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Am unteren Ende dieser Seite findet Ihr noch einen kurzen satirischen Text - Wieso die Kritik der Computertechnologie sich als falsch erwiesen hat!
Die moderne Technik eine
Drachenschlange zu töten
Der Computer als Instrument der Symbolproduktion

Dieser Text ist nicht viele,
dieser Texte ist nicht. Laß Dich nicht verführen – Komm.
'Das Verhältnis vom
Mensch zur Maschine wird in der Computerwerbung häufig dem Verhältnis
vom Mann zur Frau analog gesetzt. In diesem Zusammenhang sprechen wir
bewußt von dem "Verhältnis vom Mann zur Frau", da es sich
um eine einseitige aktive Beziehung handelt – so wie auch die Beziehung
vom Mensch zur Maschine einseitig aktiv ist.
Die Unterstützung der
Gleichsetzung Mensch gleich Mann sowie Maschine gleich Frau geschieht in
Sprache und Bildern. Eine in der Sprache beliebte Variante sind die Wortspiele
um das Begriffspaar "man – mouse". (Are you a man or a mouse?)[1]
Wobei mit 'mouse' sowohl 'die
Frau', als auch das Bedienungsgerät benannt wird.
Auf dieses Verhältnis wird
im folgenden noch genauer einzugehen sein.
Die Frau, seine Frau, ist aber
nicht nur, das Mausi-Schatzi, sie wird, in die Jahre gekommen, auch sein Hausdrachen.
Ein Statussymbol, das er neben seinem Auto auf den Witzseiten der
Regenbogenpresse ausstellen kann.
Der Drache oder die
Drachenschlange ist mythologisch, die vom Ritter/ Prinzen/ Helden zu
bezwingende weibliche Potenz[2]. Wenn der Drachen
(umgangs_sprachlich für: böse Schwiegermutter, nudelholzschwingende
Ehefrau etc.) das Verschwiegene der Frau bedeutet, dann wird seine Tötung
als ihre Kastration verstanden. Erst, wenn der „Drache“ tot ist,
fällt die Jungfrau dem Krieger zu. Der lebendige Drachen in ihr ist
Zeichen für ihre feurige, d.h. auch sexuelle Kraft. Wenn diese erlischt,
kann der Bezwinger sich ihr gefahrlos nähern und sie in seine Geschichte
vom Helden, der die Jungfrau vor dem Ungeheuer rettete, überschreiben. In
diesem Kontext gilt die Drachenschlange deshalb als Symbol der nichtphallischen
Macht[3]. Sie steht für
das, was ausgeschlossen wird aus den Diskursen der Macht.
Es ist zu begreifen, daß
gerade das Ausgeschlossene (als Verschwiegenes) konstitutiv ist für die
Machtdiskurse. Die Aufrichtung des Phallus als dem einen, eindeutigen Symbol
erfordert den Ausschluß des eigenen Konstitutionsprozesses und die
Ausgrenzung des 'Restes', der nicht zu vereindeutigen ist. Diese Funktion ist
in die Diskurse eingeschrieben, sie ist in ihnen materialisiert[4]. Sie konstituiert das
und basiert gleichzeitig auf dem, entsprechend diesem Ausgrenzungsprozeß
organisierten, Geschlechterverhältnis. 'Die Frau' wird dabei synonym mit
dem Ort des Uneindeutigen, dem Ort der Symbolproduktion, dem Semiotischen;
durch sie (hindurch) werden diese `geheimen` Produktionsstätten angeeignet.
