnen bezeichnen ihr Refugium als „tröstliches
Paradies“). Was es mit den angeblich unendlichen Möglichkeiten im
Cyberraum auf sich hat und wie diese dann genutzt werden, darüber haben wir
gerade geschrieben.
Die Technik, die Virtualität
bewirken demzufolge keine Dekonstruktion. Es ist eine doppeltes Nichtverstehen
der dekonstruktivistischen Ansätze, wenn der Cyberspace als der Ort
benannt wird, an dem nun die Auflösung der Geschlechtsidentität und
der Körper im besonderen Maße stattfinden könnten.
Erstens wird damit die
Diskursivität der Körper bestritten, indem gerade sie als der Ort des
besonders Eindeutigen beschrieben werden, also dessen, was verlassen werden
muß, um die Geschlechtsidentität in Frage stellen zu können.
Dem ist unter Bezugnahme auf Foucault[77] gerade die
Uneindeutigkeit des Körpers und seiner Lüste entgegenzusetzen. Es ist
halt nicht möglich, die Lüste des Körpers, seine Sensationen in
der Sexualität eindeutig zu benennen.
Darauf bezieht sich auch Judith
Butler, wenn sie in der Aneignung des Phallus in der lesbischen
Sexualität, gerade eine Möglichkeit der Dekonstruktion des Phallus
sieht[78]. Der Körper in
seiner Uneindeutigkeit, seiner Widerständigkeit gegen Normierung, seiner
in ihn eingeschriebenen widersprüchlichen Geschichte, macht
Vereindeutigungen kompliziert. Der Rekurs auf die unhintergehbare, d.h. nur in
der Virtualität hintergehbare, Eindeutigkeit des Körpers entlarvt
sich in dieser Setzung als Adaption positivistischer Naturwissenschaften,
Medizin, Biologie, als Normierungsdiskurs.
In meinen Träumen habe ich nicht immer
das selbe Geschlecht – Tag-,Nacht-Träume.
"Das äußere Genitale kann
nun wie bereits oben dargestellt, bei allen Formen der Intersexualität
zwittrig vom rein weiblichen bis zum rein männlichen Typus sein."[79]
Falls alle unbekleidet daständen, wüßte keiner mehr, welches Geschlecht sie hätte.
Zweitens wird mit dem Rekurs auf
die Einfachheit des Geschlechtswechsels im Cyberspace, die Materialität
der sprachlichen Diskurse und damit ihre Macht negiert. Als könnte sich
das Subjekt so eben mal dieser Materialität der Diskurse entziehen und sie
so nebenbei umschreiben, ohne dabei auch nur eine Verletzung zu riskieren.
Vorausgesetzt wird, wie schon
erwähnt, die Dichotomie Intellekt (Geist) / Körper, als könne
sich das Subjekt frei vom Körper denken, also auch frei von Geschlecht.
Die idealistische Monade, die da durch den Cyberspace schwebt, ist aus der
Vergangenheit hinlänglich bekannt. Wesentlich ist wohl vielmehr, die
Dialektik des Körper-Geist Verhältnisses zu erfassen. Das Subjekt,
das sich selber spricht, braucht dazu eine Stimme.
Die Ausgrenzung dieser
Zusammenhänge führt zu ihrem Fortwirken, allerdings nun mit
ungebrochener totalitärer Macht. Dies ist auch gleichbedeutend damit, die
eigenen Träume als Abbildung der Realität zu lesen, als existierte
kein Unbewußtes,[80] als könnte mein
Leib nicht träumen, als würde nicht vielfältig in meinen
Träumen, meinen Äußerungen die Wirklichkeit in all ihren Illusionen
schimmern, als wäre die Realität eindeutig faßbar. Gerade diese
systematischen Mißachtungen lassen das Spiel im Computer und mit ihm die
Realität zu einer tödlichen Farce erstarren.
Die Lust an der Ausweitung im
InterNet, die magischen, die Allmachts'Erfahrungen', werden so zu einer
Komponente der Technologie und ihr phantasmatischer Gehalt negiert.
Diese Art banaler Kommunikation
erzwingt die Reproduktion der gängigen Klischees. Zumindest für die
e-mail wurden von uns die 'Gespräche' über Liebe und Sexualität
in einem linken alternativen Netz[81] über mehre
Monate ausgewertet. Diese Kommunikation dient recht offensichtlich gerade der Konstruktion der eigenen
Geschlechtsidentität und der Reproduktion bekannter Klischees. Dies stellt
auch die Kommunikationswissenschaftlerin
Marie-Luise Angerer fest, 'die Cyberkörper tendieren [nach ihr]
in völlig übertriebenem Ausmaß [dazu] als männlich oder
weiblich zu erscheinen.'[82]Für die
Teilnehmer und Teilnehmerinnen ist offensichtlich gerade dies ein 'Ort', an dem
sie besonders klar ihre Geschlechtsidentität darstellen können,
unbeschadet von einer diesem Selbstverständnis nach eventuell nicht
genügenden Körperlichkeit. Ähnlich wie Kleidung überwiegend
gerade zur Vereindeutigung des eigenen Geschlechts benutzt wird, wird hier
sprachlich agiert.[83]
Kinder, die zwangsvereltert werden, und bei
denen der eine 'Eltern'teil sehr stark vatert und der andere stark muttert,
entwickeln zuweilen die Vorstellung, sie hätten ein eindeutiges
Geschlecht.
Empfohlen werden zur Behandlung heiße Wickel und Holunderblütensaft – für die 'Eltern'. Auf jeden Fall raten die AutorInnen vom Besuch einer PsychoanalytikerIn ab.
Der Sexismus und die Betonung der
Geschlechterdifferenz findet sich aber auch in den avantgardistischen
Entwicklungen dieser Technologie. So wurde von Nadja Magnenat Thalman, einer
der führenden Informatikerinnen bei der Entwicklung 'künstlicher
Realitäten', der Umstand, daß bisher primär Frauen als
Kunstwesen im Cyberspace simuliert wurden, damit begründet, daß die
faltigen und mit Härchen besetzten Gesichter von Männern so schwer zu
simulieren wären[84]. Dieses
Maßnehmen von Frauen an Barbiepuppen wird zusätzlich sexualisiert.
So war der erste virtuelle Film eine Simulation von Marylin Monroe und Humphrey
Bogart. Bei neueren Simulationen wurde auf männliche Modelle weitestgehend
verzichtet. Für die Erschaffung neuerer Kunstfrauen wurden aktuelle
Topmodelle als Maßstab genommen. Finanziert werden Teile dieser Forschung
von der Kosmetik- und Modeindustrie. Diese Modelle können dann wenigstens
nicht mehr an Magersucht sterben.
Ziel der Lust im Cyberspace ist,
wie bereits dargestellt, die Absicherung vor Überraschungen und die
Beherrschung/Vereindeutigung.
Die konstruktivistisch[85] verdrehte
Interpretation des Dekonstruktivismus mit der dies als Materialisierung
Foucaultscher Theorie gefeiert wird, entlarvt sich dabei durchaus selbst. Z.B.
in einem Interview in der taz mit Sherry Turkle[86]. 'Mike Sandbothe:
"Das Beispiel des TinySex[87] und die
Möglichkeit, neue Identitäten im Internet auszuprobieren, machen
deutlich, daß durch das Internet scheinbar selbstverständliche
Grundbegriffe unseres alltäglichen Lebens in Frage gestellt,
beziehungsweise neu definiert werden. Das ist natürlich für
Philosophen eine spannende Geschichte. Ist das Internet ein philosophisches
Medium?
Sherry Turkle: "Ja auf
jeden Fall. Ich glaube, daß das Internet die Philosophie und speziell die
postmoderne Philosophie zurück auf den Boden bringt. In den späten
sechziger und den frühen siebziger Jahren lebte ich in einer Kultur, die
lehrte, daß das Selbst sich in der Sprache und durch die Sprache
konstituiert, daß Geschlechtsverkehr ein Austausch von Signifikanten ist
und das jeder von uns aus einer Vielheit von Teilen, Fragmenten und Begierden
besteht. Ich meine den Brennpunkt der Pariser intelektuellen Kultur, zu deren
Gurus Jaques Lacan, Michel Foucault, Gilles Deleuze und Felix Guattari
gehörten. Diese Theoretiker des Poststrukturalismus, der später als
Postmodernismus bezeichnet wurde, verwendeten Worte, die sich auf das
Verhältnis zwischen Geist und Körper bezogen, aber aus meiner Sicht
wenig oder nichts mit mir zu tun hatten. Jetzt, mehr als zwanzig Jahre danach,
begegne ich den Ideen von Lacan, Foucault, Deleuze und Guattari im meinem
virtuellen Bildschirmleben wieder. Aber nun sind diese französischen
Abstraktionen konkreter geworden.'