Eben in/durch diesen Prozeß
werden diese Produktionsstätten aber auch produziert. Das Weibliche, die
weibliche Potenz, das Poetische als das Andere, der Wahnsinn, der Körper,
u.a. gebären sich selbst im Akt des heterosexuellen Begehrens, der
Schaffung der Norm, und der Geburt des Phallus und des Geistes. Für den
Wahnsinn und die Sexualität wird dies von Michel Foucault in seinen
machttheoretischen Schriften[5] dargestellt. Judith
Butler führt diesen Zusammenhang für die Körper und die
heterosexuelle Geschlechtlichkeit aus, 'Der Körper im Spiegel stellt
keinen Körper dar, der sich sozusagen vor dem Spiegel befindet: Der
Spiegel produziert, selbst wenn dies von dem nicht-repräsentierten
Körper "vor dem Spiegel" ausgelöst wird, jenen als seine
delirierende Wirkung – ein Delirium, nebenbei gesagt, das zu leben wir
gezwungen sind."[6]
Wieso nicht Traumdenken lieben. die fleckige Klarheit der verbogenen Spiegel in den Spiegeln und ihre Verzerrungen, den Umschlag der Rationalität/Intellektualität, die übersprudelnd fallend sich selbst widerspricht mit Lust und dadurch begreift – auch sich selbst. Zaubern ist machbar, was heißt Anarchie – Herrschaftsfreiheit – die Spiegel aus Scherben teilweise blind.
Judith Butler weist auch auf
Möglichkeiten zur Sabotage der oben dargestellten Kraftversorgung der
Symbolproduktion. Ausgehend von der Karthographierung des Körpers (seiner
Zerlegung in sexuell attraktive, anzügliche, obszöne, verworfene
u.s.w. Teile) erweitert sie das System der Zeichen um die Dimension der
(lebens- und bewußtseinsschaffenden) Materialität der Zeichensysteme
und verweist auf die Möglichkeit des irregulären Spiels mit ihnen,
auf die Möglichkeit der Okkupation des Phallus – also der Enteignung
der besitzenden Klasse. Dies gilt es zu nutzen, nicht für die Herrschaft
des (diesmal weiblichen) Proletariats, sondern für den Kurzschluß
der Symbolproduktion.
Natürlich ist es nicht
einfacher, ein rigides und in uns eingebranntes Zeichensystem zu verändern
als, sagen wir, ein technisches Artefakt. Die materielle Widerständigkeit
der Zeichensysteme ist erheblich größer, aber wie schon
ausgeführt, funktioniert die Mechanik der Diskurse über das
Verschweigen ihrer Konstitutionsbedingungen (also Ausschluß und
Linearität b.z.w. Eindeutigkeit). Und das ist ihr empfindlichster Punkt.
In ihm liegt der Beginn der Revolte.
Aber zurück zu unserem
technischen Artefakt Computer.
In diesem Text wollen wir zeigen,
daß der Computer im ausgehenden 20. Jahrhundert zur zentralen 'Technik'
der Aneignung von Realität über Symbole wird und damit den Ort der
'Frau' einnimmt. Der Computer sichert und erzeugt eine spezifische
Symbolproduktion, die mit Techniken von Ausschluß und Vereindeutigung
arbeitet. Er restauriert die Ordnung der Eindeutigkeit, die Ordnung des
Phallus. Damit ist er (der Rechner) eine Technik, die in der
neopositivistischen Tradition ihre Grundlegung hat. Der Zweck dieser Technik
ist die Modernisierung der Herrschaftsverhältnisse. Die Organisierung und
Realisierung der Geschlechterverhältnisse ist darin ein wesentliches Ziel.
Eine Perspektive, aus welcher der
Computer als progressives und gar avantgardistisches Werkzeug erscheint, lehnen
wir ab.
Durch den Computer wird die
Funktion des Ausschlusses sowohl in Hard- wie in Software materialisiert. Die
Materialisierung des Ausschlusses im technischen Artefakt ist eine Methode, die
Machtzugänge in den Diskursen selbst zu monopolisieren und zu
hierachisieren. Die Monopolisierung der Macht durch die Informations- und
Kommunikationstechnologien geht dabei weiter als die Entsprachlichung, die mit
der Einführung der Schriftsprache einherging und der Monopolisierung der
Symbolproduktion durch eine Priesterkaste. Im Computer ist die Binarität
in der Hardware festgelegt, sie ist damit auch dem Zugriff der Schreibknechte
und -mägde, mit dem schönen Titel InformatikerInnen, entzogen. Es
sind auch nicht diese, sich selbst bereits als neu PriesterInnenklasse
feiernden[7], sondern ihre
AuftraggeberInnen, denen dies zugute kommt.