Da die Dekonstruktion sich eben
gerade gegen das Projekt eines aufgeklärten Humanismus und das Konzept des
souveränen Subjekts richtet, das Sherry Turkle hier im Internet fortzusetzen
hofft und auch in früheren Arbeiten theoretisch vetreten hat[88], ist ihr allerding zu
glauben, daß sie diese Theorien damals nicht verstanden hat.
Die Ineinssetzung der fiktiven
Wiederkehr des Körpers als eines Körpers im Bilde[89] mit der
dekonstruktivistischen Kritik entspricht einer Ineinssetzung von Zeichen und
Bezeichnetem, und negiert damit im Vorhinein die Grundlage der Dekonstruktion,
die das von Baudrillard beschriebene Illusionäre der Welt ist. Sie stellt
eben die Hyperrealisierung auf der Ebene der Simulation her, die Baudrillard
als Tötung, als Festsetzung kritisiert.
Ausgehend von einem Zitat der
Autorin Marie-Anne Berr,
'Mit der Kybernetik 2. Ordnung
wird [..] Wahrnehmung und Kommunikation äquivalent; Technologisierung ist
folglich die Ästhetisierung als bloße Organisation von
Zeichenrelationen. Obgleich darin eine Analogie zur postmodernen Ästhetik
zu liegen scheint, bestehen tatsächlich fundamentale Unterschiede [..]
Denn die Funktionalisierung der Sprache im Rahmen einer pragmatisch-technologischen
Ästhetik geschieht über die Differenz der Zeichen, die zwar –
wie in der postmodernen Ästhetik – immaterialisiert sind, jedoch
ihre Bedeutung über die Relation zum sprachlichen Kontext, zur
immateriellen sozialen Kommunikation gewinnen, nicht über das
Undarstellbare. Das Undarstellbare kann in der pragmatisch-technologischen
Ästhetik nicht mehr gedacht werden, da die Annahme der Sprache als
kontextuelle etwas Nicht-Sagbares – also das Undarstellbare – als
Existierendes nicht denken läßt [..]',[90]
liese sich auch sagen:
Die Ineinssetzung von Zeichen und
Bezeichnetem negiert das, was für die dekonstruktivistische Kritik
Ausgangspunkt ist, das Semiotische, das Unsagbare, und reproduziert damit
banale Klischees, als wären Begriffe eindeutig zu fassen.
Die Medusa wird kurzerhand
versteinert – aber das hatten wir ja schon einmal[91], und wieder ist die
Waffe ein Spiegel/Schild[92].
Der Nutzer braucht weder
Gedächtnis noch Geschichtsbewußtsein, da sein Blick immer nach vorn
gerichtet ist. Er ist Handwerker der Zukunft und Abenteurer in einer 'terra
incognita', die immer dann unbekannt erscheint, wenn eine neue Variation des
vegessenen Vorgängerprogramms angeboten wird oder als Spaßprogramm
eine Simulation der 'eigenen' Trivialphantasien, die er sich auf diese Weise
kaufen, d.h. beherrschen, kann. Umso sinnfälliger ist die Versteinerung
Medusas. Denn ihr Bild ist schrecklich, weil in ihm das Grauen der
Vergangenheit sichtbar ist. Sie sieht in die Geschichte und ihre Augen
erzählen von den Massenmorden, von dem Verschwiegenen, das unter den
aberwitzigen Verdrängungsleistungen der Täter verborgen ist. Der
listige Tatmensch aber (Perseus oder sein populäres Hollywood-Surrogat
Hercules), läßt sich nicht vor Schreck über diesen Anblick
versteinern, sondern lenkt den Blick der Seherin auf sie selbst. Medusa stirbt
und damit ihre bezeugenden Augen. jetzt trübt nichts mehr den Sinn
fürs Machbare; mit der Löschung der Gedächtnisspur, verlieren
sich auch die Wege, das Gegenwärtige als Gewordenes, die Geschichte als
eine von Gewalt und Tötung zu verstehen.[93]
Die Schöpfung der
symbolischen Ordnung
im technischen Artefakt
Computer
Die in den Trivialmythen
formulierten Ängste finden ihre Auflösung in der durch den Computer
(hindurch) garantierten Vereindeutigung der Realität[94]. Das psychonalytisch
gefaßte aufgeklärte, bürgerliche Subjekt der Norm, weiß
um die 'Wahrheit' der banalen Klischees, aber es ist ja tolerant. Eine
Toleranz, die das eigene Interesse an der Verschleierung dieser
Zusammenhänge wissentlich negiert.
Die Simulation einer objektiven
Realität findet sich in der psychoanalytischen Theorie für die
bürgerliche Realität im Begriff der symbolischen Ordnung wieder. Die
symbolische Ordnung repräsentiert dabei das Wissen über den Zusammenhang,
das Andere, den kontinuierlichen Hintergrund auf dem überhaupt nur eine
sukzessive Annährung an Erkenntnisgegenstände möglich ist.
'Keine signifikante Praxis ist
denkbar ohne das Symbolische: es setzt ein mit dem 'Spiegelstadium' und
erfährt in der pubertären Rückwirkung des Ödipus seine
Vollendung, nachdem es die phallische Phase durchlaufen hat. Seine
Unabdingbarkeit teilt es allerdings mit dem Semiotischen, das ihm vorausgeht
und ständig gegen es angeht. Solche Überschreitungen liegen dem
zugrunde, was man im allgemeinen als Schöpfung bezeichnet: jeder
Transformation in der signifikanten Praxis.' [95]
Die Lösung aus der
symbiotischen Beziehung mit der bis dahin phallischen Mutter dient der
Aufrichtung der herrschenden symbolischen Ordnung und ist gleichzeitig
Voraussetzung für die Partizipation an dieser Ordnung als vollwertiges
bürgerliches Mitglied. Wer und Welche sich dem Prozeß des Verwerfens
entzieht bleibt "unreif". Die symbolische Ordnung ensteht dabei im
Prozeß des Verwerfens der Mutter, der Frau als phallischer, ihrer
Ausgrenzung als das Andere.
'Die Mutter, auf die sich
alles Verlangen richtet, nimmt den Platz dieser Andersheit (altérité) ein. Ihr
Körper – als aufnehmender und Verlangen stillender – steht
für alle narzißtischen, also imaginären Leistungen und
Befriedigungen. Die Entdeckung der Kastration befreit das Subjekt aus der
Abhängigkeit von der Mutter und überführt wegen dieses Mangels
die phallische in eine symbolische Funktion – in 'die' symbolische
Funktion schlechthin.'[96]
In dieser symbolische Ordnung
stellt sich 'Bedeutung als digitales System her, als verdoppelte
Artikulation, als Kombination diskreter Elemente'[97]
Das heißt, die symbolische
Ordnung wird in dieser Gesellschaft auf der binären Logik errichtet, dem
(phallischen) Selbst und dem Anderen (der Mutter). Aus dieser binären
Struktur entwickelt sich das digitale System der Bedeutungen.
Dies gilt aber nur auf der
Oberflächenstruktur, die Bedeutung der Begriffe in ihrem Zusammenhang ist
auf dieser Ebene nicht zu erfassen. Ein Ausschluß des Semiotischen, des
Verworfenen, der Möglichkeit Begriffezu verschieben ist damit
gleichbedeutend mit gesellschaftlichem Stillstand. Außerdem gilt die
psychoanalytische Theorie widerspruchsfrei nur für ein idealisiertes
bürgerliches Normsubjekt. In der Physik gibt es für derartige
formelhafte Vereinfachungen den Begriff des 'trockenen Wassers'. Damit ist
gemeint, daß ich Theorien auf einem Modell aufbaue, das die Realität
soweit vereindeutigt und vereinfacht, daß sie zwar optimal zu berechnen
ist, der Gegenstand aber der Realität nicht mehr entspricht[98]. Gerade aus den
Widersprüchen resultiert aber die Möglichkeit von Gegenmacht.
Kristeva stellt dies dar in ihrem
Verständnis revolutionärer Praxis. In ihrem Begreifen der poetischen
Sprache als revolutionäre
Praxis, als Möglichkeit der Transformation der signifikanten
Praxis, 'ob es sich dabei um das Gebiet der Metasprache (die Mathematik zum
Beispiel) oder die Literatur handelt'[99], ist die Revolution
der Struktur des Denkens mitenthalten.