Das Was das traf das Wo
im Clo
Das Was sprach nur ganz leise;
"Oh."
Das Wo
ertränkte sich betrübt im Clo.
Das Was das blieb nur Wo?[8]
10011110110000..
Nachdem ihr Computer auch die zweite Übersetzung in Binärcode nicht verstand, stellte sie ihn in den Garten.
Um diese Zusammenhänge zu
klären ist es notwendig, die Symbolkonstruktion Frau/Mann und Computer zu
betrachten. D.h. die Frage des Übergangs von der alten symbolischen
Ordnung in die Neue Ordnung zu klären. Nur so ist es auch möglich,
das, in der neuen alten Ordnung wiederum, Ausgeschlossene zur Sprache zu
bringen. Unser Ziel ist dabei die Ausschau nach Sabotagemöglichkeiten der
technisierten Symbolproduktion.
Der Schatten der Medusa -
die Mythologie MenschMaschine
Das einleitende Zitat von Bigga Rodeck
spricht auf die Verknüpfung von Frau und Maschine an und dient damit als
eine Illustration der Verschiebung des Semiotischen von der Frau zur Maschine.
Deutlich vernehmbar wird dieser
vielfach angereizte Zusammenklang auch in den Bildern, mit denen das
Bedrohliche der MenschMaschine thematisiert wird.
Reich bebildert widmet sich der
Kinofilm 'Der erste Kontakt' aus der Serie Star Trek[9] dieser Thematik: Die
Erde wird von den Borgs bedroht, einer Art MenschMaschinezombies. Die Borgs
sind Cyborgs; ihr Ziel ist es, die Menschheit in ihr Kollektiv zu integrieren
(d.h. zu verschlingen).
Das Borgkollektiv wird
zusammengehalten von der Borg, sie ist Die Borg, alle Borg. Im ersten Bild
schwebt sie als Frauenkopf mit Maschinenrückratschwanz und zuckenden Eingeweiden
von der Decke. Um ihren (oder aus ihrem) kahlen Kopf winden sich
Schläuche, die die Erinnerung an das Medusahaupt evozieren sollen. Doch
dieses eine Zitat reicht noch nicht. Es ist auch der „ fischige“
Unterleib der Frau, der hier ins filmische Spiel aufgenommen wird. Ihr
„Schwanz“ ist analog zu dem der Meerjungfrau, der Sirene, Nymphe
etc.. Alle diese mythischen, legendenhaften Gestalten bedrohen die Kontrolle
des Mannes über seine Potenz. Sie wollen ihn in die Tiefe des Meeres
(lies: in den vorsprachlich-uteralen Zustand) hinabziehen.
Bekämpft wird Die Borg von
Data, einem guten alten (d.h. phallisch/männlichen) Roboter/Androiden und
Captain Picard, der Verkörperung des männlich humanistischen
Intellekts. Der Kampf gilt dem Schutz des Erfinders des Warpantriebes (der
Wunsch nach unbegrenztem Verkehr und nie versiegenden Energieressourcen stand
für diese Antriebsidee Pate), um ihm mit seiner Rakete den 'ersten
Kontakt' ( mit einer extraterrestrischen Hochkultur) zu ermöglichen. Der
Erfinder, ein 'sympathischer' sexistischer, saufender, pissender,
rülpsender 'alter Hurenbock', ist eine der Identifikationsfiguren im Film.
Er ist neben Picard der
Mann-Mensch schlechthin. In dieser virtuellen Zukunft, die wir als Spiegel der
Gegenwart betrachten, ist Sexismus und die Funktion der Ausscheidungsorgane
gerade das spezifisch menschliche, das diese von der Maschine unterscheidet.
Einer Maschine, die biologisch verschmutzt, d.h. als Cyborg, zu Medusa wird,
die die humanistischen Individuen zu verschlingen trachtet.
Morgens früh, sich noch einmal
umdrehen, die Laken wenden und die Kühle auf der Haut spüren. Leichte
und angenehme Empfindungen aufsteigend aus dem Bauch, ein Glucksen,
Lichtstrahlen fallen durch die Vorhänge. Beim Strecken und Anspannen ein
Gefühl zwischen Lachen und Schmerz im Becken.