Der Rückgriff auf das
Vorsymbolische betrifft nicht nur die Bedeutung der Symbole, sondern auch ihre
Anordnung.
Die Materialisierung der
binären Logik im Computer als technischem Artefakt steht dem entgegen.
Die hier dargestellte
Auseinandersetzung findet sich wieder in der Auseinandersetzung zwischen Ludwig
Wittgenstein[100] und Alan M. Turing.
Alan M. Turing, der als Erfinder des modernen Computers gilt, saß als
Student in der Vorlesung Wittgensteins. Die über dreihundertseitige
Mitschrift der Vorlesung besteht zum nicht unerheblichen Teil aus
Einwänden Turings, die von Wittgenstein widerlegt werden. Wittgenstein
zeigt detailliert die Unmöglichkeit auf, die Mathematik in ihrer
Gesamtheit in einem System binärer Logik zu erfassen, und dekonstruiert
die positivistische Mathematikauffassung Turings Stück für
Stück. Der zentrale Punkt ist dabei, die Unmöglichkeit mathematische
Begrifflichkeiten im alltagssprachlichen Kontext, in dem sie verwendet werde,
d.h. in ihrer Anwendung überhaupt, eindeutig und widerspruchsfrei zu
klären. Wittgenstein rekuriert damit letztendlich auf das Semiotische, das
den mathematischen Begriffen als Sprache zugrunde liegt. Und nur als Sprache,
das heißt als Zusammenhang von Begriffen mit denen etwas ausgedrückt
wird, macht Mathematik überhaupt einen Sinn.[101]
Im Rekurs feministischer Theoretikerinnen
auf Wittgenstein wird ein weiterer Bezug zu diesen Uneindeutigkeiten deutlich.
So nutzt Marylin Strathern[102] als Ethnologin den
Wittgensteinschen Begriff der 'Familienähnlichkeit', um die
unterschiedlichen Konstruktionen von Männlichkeiten und Weiblichkeiten
begrifflich faßbar zu machen. Sie faßt Geschlechtsidentität
als Familienähnlichkeitszusammenhang im Sinne Wittgensteins, als einen
uneindeutigen Ähnlichkeitszusammenhang. Sie setzt damit den
vereindeutigenden und Ausschlüsse setzenden Begriffsklärungen bzgl.
des Geschlechts ein Konzept der strukturellen Uneindeutigkeit entgegen.
Wittgenstein erklärt
Familienähnlichkeit in den Philosophischen Untersuchungen wiederum
über die Auseinandersetzung mit der Mathematik, dem Begriff der Zahl. 'Ich
kann diese Ähnlichkeit [der Dinge die in einem Begriff gefaßt sind,]
nicht besser charakterisieren, als durch das Wort 'Familienähnlichkeit';
denn so übergeifen und kreuzen sich die verschiedenen Ähnlichkeiten,
die zwischen den Gliedern einer Familie bestehen: Wuchs, Gesichtszüge,
Augenfarbe, Gang, Temperament, etc. etc. – Und ich würde sagen: die
'Spiele' bilden eine Familie.
Und ebenso bilden z.B. die
Zahlenarten eine Familie. Warum nennen wir etwas 'Zahl'? Nun etwa, weil es eine
– direkte – Verwandschaft mit manchem hat, was man bisher Zahl
genannt hat; und dadurch, kann man sagen, erhält es eine indirekte
Verwandtschaft zu anderem, was wir auch so nennen. Und wir dehnen
unseren Begriff Zahl aus, wie wir beim Spinnen eines Fadens Faser an Faser
drehen. Und die Stärke des Fadens liegt nicht darin, daß irgend eine
Faser durch seine ganze Länge läuft, sondern darin, daß viele
Fasern einander übergreifen.[103]
Ein Netz aus solchen Fasern ist
für technokratische SysthemtheoretikerInnen untauglich, wird doch die Signalweiterleitung
durch die nicht durchgehenden Fasern verändert, und läßt sich
damit weder Input noch Output eindeutig bestimmen, für jede
Computerarchitektur wäre es das Grauen. Eine Zahlenreihe, die während
des Weitertransportes mal eben durchgewürfelt würde, und dabei eine
fallengelassen würde, ließe Berechnungen illusorisch werden.[104]
Deutlich wird damit der
Zusammenhang zwischen Geschlechtsidentität, Subjektkonstitution,
Objektverhältnis und Rationalitätskonzeption.
In poststrukturalistischen und
anderen Theorien, die das Subjekt-Objektverhältnis, und damit die
Konstitution von Begriffen selbst in den Blick nehmen, wird das Konzept einer
übergeordneten Logik irrational, da ein übergeordneter Blickpunkt
nicht mehr vorhanden ist. Das klassische (männliche) autonome Subjekt gibt
es in diesen Theoriezusammenhängen nicht mehr, da es sich gerade über
die Ausblendung bzw. Festsetzung des Subjekt-Objektverhältnisses
konstituiert. Die Reduzierung der Welt auf eine reine Objektwelt oder ihre
Simulation, wie sie die systemtheoretischen, konstruktivistischen Ansätze
betreiben, ist nur eine besondere Spielart dieser klassischen Festsetzung. Auch
hier wird die Begriffskonstitution ausgeblendet.
In der bürgerlichen
Gesellschaft konstituiert sich, wie dargestellt, das eindeutige, mit sich
selbst identische (männliche) Subjekt über die Ausgrenzung der
Widersprüche und ihrer Verortung im dadurch produzierten Anderen, der
Frau, dem Wilden, u.a.. Die Infragestellung der Geschlechterdifferenz betrifft
insofern immer auch das Subjekt-Objektverhältnis, und die auf diesem
Verhältnis aufbauende binäre Logik. Der Körper der Frau ist
dabei als Gefäß der abgespaltenen Widersprüche ein
gefährliches, aber auch lustbesetztes Objekt.
Dieser Zusammenhang zwischen
Geschlechtsidentität, Körper und Logik findet sich wieder in der
Aufbewahrung der Körper und ihrer Vereindeutigung im Bild, die durch den
Computer vonstatten geht, dies ist gerade kein Zufall.
Das moderne Subjekt ist nicht
mehr das Disziplinarsubjekt Foucaults, welches sich als Scharnier in die
tayloristische Produktion (stark arbeitsteilige Industrieproduktion mit klar
umrissenen Arbeitsaufgabenzuweisungen) einfügen mußte. Das
Individuum muß sich inzwischen eher als selbstorganisiertes System
begreifen lernen, um den Anforderungen einer posttayloristischen Produktion
gerecht zu werden. Es muß 'Selbstmanagement' betreiben. Diese
neupositivistische Metapher für das Subjekt setzt die Systemgrenzen als
den Ort der Bestimmung dessen, was das Individuum ausmacht. Aber auch hier
muß das Subjekt-Objektverhältnis mit Akribie vereindeutigt werden.
Das ausufernde Kontrollinteresse der Grenzen, zeigt sich dabei nicht nur im
AIDS-Diskurs und im Schengener-Abkommen (dem Abkommen über die Kontrolle
der Außengrenzen der Europäischen Union und der Zusammenarbeit der
Polizei und der staatlichen Verfolgungsbehörden), auch der Computer als
Kommunikationsmittel stellt primär eine externalisierte Kontrolle von
allem, was eindringt und ausgestoßen wird sicher. Der Austausch erfolgt
über Bildschirm und Diskettenlaufwerk, wie schon durch das am Beginn
erwähnte 'EVA-Prinzip: Eingabe – Verarbeitung – Ausgabe'[105] in Worte
gefaßt.
So ist denn die Konsole, der
Bildschirm und das Netz der sichere Damm gegen die heranrauschenden Wellen.
Schweißgerüche und fischige Fluten werden vorab ausgesondert.[106]
FIN
AutorInnen: B. Bečejac / J.Djuren
Am unteren Ende dieser Seite findet Ihr noch einen kurzen satirischen Text - Wieso die Kritik der Computertechnologie sich als falsch erwiesen hat!
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Wunschmaschine. Vom enstehen der Computerkultur', Reinbek bei Hamburg 1984
Weigl, Sigrid, 'Die
Stimme der Medusa', Hamburg 1989
Wittgenstein, Ludwig,
in: Diamond, Cora [HG], 'Wittgensteins Vorlesungen über die Grundlagen der
Mathematik – Cambridge 1939', Wittgenstein Schriften 7, Frankfurt 1978
Wittgenstein, Ludwig,
Werkausgabe Band I, Seite 278, Frankfurt 1984
[1]Bigga Rodeck u.a., 'Mensch Maschine Mann
Frau ', Diplomarbeit am FB Informatik Universität Hamburg als Heft der
Schriftenreihe des Instituts erhältlich, Hamburg 1994
[2]Indem wir von der Potenz als weiblicher
sprechen, betreten wir freilich schon einen diskursiven Acker, auf dem
geschlechtliche Dichotomien gedeihen, ohne daß ein ursprünglicher
Same notwendig ist. In einem Sinn ist Sie der Acker, aber auch der Acker ist
als Teil der Produktionsverhältnisse ihnen nicht vorgängig. Wir
wollten das hier nicht unterpflügen.