Durch die Wimpern blinzeln.
Körper, Antikörper als
Panzer oder als Ungenügen. Die Borg als Fleisch ist Schmutz ist 'Frau'.
Die Bilder tauchen auch an anderer Stelle auf. In der Tamponreklame, Always
– damit sie sich sicher fühlen, im AIDS-Diskurs und im Cybersex,
Entfleischlichung der Lüste im Computerzeitalter.
Die Sicherung der Grenzen wird
für das Individuum zentral. Das Identitätsdispositiv im
Posttaylorismus ensteht aus den Diskursen des regulären Grenzverkehrs.
Selbstmanagement, AIDS, Computertechnologie und Asylpolitik produzieren dieses
Individuum als Effekt der Kontrolle über die Grenzen, der Arbeitswelt, der
Sexualität, der Kommunikation oder der Staatszugehörigkeit, in einer
Gesellschaft in der funktionale und örtliche Identitäten in
Auflösung begriffen sind. Die Infragestellung dieses Dispositives der
Macht, die Irregularisierung oder gar Ablehnung dieser Grenzen,
ungeschützter Geschlechtsverkehr, mangelnde Identifikation mit den wechselnden
Arbeitsverhältnissen, offene Grenzen für Alle, oder die Einforderung
eines Sprechens über den Austausch von Datenstrings, der
Orgasmustauschrelation, hinaus, wird zum Denkverbot, istlatent wahnsinnig,
zumindest aber hoffnungslos romantizistisch.[10]
Hast Du dir jemals mit den Lippen über die Haut gestreichelt.
Es ist die Bedrohung und Lust,
die von einer möglichen Verunklarung der Grenzen zwischen Mensch und
Maschine, Intellekt und Körper ausgeht, von der Verfleischlichung des
Intellekts, die auch das phallische Subjekt angeht, mit der der bereits
erwähnte, Science-Fiction-Film arbeitet. Eine Bedrohung, die in unserer
Alltagswahrnehmung immer mehr Raum einzunehmen scheint.
Ob pränatale Genscanns zum
Zwecke der Produktion bestassimilierter Organismen, ob Pläne für
künstliche Gebärmütter, genmanipulierte Lebensmittel oder eben
die Berauschungen im Cyberspace, Internet etc. – all diese Dinge haben
uns schon mehr oder weniger erreicht und tun ihre Wirkung auf das, was uns
aktuell erregt und interessiert.
Das Erregende im Film ist die
Medusaborg (die Fraumaschine) und der Kampf, der gegen sie geführt wird.
Sie nährt sich und ist gleichzeitig Nährerin des Borgkollektivs, das
sich aus ehemals hochzivilisierten, mündig und besonnen handelnden
Sternenflottenmitgliedern zusammensetzt. Unter ihrer Königinnenherrschaft
verschwinden ihre Einzelmerkmale, ihre individuellen Geschichten und Geschicke;
einmal in den Borgkorpus assimiliert, werden sie Dronen (so der im Film
gebrauchte Terminus), die nur einen Auftrag kennen: zu arbeiten für die
Expansion des Kollektivs (durch die Borgifizierung noch vitaler Individuen).
Warum aber ist die Königin
böse und warum muß es eine untote Frau sein?
Die vorgängige Konstruktion
heißt, daß wir es mit einer Rachegöttin zu haben. Denn sie
wurde uns ja nicht als eine beliebige Borg vorgestellt, sondern als die Summe
aller möglichen Borgs, als die Urborg. Sie entstammt einer Art kosmischem
Hades und die Schlauchschlangen um ihren Kopf sind Insignien ihres
Erinnyengeschlechts.

Die antike Mythologie kennt die Erinnyen
als Rächerinnen des ungesühnten Opfers. Nach der platonischen Wende,
die den Logos als höchsten Wert und die Installierung des monotheistischen
Prinzips zur Folge hat, stehen sie immer mit leeren Händen da. Der Opferer
bleibt unauffindbar, da er immer schon in die Sphäre des Logos eingegangen
sein wird und die Materie (die Erinnyen, die Frauen) seiner dort nicht habhaft
wird.
In den Computerpraxen und ihren
Methoden, den lebendigen Körper der Frau zu okkupieren, ohne Gefahr zu
laufen, selbst körperlich involviert, verschlungen, entmachtet etc. zu
werden, ist dieser Bedeutungshintergrund virulent. Dies gelingt über die
paradoxe Wiederkehr des Körpers im Bild[11]. Der Körper der
Frau wird als virtuelle, tote Materie angeeignet, als ein Opfer gebracht (damit
die Maschine läuft), von dem endgültig keine Rache mehr zu erwarten
ist. Die Pandorisierung der Frau (ihre paradoxe Existenz als lebende Tote,
hohles Gefäß) kommt zu ihrem Abschluß.[12]
Denken wir an unverfängliche
Computerwerbung, an Coputerpornographie oder Cybersex: Da taucht der Mund einer
Frau als Diskettenlaufwerk, in das vom Nutzer (Wie sollte es eine Frau sein?)
die Diskette hineinzuschieben ist, auf, da ist im Informatikduden die Rede vom
'EVA-Prinzip:
Eingabe
– Verarbeitung – Ausgabe'[13], und in der
'virtuellen Realität' wird Marylin Monroe simuliert, da Männer
aufgrund ihrer kantigen Gesichtszüge einfach zu schwer abzubilden sind[14]. Die Programme mit
dem ganz neuen Lustgewinn geben darüber hinaus eine Vielzahl an
Penetrationsmöglichkeiten der 'Virtual Valerie'[15] an die Hand. Die
immer anspruchsvoller werdenden graphischen Oberflächen der Programme
simmulieren dabei eine Realität die zunehmend als die wahre Wirklichkeit
erscheint.
Die 'Frau' tritt als virtuelles
Bild in das Medium wieder ein. Der Nutzer scheint zwar den realen Körper
der Frau nicht mehr zu brauchen, da er ihn virtuell selbst (und besser als
jedes Original sein kann) produzieren kann, aber als eigentlich Lebendes bleibt
er unabdingbar. Nur als solches kann er seine Gefäßfunktion für
eine Realität erfüllen, die der binären Logik nicht Untertanin
ist, Unsinn ist und doch ihr (der binären Logik) Ausgangspunkt, Vorteig.
Im Computer, in der virtuellen
Bilderwelt, werden nur die eingestanzten Abbilder, dieser Büchse der
Pandora, der 'Frau' übernommen, nur ihr äußeres 'schönes'
Abbild. So erscheint sie nun als durch und durch hohl.
Der Computer okupiert das
Ausgeschlossene durch die Kennzeichnung im Binärcode, 30 – 80
– 120 Idealmaß, und entwertet es damit ein zweites Mal. Die 'Frau'
existiert nur noch als Untote, als Wiedergängerin, die ihr Leben gegeben
hat, um die Maschine zu bewegen. Bedrohlich wird sie nur in der
Grenzüberschreitung, dem Verweis auf das Fleisch, den Hinweis auf den
Ausschluß ihrer Existenz. Die Cyborgs sind Erinnyen, aber als solche
immer schon zum Scheitern verurteilt. Das Fleisch bleibt verworfen.
Beim Kuchenbacken gehe ich meist von einem
Grundrezept aus, variiere die Anzahl der Eier, die Art und Menge des Mehls und
der Margarine, füge statt angegebener Zutaten Marmelade und anderes hinzu,
schmecke den Teig noch etwas ab, und lasse ihn dann etwa bei der Hitze backen,
die ich für richtig halte, bis er fertig ist. Die Kuchen schmecken
normalerweise sehr gut.
Natürlich läßt sich ein
dezidiertes Rezept angeben. Nur würden die Kriterien für den
Austausch der Zutaten nicht viel weiter helfen; Erfahrung, Ausprobieren, weil
die Sonne scheint, weil der Kuchen für Brankica ist.
Es gibt auch Kuchen ohne Eier und ohne
Margarine oder ohne Mehl.