[3]Heilwig Kühne, 'Von Helden und
Drachen', in: Koryphäe Zeitschrift für feministische Naturwissenschafts- und
Technikkritik Nr 19, Oldenburg
1996
[4]Judith Butler, 'Körper von Gewicht',
Berlin 1995
[5]Michel Foucault, 'Sexualität und
Wahrheit Band 1', Frankfurt 1977, 'Überwachen und Strafen', Frankfurt a.M.
1977
[6]Judith, Butler, 'Körper von Gewicht',
Seite 126, Berlin 1995
[7]Als Beispiele seien Thimothy Leary und
Friedjof Capra genannt, deren Botschaft ist dabei; Alles muß sich
ändern damit alles beim Alten bleibt, und eben dies ist auch die
Heilsversprechung.
[8]Kopfsprung Nr. 3, Hannover 1988
[9]Der Film lief im Dezember 1996 in den
deutschen Kinos an.
[10]In diesem Kontext ist auch die Kritik der
Hackerkultur zu sehen. Der Hacker spitzt die Normalität der
Computernutzung zu. Dabei thematisiert er in seiner Flucht in die
Auflösung im Netz eben das Semiotische, das Ausgegrenzte, das
Unbewußte. D. h. er verletzt eben die Grenzen, die für das Subjekt
konstitutiv sind, er mißachtet die Regeln des Safer-Sex. Durch die
Auflösung im Netz wird die Kontrollinstanz der Maschine außer Kraft
gesetzt. Dementsprechend muß er als Triebtäter ausgegrenzt werden.
[11]Dietmar Kamper, in: Gumprecht, Kampner Wulf
(HG), 'Ethik der Ästhetik', Berlin 1994
[12]siehe; Gerburg Treusch-Dieter, 'Die heilige
Hochzeit', Pfaffenweiler 1997
[13]Informatikduden, S 221 zitiert nach; Bigga
Rodeck u.a., 'Mensch Maschine Mann Frau ', Diplomarbeit am FB Informatik
Universität Hamburg als Heft der Schriftenreihe des Instituts
erhältlich, Hamburg 1994
[14]Aussage von Nadja Magnenat Thalmann,
Leiterin eines der ältesten und führenden Projekte bei der Simulation
virtueller Realitäten in einer ARD-Dokumentation.
[15]"Virtual Vallerie" ist eines der
ältesten interaktiven Computerpornoprogramme, der Nutzer kann sich diverse
Werkzeuge zur Penetrartion aussuchen.
[16]Petra Sabisch, 'Cybertopia oder: was im
Diskurs über die "Neuen Medien" passiert', in: Hamburger
Frauenzeitung Nr 49, Hamburg1996
[17]zitiert nach ebd.
[18]Sherry Turkle zitiert nach einem Interview
der Tageszeitung taz; 'taz', Berlin 19.3.96
[19]Oder seine Klone.
Eine genaue und
interessante Analyse der unterschiedlichen Bedeutungen der beiden
Terminatortypen in Termionator 2: Tag der Abrechnung liefert Mark Dery in
'Cyber – Die Kultur der Zukunft', Berlin 1997. Das Buch kliefert
insgesamt ausführliches Quellenmaterial und interessante Analysen zu
unterschiedlichen in diesem Artikel behandelten Punkten. Es konnte aufgrund des
Erscheinungsdatums aber nicht ausführlicher berücksichtigt werden.
[20]Für die Gentechnologie hieße
dies, daß die Begründung für die zunehmende ärztliche,
männliche Kontrolle des Geburtsvorganges gerade in der Vermischung von
Biologie und Maschinenmetapher für die Gebärmutter begründet
läge.
[21]Michel Foucault, Leben machen und sterben
lassen: Die Geburt des Rassismus. Vorlesung, gehalten im März 1976 am
Collège de France
[22]Gemeinhin wird diese Form der Logik als
zweiwertige bezeichnet, tatsächlich Verhalten sich 0 und 1 aber nicht
gleich zueinander. Die 0 bildet vielmehr den Hintergrund auf dem der eine Wert
1 die Zahlenreihe entstehen läßt. Damit existiert hier ein
ähnliches Verhältnis, wie es Luce Irigaray darstellt (Luce Irigaray,
'Speculum: Spiegel des anderen Geschlechts', Frankfurt a.M. 1980), der eine
Wert, der phallische Signifikant richtet sich auf der Spiegelung durch die Frau
auf.
[23]___Christel Kumbruck, ‘Die binäre
Herr-schaft’, München 1990
[24]Carolyn Merchant, ‘Der Tod der
Natur’, München 1987
[25]Elvira Scheich und Irmgard Schultz, 'Soziale
Ökologie und Feminismus', Seite 34, IKO-Verlag für interkulturelle
Kommunikation Frankfurt am Main 1989
[26]Carolyn Merchant, ‘Der Tod der
Natur’, Seite 179, München 1987
[27]Bereits 1534 stellt der Künstler
Francesko Xanto Avelli die Niederlage des französischen Königs Franz
I. als auf pornographische Vorlagen seiner Zeit anspielenden sexuelle Eroberung
dar. "In Xanto Avellis Interpretation des Ergebnisses von Pavia hat Karl
V. Franz I. genommen, wie ein Mann eine Frau nehmen würde." Paula Findlen, ‘Humanismus, Politik
und Pornographie im Italien der Renaissance’, in: Lynn Hunt,
'Obszoenität und die Ursprünge der Moderne', Seite 99, Frankfurt a.M.
1994
[28]Die Alltagspornographie in Videotheken, in
der Männer aller Schichten überwiegend auf gefügige Frauen aus
der Oberschicht treffen, bildet eine weitere Variation dieses Zusammenhanges.
[29]Bigga Rodeck u.a., 'Mensch Maschine Mann
Frau ', Diplomarbeit am FB Informatik Universität Hamburg als Heft der
Schriftenreihe des Instituts erhältlich, Hamburg 1994
[30]Das Referat Fraueninformation der
Generaldirektion X der EU zitiert im 'Info Frauen Europas' Nr 57 1996 eine
Quelle, nach der die Hälfte
aller auf dem Internet
ausgeführten Dokumentationssuchen – außerhalb des
Unterrichtsbereichs – Pornographie betreffen.
[31]Insofern wäre die Gegenforderung zur
Pornographie die Forderung des Rechtes auf das eigene Bild, ein Recht das
gerade die warenförmige Objektivierung ausschließt, ähnlich des
Rechtes auf körperliche Integrität.
[32]siehe Zitat Petra Sabisch im zweiten Kapitel
dieses Textes auf Seite 29.
[33]Deutlich wird dies auch in der
alltäglichen Erfahrung der Computernutzung. 'In meiner
mehrjährigen Tätigkeit innerhalb eines Ingenieurbüros als wissenschaftliche
Hilfskraft mußte ich dort ein Programm zur computergestützten
Erstellung energetischer Gutachten schreiben. Der Zeitaufwand für die
Programmierung hob letztendlich den durch Einsparung von Rechenzeit gewonnenen
Vorteil wieder auf. Die Darstellung der Ergebnisse durch verschiedene Kurven
und Statistiken ließ sich aber besser verkaufen als die 'nackten'
Zahlen.' (Zitat eines uns bekannten Physikstudenten) Ein
anderes Beispiel liefert die Nutzung eines Textverarbeitungsprogrammes im
Rahmen von Koalitionsverhandlungen studentischer Gruppen bei der AStA-Bildung
Mitte der 80er Jahre. Durch den Einsatz einer Textverarbeitung, über die
zu diesem Zeitpunkt die wenigsten Uniinstitutionen verfügten, konnte die
Liste WIR innerhalb
eines 1/2 Tages aus Versatzstücken von Programmen anderer Listen ein
eindrucksvolles Wahlprogramm erstellen, und damit die Koalitionsbeteiligung
erreichen. (Nach Aussagen eines AStA-Mitglieds)
Zwei Beispiele,
die aber fast beliebig um weitere ergänzbar wären. Wir halten dies nicht
für atypische Computernutzungen. Wir würde die Art und Weise wie in
diesem Text mit Zitaten und Fußnoten 'gearbeitet' wird, selbst m.E. dazu
zählen.