Was ein Kuchen ist?
Das läßt sich am besten mit dem
Begriff der Familienähnlichkeit von Wittgenstein begreifen. Der Begriff
der Familienähnlichkeit verweist auf das Problem des Auseinandertretens
von Zeichen und Bezeichnetem. Im letzten Abschnitt dieses Artikels wird dies
unter Rekurs auf Wittgenstein und Kristeva genauer ausgeführt.
Vater sagt, er würde das nie begreifen. Frauen haben das im Blut.
In der Funktion der
Symbolproduktion als Herrschaftstechnologie liegt daher der zentrale 'Nutzen'
der Computer- und Informationstechnologien. Der mythische, religiöse
Hintergrund ist kurz skizziert worden und
zeigt sich auch im Umgang mit denen, die sich dem neuen großen
Agitationsraum verschließen. Dies stellt auch die technologiekritische
Feministin Petra Sabisch fest:
'Meines Erachtens haben all
diese Verheißungen des neuen (Subversions-)Fortschrittglaubens
religiösen, oft sogar mythischen Charakter: Einerseits können all
die, die "draußen" stehen, nicht an dem wahren und einem
Gefühl des Cyberrausches teilnehmen und sie werden dementsprechend als die
diese Einzigkeit verhindernden Technik-Feinde im Vorhinein gebrandmarkt (..)
Andererseits wird all das, was Cyber-topia verspricht, gleichzeitig schon
vorausgesetzt und erneut beschworen: eben dieses Fünkchen mehr an
Kommunikationsfertigkeit, diese total tolle Teilhabe am
gemeinschaftsübergreifenden virtuellen Schlaraffenland.'[16]
Und wenn dies alles nicht hilft,
dann hilft vielleicht direkte Drohung: 'Eins ist klar, wenn sich die Frauen
nicht in die Computerzukunft einmischen, sind sie die Analphabetinnen von
Morgen'[17]
Die modernen Computer- und
Informationstechnologien führen zur Stabilisierung und nicht etwa
Verwischung der Geschlechterdifferenz. Ein zentrales Unterscheidungskriterium
ist darin wieder einmal der biologische Körper, dessen Geschlecht über
den möglichen sozialen Ort entscheidet, an dem er sich je aufzuhalten hat.
Der männliche Körper vor dem Bildschirm korrospondiert mit der
weiblichen Ikone im Bildschirm. Der entleibten Frau bleibt dabei als sozialer
Ort nur noch ein Unort der Nichtexistenz als virtueller Körper, damit der
männliche Intellekt auch als Datenstring noch etwas zu beißen hat.
"Auch die Frauen haben
Lust im Cyberspace"[18]
Computer-Pornographie als
Remythologisierung
Wir sehen Computer-Pornographie
in diesem Kontext als eine Form der Rückbindung des Computers (der neuen
Mythologie) an die alten Metaphern.
Um diesen Durchfluß der
Symbolproduktion zu ermöglichen, muß der Computer zum sexuierten
Objekt werden.
D.h., der Computer ist nicht im
eigentlichen Sinn Sexualobjekt, er dient vielmehr als Spiegel des
Männlichen. Das in der Maschine Verwahrte ist weiblich entsprechend sicher
muß es verwahrt werden. Einmal außer Kontrolle hilft nur noch
Schwarzenegger[19]. 'Eve 8 außer
Kontrolle', 'Species' u.a. Kinofilme der letzten Jahre zeigen das Bild des
Bösen, als das Bild der Fraumaschine, die den ihr zugewiesenen Ort
überschreitet. Die außer Kontrolle geratene Technik wird synonym zur
alles verschlingenden weiblichen Potenz.
Die für die männliche
Reproduktion funktionalen Bilder der Frau als Heiliger und Hure werden in
dieser patriarchalen Moral überführt in die ebenso funktionalen
Klischees der Frau als guter Natur und böser Cyborg. Die Gefahr geht von
der lebenden Maschine aus, der Cyborg, der untoten Wiedergängerin und
nicht von ihrer virtuellen, immer schon toten Schwester. Eine Fraumaschine
muß kontrolliert werden.