[34]Der Begriff wurde von Sherry Turkle bzgl.
der Computernutzung eingeführt; Der Computer dient zur Abspaltung und
Spiegelung der eigenen Emotionen, er ist das ideale Gefäß. [siehe
Sherry Turkle, 'Die Wunschmaschine. Vom enstehen der Computerkultur', Reinbek
bei Hamburg 1984]
[35]Gerburg Treusch-Dieter, 'Es war Mord –
Die Blutschande der Telefonverbindung', in: Ästhetik & Kommunikation,
Nr. 90, Berlin 1995
[36]__Erst die Materialisierung des Know-how aus industriellen
Produktionsprozessen in der Computer-Software hat eine Aneignung/Enteignung
dieser bisher nicht marktförmig zu erfassenden Teile der Realität
ermöglicht, ihre Inbesitznahme, d.h. die Überführung in
Privatbesitz. Dieses Wissen, das sich einer Patentierung entzog, ist über
die Materialisierung in der Software und nachfolgende Monopolisierung erst zum
handelbaren Wirtschaftsgut geworden. Dies bedeutet die Ausweitung bzw. die Erschließung
neuer Märkte. Ähnliche Mechanismen zeigen sich insbesondere im
Bereich der Patentierung in der Gentechnologie. Die gentechnologische
Patentierung macht letztendlich eine Aneignung/Enteignung bisher nicht
marktförmig zu erfassender Teile der Realität möglich, z.B.
durch die Inbesitznahmen, d.h. Überprüfung in Privatbesitz, heute
noch frei verfügbarer biologischer
Potentiale.
[37]'Das ewig Gleiche neu aufgepeppt?' –
in: profamilia magazin 1/95 'Sex ohne Berührung' – Schwerpunktheft
zu Sexualität im technischen Zeitalter, Frankfurt 1995
[38]'"Safe new World"'- in: profamilia
magazin 1/95 'Sex ohne Berührung' – Schwerpunktheft zu
Sexualität im technischen Zeitalter, Frankfurt 1995
[39]Der Computer dient auch als
Sozialisationsinstanz insbesondere für heranwachsende männliche
Jugendliche. Das legt nicht nur dieses Zitat nahe.
[40]Der Körper und seine Lüste lassen
sich halt als widersprüchlich kostituierte nicht in der eineindeutigen
Welt des Cyberspace auflösen.
[41]Siehe Fußnote 13
[42]laut Birgit Rommelsbacher
[43]Wolfgang Hegener spricht vom Mannequin, als
dem kleinen Phallus als dem Vorbild der entgeschlechtlichten
Selbstkonstruktion; 'Der ganze Körper, vor allem aber der Frau, wird zum
phallischen Bild, vom Phallus be- und durchsetzt. Das Modell, der ideale
Körper hierfür ist das Mannequin. "Schon das Wort sagt es:
Mannequin, kleiner Mann – Kind oder Penis – in diesem Fall ist es
der eigene Körper, den die Frau mit einer raffinierten Manipulation, mit
einer starken, nie versagenden narzißtischen Disziplin handhabt. Dieser
perverse Vorgang , der aus ihr und ihrem sakralisierten Körper einen
lebenden Phallus macht, ist zweifellos die wirkliche Kastration der Frau.
Kastriert sein, bedeutet von phallischen Substituten verdeckt zu sein."' aus: Wolfgang Hegener, 'Das Mannequin',
Seite 18, Tübingen 1992 – das Zitat auf das sich Wolfgang Hegener
hier bezieht stammt von J. Baudrillard, 1982
[44]Elke Heitmüller, 'Kybernetische
Sinnlichkeit – SM-Körper – Authentizität –
Digitalisierung', in: Ästhetik und Kommunikation Nr 87, Berlin 1994
[45]Eine Vorform dieser Cyberfrau, die
Barbie-Puppe ist heute bereits weltweit
Normierungssmuster.
[46]Der Handel mit Kinderpornographie,
Prostitutionsangebote über das Internet ist damit insbesondere auch eine
Skandal der möglichen Aufdeckung dieses Zusammenhangs. Die 'saubere'
Sexualität des Cyberspace ist nicht zu trennen von diesem 'Schmutz'.
[47]Michel Foucault, 'Leben machen und sterben
lassen: die Geburt des Rassismus', aus DISS Texte Nr. 25, Duisburg 1993
[48]in: Die Schwarze Botin Nr.1, Berlin 1976
[49]Die Textfragmente, die im Internet
ausgetauscht werden, scheinen vor allem der totalen Belanglosigkeit
vepflichtet, sie erinnern an Gespräche auf Partys oder an Texte auf der
WC-Tür, also eine Art Reviermakierung.
[50]Die in diesen Absätzen zitierten
Textfragmente und Begriffe, die aufgeführten Bilder und Informationen
stammen im wesentlichen aus einer Fernsehdokumentation über Cyberland ergänzt um einige wenige Bilder aus
einer Sendung zum Thema Cybersex. In der Zusammenstellung werden die Mythen dieser
Kultur überdeutlich. Die Sendungen schildern die Computer- und
Kommunikationstechnologien aus der Sicht der Avantgarde ihrer NutzerInnen Mitte
der 90.er Jahre.
[51]Das diese Aussage allen Erhebungen
widerspricht, die überwiegend die (weiße, männliche)
Mittelschicht in Ländern mit ensprechender technischer Infrastruktur als
NutzerInnen angeben, stört die Interviewte Organisatorin dieses
Alternativnetzes offensichtlich nicht. [Siehe z.B. Forum Wissenschaft Nr. 1/96,
Marburg 1996]
[52]Der biologische Körper muß aber
noch geputzt und gefüttert werden.
[53]Gezeigt wurden in diesem Zusammenhang Bilder
mit der Qualität von Abziehbildern aus einem Kaugummiautomaten.
[54]Der Cybersex ist in diesem Sinn Inzest, die
eigene Schöpfung wird geliebt, bzw. wird programmiert ihren Schöpfer
zu lieben.
[55]Jean Baudrillard, 'Das perfekte Verbrechen',
München 1996
[56]ebd.
[57]ebd.
[58]ebd. Seite 33
[59]ebd.
[60]Im Nationalsozialismus fielen Beseitigung
und Aneignung in eins – Mord als Lebensweise.
[61]Ulrike Erb, 'Das Märchen vom sanften
Computer' in: Conrad/Konnertz [hg], 'Weiblichkeit in der Moderne', 1986
Tübingen
[62]Zu ergänzen wäre, daß in
dieser Welt natürlich alle Englisch sprechen und über einen
Computeranschluß verfügen, was in Afrika und China trivialerweise
der Fall ist [siehe hierzu Forum Wissenschaft Nr. 1/96, Marburg 1996]
[63]Als würden Befreiungen durch technische
Wunder bewirkt und nicht durch eigene Auseinandersetzung.
[64]Petra Sabisch, 'Cybertopia oder: was im
Diskurs über die "Neuen Medien" passiert', in: Hamburger
Frauenzeitung Nr 49, Hamburg 1996
[65]Ein Beispiel dafür liefert z.B. Joachim
Söder-Mahlmann, ''Computerfaszination und Gesellschaftsentwicklung",
Hannover 1991. In diesem Buch treffen sich die psychoanalytische Norm mit der
maschinellen in der Ausgrenzung des die eigene Identität bedrohenden
Anderen.
[66]Ankündigungstext des Kinos
[67]ebd.
[68]ebd.
[69]Publiziert als Reprint in; Chaos Computer
Club, Hackerfibel (auch als Hackerbibel bekannt), Hamburg 1984
[70]siehe Seite 34
[71]Gerburg Treusch-Dieter, 'Es war Mord –
Die Blutschande der Telefonverbindung', in: Ästhetik & Kommunikation,
Nr. 90, Berlin 1995
[72]Klaus Theweleit, 'Männerphantasien',
Frankfurt 1979
[73]Theweleit selbst widerspricht aber einer
Übertragung dieser Gedankenfigur auf die Computernutzung [siehe Alexander
Krafft u. Günther Ortman (Hrsg.), 'Computer und Psyche – Angstlust
am Computer', Nexus Verlag Frankfurt am Main 1988]
[74]Elvira Scheich und Irmgard Schultz, 'Soziale
Ökologie und Feminismus', Seite 34, IKO-Verlag für interkulturelle
Kommunikation Frankfurt am Main 1989
[75]Alexander Krafft u. Günther Ortman
(Hrsg.), 'Computer und Psyche – Angstlust am Computer', Nexus Verlag
Frankfurt am Main 1988
[76]ebd. Seite 17
[77]Michel Foucault, 'Sexualität und
Wahrheit' Band 1, Frankfurt 1977
[78]Judith Butler, 'Körper von Gewicht',
Berlin 1995
[79]Prof. Dr. W. Ch. Hecker, 'Operative
Korrekturen des intersexuellen und des fehlgebildeten weiblichen
Genitals', Berlin Heidelberg 1985
Fehlgebildete
männliche Genitale kann es nicht nur in der Logik des Titels dieser
medizinwissenschaftlichen Arbeit nicht geben, dies ist schlichtweg
ausgeschlossen, was fehlgebildet ist ist weiblich, das ist die phallische
Definition.
[80]Diesem Bild entspricht das Verständnis
des Computers als materialisierte Rationalität, dabei ist er eben ihr
Schein.
[81]Einem Netz das überwiegend von Gruppen
wie Greenpeace, amnesty u.a. genutzt wird, zum überwiegenden Teil auch von
Männern.
[82]Mona Singer, 'Technokörper: Normierung
oder Auflösung', in:Frauen in den Literaturwissenschaften Nr 48 Science
& Fiction, Hamburg 1996
[83]Zu erwarten das im Cyberspace die Revolution
stattfindet, ist ungefähr so, als wenn ich die Mainzer Prunksitzung als
Ort der Auflösung von Geschlechtsidentität aufsuchen würde.
[84]Bemerkung angesichts einer Veranstaltung im
Pavillon Hannover im Rahmen einer Veranstaltungsreihe des Studium Generale der
FH Hannover im September 1996. Dort wurde von ihr auch nebenbei eingestreut,
daß es demnächst auch Ganzkörpersimulationen im Computer geben
würde, da in den USA Hingerichtete in Scheiben geschnitten würden und
die Bilder digitalisiert.
[85]Der Begriff des Konstruktivismus wird hier
annähernd synonym mit modernen systhemtheoretischen Ansätzen
(Luhmann/Prigogine/u.a.) verwendet
[86]taz, Seite 14-15, Berlin 19. März 1996
[87]ebd. Sherry Turkle: 'In bestimmten
Bereichen des Internet treffen sich Menschen, um miteinander das zu haben, was
sie "TinySex" oder "TinyLovemaking" nennen. Sie sind
physisch von einander getrennt, sitzen zu Hause vor ihren Bildschirmen und
schicken einander "in realtime" erotische Nachrichten via Internet.
Viele Leute, die daran teilnemen und erotische Beziehungen im Internet
entwickeln, finden das äußerst aufregend, und manche erfahren es
sogar als Offenbarung.'
[88]Sherry Turkle, 'Die Wunschmaschine. Vom
enstehen der Computerkultur', Reinbek bei Hamburg 1984
[89]Dietmar Kamper, in: Gumprecht, Kamper, Wulf
(HG), 'Ethik der Ästhetik', Berlin 1994
[90]Marie-Anne Berr, 'Technologie und
Imagination', Seite 188, in: Gumprecht, Kamper, Wulf (HG), 'Ethik der
Ästhetik', Berlin 1994
[91]In einem 60er Jahre Holywoodfilm besiegt
Hercules die Medusa, deren Anblick alles zu Stein werden läßt, indem
er sie in seinem Schild spiegelt und versteinert. Dies ist zwar mythologisch
nicht ganz korrekt, aber doch ein schönes Bild für die Funktionsweise
des Computers.
[92]Sowohl der Computer wie das Internet sind
militärische Entwicklungen und entsprechend strukturiert. Die Techniken
des Ausschlusses werden bei den systematischen Ausgrenzungen zukünftiger
Nutzungen der elektronischen Kommunikation ihre Funktion erfüllen Ein
Professor am Rechenzentrum der Universität Hannover forderte bereits in
einem Zeitungsinterview (Prof. Helmut Pralle in: Hannoversche Allgemeine
Zeitung 6. März 1997) ein eigenständiges Spezialnetz für
HighTec-Funktionäre und ausgesuchte WissenschaftlerInnen, d.h. einen Teil
der vorhandenen Kapazitäten nur einem ausgesuchten Klientel
zugänglich zu machen. Dies bedeutet auch einen Ausschluß von dem
dort diskutierten Wissen. Die Struktur des Internets bietet gerade für
solche Aus- und Einschlüße optimale Vorraussetzungen, weitaus eher
als ein Buch, im Internet kann sowohl eine Schreib- wie eine Lesegenehmigung
individuell erteilt werden. In diesem Sinn ist das Internet auch Schild einer
'Eliten'gesellschaft – einer Gesellschaft mit Ver-Club-ungstendenz.
[93]vgl. Sigrid Weigl, 'Die Stimme der Medusa',
Hamburg 1989
[94]Der Computer produziert eben die
Funktionalität der Rationalität die allgemein als männliche
gefaßt wird, also das sehr beschränkte Feld symplifizierender
Sachzwanglogiken, eine Rationalität die mit Verstehen nur noch sehr wenig
zu tun hat. Es ist offensichtlich irrational, sich auf Schlachtfelder in Massen
hinzumorden, nichtsdestotrotz ist dies in der symplifizierten Struktur
männlicher Rationalität rational. Will ich in einer computerisierten
Welt bestehen, muß ich aber gerade diese männliche Trugschlußlogik
anwenden lernen.
[95]Julia Kristeva, 'Die Revolution der
poetischen Sprache', Seite 71, Frankfurt 1987
[96]ebd. Seite 56
[97]ebd. Seite 56
[98]'Elchtest', genau dieser Fehler lag der
Konstruktion der A-Klasse von Mercedes zugrunde. Das Neuwagenmodell wurde nur
in der Computersimulation getestet.
[99]ebd. Seite 71
[100]Cora Diamond [HG], 'Wittgensteins
Vorlesungen über die Grundlagen der Mathematik – Cambridge 1939',
Witgenstein Schriften 7, Frankfurt 1978
[101]Das Scheitern der Ansätze
Computerprogramme zu entwickeln die mathematische Beweise generieren verweist
auf diesen Zusammenhang. Der Computer ist nur zu analytischen
Schlüßssen fähig, d.h. er kann nur beweisen was in der
Programmstruktur bereits angelegt ist, neue Begrifflichkeiten kann er nicht bilden.
[102]Nach einem Aufsatz der Autorinnen Andrea
Cornwall und Nancy Lindisfarne, 'Dislocating masculinity: gender, power and
anthrpology' aus: 'Dislocating masculinity', London 1994.
Das Buch geht aus
von der dekonstruktivistischen Kritik der Geschlechtsidentität und
ergänzt und kritisiert diese aus dem ethnomethodologischen Blickwinkel.
Ins Blickfeld geraten dabei vor allem die Unterschiedlichkeit und
Variabilität geschlechtlicher Identitäten.
[103]Ludwig Wittgenstein, Werkausgabe Band I,
Seite 278, Frankfurt 1984
[104]Entsprechend ist auch der Begriff der
Familieähnlichkeit, im ursprünglichen Sinn dieses Wortes, also der
Ähnlichkeiten innerhalb einer Familie, unter dem Kuratel des
gentechnokratischen Datenstrings inzwischen eindeutig gefaßt, obwohl auch
dieser Eindeutigkeit keine Realität entspricht. Wittgenstein ging
offensichtlich noch von einer anderen Vorstellung aus.
[105]Informatikduden, siehe Fußnote 13
Seite 6.
[106]Die ausgeführten Strukturen, die
symbolischen Deutungen der Computertechnologie, sind vor allem für den
Auf- und Ausbau dieser Technik wesentlich. Ist die Technik einmal etabliert
sorgt die Macht des Faktischen für den immer weiter ausufernden
Fortbestand, selbst wenn die Irrationalität zunehmend ruchbar wird. Ein
Beispiel für diesen Ablauf ist die Automobilisierung. Aber auch wenn das
Symbolische im Rahmen der Veralltäglichung in den Hintegrund tritt ist es
doch als ursprünglich die Struktur konstituierendes weiter wirksam.
Zuletzt aktualisiert 30.02.2009
Wieso die Kritik der Computertechnologie sich als falsch erwiesen hat!
Das eine fundamentale Kritik der Computertechnologie Unsinn von LuditInnen ist, die zurück in die Steinzeit wollen, wurde zum Glück bereits in den 80er Jahren erkannt. Schließlich hat die Computertechnologie alle Erwartungen übertroffen und alle Kritiken überholt.
Schaut wir uns doch die Computertechnologie-Kritik der 80er Jahre an. Und schaut wir, was aus dieser Kritik der Computertechnologie real eingetroffen ist.
Die Kritik der Computertechnologie behauptete damals in den 80er Jahren, durch die Fixierung von Jugendlichen auf Computer würden diese ein Denken rein in Ja/Nein-Schemata lernen und dadurch konfliktunfähiger werden.
Hat die Kritik der Computertechnologie recht behalten?
Nein, die Kritik der Computertechnologie hat nicht Recht behalten, oder haben wir etwa ein Gewaltproblem an Schulen? Nein, die SchülerInnen sind so sozial und kommunikativ wie noch nie.
Ein anderer Kritikpunkt der Computertechnologie-KritikerInnen in den 80er Jahren war, daß durch die Fixierung auf virtuelle Welten, der Bezug zur Realität bei Jugendlichen gestört werden könnte und diese nicht mehr realisieren würden, was sie an Leid und Schmerz Anderen zufügen.
Und ist diese Kritik der Computertechnologie eingetroffen?
Nein, auch diese Kritik der Computertechnologie hat sich als Unsinn erwiesen, oder gibt es heute etwa extreme Gewalt zwischen Jugendlichen oder Amokläufer? Nein die Jugendlichen verhalten sich vorbildlich, wie in einem Computerspiel.
Die KritikerInnen der Computertechnologie behaupteten in ihrer Kritik damals auch, die Computertechnologie würde zur massenhaften Dequalifizierung von Arbeitskräften führen und die Spaltung der Gesellschaft in Arm und Reich weiter verschärfen, dadurch das massenhaft niedrig qualifizierte Jobs, Arbeitslosigkeit und wenige hochqualifizierte Jobs entstehen würden.
Ist diese Kritik der Computertechnologie irgendwo eingetroffen?
Nein, natürlich ist auch diese Kritik der Computertechnologie nicht eingetroffen. Alle Menschen in diesem Land profitieren immer mehr vom wachsenden Wohlstand.
Hartz IV-EmpfängerInnen darf man da nicht mitzählen, die sind schließlich selber schuld.
In der Kritik an der Computertechnologie in den 80er Jahren wurde auch vor einem ausuferndem Überwachungsstaat gewarnt.
Und haben in diesem Punkt die KritikerInnen der Computertechnologie Recht behalten?
Nein, im Gegenteil, die Computer sorgen für unseren Schutz, noch nie wurde unsere Freiheit so gut bewacht wie heute, die Totalüberwachung durch Computertechnologie ist heute gerade der Garant unserer Freiheit. Die Überwachung durch Staat, Geheimdienste, Arbeitgeber, Sozialämter, Ausländische Regierungen und ihre Dienste, durch die Konsumindustrie, und, und .. sichert unsere Freiheit.
Die Kritik der Computertechnologie war in diesem Punkt absolut im Unrecht.
Was die KritikerInnen der Computertechnologie damals Alles glaubten ist erstaunlich. Da wurde in der Kritik die Befürchtung geäußert, durch die Computertechnologie würde das Denken in Zahlen und Kennziffern immer weiter um sich greifen und Menschen würden zunehmend nach Kennziffern sortiert und aussortiert werden.
Und, ist diese Kritik der Computertechnologie irgendwo eingetreten?
Wie lange jemand studiert hat, wieviel er/sie wiegt, wieviel er/sie verdient, was für Noten er/sie hat, wen interessiert das, das ist doch überall irrelevant. Die Kritik der Computertechnologie hat auch hier Unrecht behalten.
Oder gehören Sie auch zu denjenigen, die diesen Verleumdungen glauben, daß selbst die Pflege alter Menschen im Minutentakt berechnet wird, das ist ja nun offensichtlich ein Computertechnologie feindlicher Mythos der ewig gestrigen KritikerInnen.
Die BefürworterInnen der Computertechnologie versprachen damals in ihrer Entgegnung an die KritikerInnen, daß Alle bald nur noch 20 Stunden arbeiten müßten.
Und kennen Sie Menschen, die mehr arbeiten?
Sie sehen, die BefürworterInnen hatten Recht und die KritikerInnen der Computertechnologie hatten Unrecht.
Die BefürworterInnen der Computertechnologie versprachen bereits in den 80er Jahren, daß Menschen von allen körperlich anstrengenden Arbeiten entlastet würden, diese Arbeiten würden Roboter übernehmen. Und haben Sie nicht gegenüber den KritikerInnen Recht behalten?
Oder glauben Sie den Berichten von Schiffsabwrackungen in Bangladesch, Kohlenminen in Südafrika und neuen Dienstleitungsberufen in der BRD und ihre extremen Schädlichkeit für die Gesundheit. Das sind doch alles Fälschungen böswilliger Alt-Ökos.
Sie sehen, daß auch hier die BefürworterInnen der Computertechnologie und nicht die KritikerInnen Recht behalten haben.
Die BefürworterInnen der Computertechnologie haben auch damals schon gesehen, daß durch die Vernetzung und neuen Medien weltweit die Demokratie eine ganz neue Qualität erreichen würde, auch dies wollten die KritikerInnen nicht sehen. Dabei hat die Computertechnologie dazu geführt, daß viel mehr Menschen durch direkte Demokratie an Entscheidungsprozessen beteiligt sind.
Oder wollen Sie etwa bestreiten, daß die Computertechnologie sich als der schnellste Weg zur Durchsetzung von Basisdemokratie erwiesen hat, ganz im Gegensatz zur Meinung der KritikerInnen, die die Computertechnologie als Herrschaftsinstrument kritisiert haben.
Die Demokratie war doch noch nie so demokratisch wie heute und die Kritik der Computertechnologie hat sich auch in diesem Punkt als total falsch erwiesen.
Die Regierungen lassen überall basisdemokratisch, die Menschen entscheiden. Und die Gerüchte über die Abnahme der Wahlbeteiligung auf Grund zunehmender Ignoranz der PolitikerInnen gegenüber WählerInnen ist auch wider so eine Lüge der alternden KritikerInnen der Computertechnologie, der TechnikfeindInnen, die die Schöne Neue Welt nicht akzeptieren wollen.
Wie Sie sehen, haben die KritikerInnen der Computertechnologie aus den 80er Jahren in allen Punkten Unrecht behalten und die BefürworterInnen hatten in allen Punkten Recht.
Ansich müßten Alle inzwischen begriffen haben, daß die Computertechnologie eine Erfindung ist, die die Gentechnologie und die Atomtechnologie weit übertrifft.
Die KritkerInnen der Computertechnologie hatten einfach Unrecht.
Und dies gilt natürlich auch für die KritikerInnen, die sich nicht so sehr auf die Computertechnologie als reale Technik sondern als Diskurstechnik bezogen haben, also auf das Denken und Handeln im Sinne der Computertechnologie ohne direkt Computer zu nutzen.
Die Befürchtung der KritikerInnen war, daß Menschen anfangen könnten, wie Computer zu denken. Das Menschen wie Computern zu 'Computern gemacht werden könnten. Und das Menschen durch Biotechnokraten zunehmend als Computer betrachtet weden könnten.
Heute wissen wir aus der Neurologie, daß nichts menschlicher ist, als sich wie ein Computer zu verhalten.
J. Djuren
Hannover 2008
Dies ist SATIRE!, für Alle, die das noch nicht gemerkt haben, weil Computer dies ohne Smylies nicht verstehen können.
Und noch ein paar Links, was Ihr im Netz findet zu den Themen Computertechnologie & Kritik, Computertechnologiekritik;
- Unter - http://www.nadir.org/nadir/archiv/Technologiekritik/datenkritik.html - Externer Link zu den Stichworten Computertechnologie & Kritik - und - http://www.nadir.org/nadir/archiv/netzkritik/literaturliste.html - Externer Link zu den Stichworten Computertechnologie & Kritik - und - http://homepage.univie.ac.at/frank.hartmann/Essays/Kittler.htm - Externer Link zu den Stichworten Computertechnologie & Kritik - und - http://www.zes.uni-bremen.de/homepages/rmueller/downloads/
bis1989/Der%20amputierte%20Mensch%20(1985).pdf - Externer Link zu den Stichworten Computertechnologie & Kritik - und - http://www.uni-rostock.de/fakult/philfak/fkw/iph/thies/KI.html - Externer Link zu den Stichworten Computertechnologie & Kritik - und - http://www.umwaelzung.de/arbeit.html - Externer Link zu den Stichworten Computertechnologie & Kritik - und - http://ezines.onb.ac.at:8080/quint/pub/97-02-13/scryptorium/communication/07.html - Externer Link zu den Stichworten Computertechnologie & Kritik - findet Ihr kritische wie unkritische zu dem Thema Computertechnologie & Kritik, Computertechnologiekritik.
- Unter - http://www.filmspiegel.de/filme/existenz/existenz_1.php - Externer Link zu den Stichworten Computertechnologie & Kritik - findet Ihr Hinweise zur heute üblichen Medien- und Computertechnologiekritik bzw. der gesellschaftlichen auswirkungen, die alle wesentliochen Punkte verfehlt, da es ihr an minimalsten kritischen Bezugnahme auf die Kritik der 80er Jahre mangelt.
- Unter - http://lernen-mit-notebooks.bildung-rp.de/informationen/
computertechnologie-und-schule.html - Externer Link zu den Stichworten Computertechnologie & Kritik - und - http://www.trend.infopartisan.net/trd1000/t251000.htm - Externer Link zu den Stichworten Computertechnologie & Kritik - und - http://www.transmediale.de/page/exhibition/exhibition.1.3.3.html - Externer Link zu den Stichworten Computertechnologie & Kritik - und - http://www.bundestag.de/dasparlament/2006/07/Kehrseite/001.html - Externer Link zu den Stichworten Computertechnologie & Kritik - findet Ihr Texte & .. in denen die typische vollständig unkritische und naive Computeraffirnmation zum Tragen kommt.
- Unter - http://www.fitug.de/news/1997/lutz0.html - Externer Link zu den Stichworten Computertechnologie & Kritik - und - http://www.freitag.de/2003/06/03061801.php - Externer Link zu den Stichworten Computertechnologie & Kritik - und - http://blog.juergen-luebeck.de/archives/113-Die-paranoide-Maschine.html - Externer Link zu den Stichworten Computertechnologie & Kritik - findet Ihr Texte, die bestimmte negative Aspekte (z.B. Überwachungsstaat) die zum wesentlichen Zweck gehören, für den die moderne Computertechnologie entwickelt worden ist, kritisieren ohne eine kritische Begriff der Computertechnologie zu haben.
- Unter - http://www.uni-ulm.de/uni/intgruppen/memosys/lpl06.htm - Externer Link zu den Stichworten Computertechnologie & Kritik - findet Ihr Texte, die die richtige Kritik teils in ihr Gegenteil verkehren.
- Unter - Kein Link vorhanden - findet sich bei Google Computertechnologiekritik. Das heißt es gibt keinen einzigen Link. Wenn die zur Zeit wichtigste neue Technologie durch ein Minimum an Kritiktexten abgedeckt wird, zeigt dies, wie weit die Selbstzensur in den Köpfen und die Unfähigkeit zum kritischen Denken inzwischen geführt hat, Dank Computertechnologie haben offensichtlich die meisten der Millionen deutschen InternetnutzerInnen ihren kritischen Verstand bezüglich Computertechnologie ausgeschaltet. Bei Yahoo wird als einzige, diese Netzseite, bzw. es werden Links zu dieser Netzseite angezeigt.
- Unter - http://www.glossar.de/glossar/z_computer.htm - Externer Link zu den Stichworten Computertechnologie & Kritik - und - http://www.nzz.ch/2006/06/23/em/articleE8H4A.html - Externer Link zu den Stichworten Computertechnologie & Kritik - und - http://www.zeit.de/2005/27/Sasser - Externer Link zu den Stichworten Computertechnologie & Kritik - und - http://www.scienzz.com/ticker/art3917.html - Externer Link zu den Stichworten Computertechnologie & Kritik - und - http://www.kr8.de/compgen.htm - Externer Link zu den Stichworten Computertechnologie & Kritik - findet Ihr Texte zur Geschichte und aktuellen Entwicklungen der Computertechnologie, die meisten AutorInnen scheinen kritisches Denken offensichtlich als eine Fehler anzusehen, und feiern weitestgehend simpel affirmativ die Computertechnologie.
- Unter - http://www.dieuniversitaet-online.at/dossiers/beitrag/news/
computertechnologie-als-gegenstand-und-aufgabe-der-medienpadagogik/251.html - Externer Link zu den Stichworten Computertechnologie & Kritik - und - http://lernen-mit-notebooks.bildung-rp.de/informationen/
computertechnologie-und-schule.html - Externer Link zu den Stichworten Computertechnologie & Kritik - und - http://homepage.univie.ac.at/christian.swertz/texte/diss/diss_abstract.html - Externer Link zu den Stichworten Computertechnologie & Kritik - findet Ihr Texte zur Computertechnologienutzung in der Pädagogik, auch hier liest sich manches eher als Technikpropaganda.
- Unter - http://www.civwiki.de/Computertechnologie_(Civ3) - Externer Link zu den Stichworten Computertechnologie & Kritik - und - http://www.civwiki.de/Computertechnologie_(Civ4) - Externer Link zu den Stichworten Computertechnologie & Kritik - findet Ihr was unter Computertechnologie in der Spielewelt der Computertechnologie phantasiert wird.
- Unter - http://www.uni-muenster.de/Medienpaedagogik/lesenswertes/mesoptamien.htm - Externer Link zu den Stichworten Computertechnologie & Kritik - und - http://www.kunsthalle-bonn.de/ausstellungen/vatikan2/pr_pm_d.pdf - Externer Link zu den Stichworten Computertechnologie & Kritik - und - http://oncomputer.t-online.de/c/11/98/53/56/11985356.html - Externer Link zu den Stichworten Computertechnologie & Kritik - findet Ihr Texte zu Anwendungen der Computertechnologie.
Zur Kritik der Computertechnologie findet Ihr unter diesem Stichwort nicht so einfach Texte.
- Unter - http://www.etk-muenchen.de/ - Externer Link zu den Stichworten Computertechnologie & Kritik - und - http://www.akweb.de/ - Externer Link zu den Stichworten Computertechnologie & Kritik - und - http://antville.medien.uni-weimar.de/filmkritik/ - Externer Link zu den Stichworten Computertechnologie & Kritik - und - - Externer Link zu den Stichworten Computertechnologie & Kritikhttp://www.attac.de/gats/ - und - - Externer Link zu den Stichworten Computertechnologie & Kritikhttp://www.neuekritik.de/ - und - - Externer Link zu den Stichworten Computertechnologie & Kritikhttp://www.filmundkritik.de/ - und - http://www.poesieundkritik.de - Externer Link zu den Stichworten Computertechnologie & Kritik - findet Ihr Texte zur Kritik von Filmen, Theater, gesellschaftlichen Verhältnissen und mehr.
- Unter - http://www.infomed.org/pharma-kritik/index.php - Externer Link zu den Stichworten Computertechnologie & Kritik - und - http://aids-kritik.de/ - Externer Link zu den Stichworten Computertechnologie & Kritik - und - http://www.focus.de/finanzen/boerse/aktien/gehaltsplus_aid_70007.html - Externer Link zu den Stichworten Computertechnologie & Kritik - und - http://www.jod-kritik.de/ - Externer Link zu den Stichworten Computertechnologie & Kritik - und - http://www.ritalin-kritik.de/ - Externer Link zu den Stichworten Computertechnologie & Kritik - und - http://www.mlwerke.de/me/me13/me13_003.htm - Externer Link zu den Stichworten Computertechnologie & Kritik - und - http://de.wikipedia.org/wiki/Kritik_der_reinen_Vernunft - Externer Link zu den Stichworten Computertechnologie & Kritik - findet Ihr Kritik zu Pharmaka, AIDS Virushypothese, Autos, Scientology, Top-Managern, Jod, Ritalin. Politische Ökonomie und den Wiki zur Kritik der reinen Vernunft.
- Unter - http://de.wikipedia.org/wiki/Kritik - Externer Link zu den Stichworten Computertechnologie & Kritik - findet Ihr den Wiki zum Begriff Kritik, die AutorIn blendet aber reale Interessengegensätze und eine politische Kritik die darauf basiert aus, und vernachlässigt auch den Zusammenhang von Form und Inhalt. Das heißt Kritik die die Form kritisiert wird natürlich auch die Form verweigern, eine Verständigung setzt dann vorraus, das beide Seiten sich darüber im Klaren sind, daß ihre Aussagelogik eine andere ist als ihres Gegenübers.
Computertechnologie Kritik. Netzkritik / Computerkritik / Informatikkritik / Informationstechnologiekritik unter dem Blickpunkt posstrukturalistischer Dekonstruktion der Geschlechter und zu: feministisch Feminismus Informatik Informatikkritik Computer binäre Logik Pornographie Cyborg Cyborgs Judith Butler Luce Irigaray von Jörg Djuren
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