Die Wiedergängerin ist auch
hier wieder unter das Kuratel des männlich humanistischen Intellekts zu
stellen.[20]
Pornographie und Computer werden
von uns als funktionale Instrumente
zur Aneignung von Wirklichkeit verstanden, im Sinne einer Aneignung über
das Symbolische. Computerpornographie und Cybersex verknüpfen die beiden
Funktionssysteme von Pornographie und Computerkultur. Es geht hier damit um die
Einbindung von Sexualität über Pornographie und Computer in die
Produktion von Macht und Herrschaft. Es geht um den Zugriff auf Realität
über Symbole und die spezifische Funktion von Computerpornographie in
diesem Zusammenhang und die damit einhergehenden Verschiebungen. Cybersex und
Computerpornographie sind Teil eines Sexualitätsdiskurses in einer
Normalisierungsgesellschaft, wie sie von Foucault gefaßt wird: „Die
Sexualität befindet sich genau an der Kreuzung von Körper und
Bevölkerung. Folglich gehört sie zur Disziplin, zugleich aber
gehört sie auch zur Regulierung.“ [21]
Der Computer als Kommunikations-
und Informationstechnologie ist eine doppelte Disziplinartechnik.
Er diszipliniert als in den
Alltag diffundierte Maschine sowohl die Körper wie die
Handlungsabläufe; und als Phantasmengenerator wird er zur Kontrollinstanz
des Imaginären. Dabei bedient sich die Disziplin der Techniken der
Anreizung. Alles geschieht freiwillig; in der Freiheit der Konsumentscheidung
und des Angebotes.
Daraus ergibt sich auch en
passant eine Diffusion der öffentlichen in die privaten und der privaten
in die öffentlichen Räume. Das Freizeitgeschehen, am Computer beim
Internetsurfen oder Spielen oder Masturbieren, ähnelt den Abläufen am
Computerarbeitsplatz. Ein gesteigerter Spaßwert bei der Arbeit ist eine
effiziente und beabsichtigte Folge. Die Priorität liegt freilich bei der
Arbeit, die jedoch von Abhängigkeit und Ausbeutung gereinigt erscheinen
soll.
Daß die Bedingungen, unter
denen wir zu arbeiten gezwungen sind, entscheidenden Einfluß auf unsere
Leben haben, ist bekannt und jetzt anscheinend in Vergessenheit versenkt
worden. Wenn nun also, wie behauptet, die computergestützte Arbeit im
Zeichen der Freiwilligkeit steht (mit Hilfe von Selbstmanagement, Lean
Production, prinzipieller Übernahme von Verantwortung), verändert sie
auch unser ästhetisches Empfinden und mithin unsere Wünsche und
Begehren und die Praktiken ihrer Erfüllung.
Die beiden Felder
Öffentlichkeit und Privatheit, unter der Bedingung ihrer Besetzung durch
Computertechnologie, verändern somit sowohl die Gebrauchs- und
Tauschwertbeziehungen hinsichtlich Körper und Sexualität als auch das
darin eingelassene Geschlechterverhältnis. Die symbolische Ordnung wird
dabei durch die Warentauschbeziehungen und die binäre bzw. einwertige
Logik[22] als die allgemeinen
Formen der Aneignung von Realität bestimmt[23].
Insofern haben nun auch Frauen
Spaß am Cybersex, ja dies wird geradezu zum Ausweis einer gelungenen
Subjektkonstitution. Das 'autonome' Subjekt definiert sich über seinen
Tauschwert. Die dogmatisch frigide Feministin, die nach wie vor auf sexueller
Leiblichkeit jenseits von Warentauschrelationen besteht, wahrt, als genital
unterentwickelte, nicht die Grenzen. Ihre Impertinenz trifft auf amorphen
Haß.
Die Besetzung der Realität
durch den Computer wird über die Verbindung Frau-Computer
rückgebunden an die Inbesitznahme von Natur durch die Frau (hindurch). So
wie man begann, die brache Natur zu kultivieren, um ihren Wildwuchs zu
verhindern, sollte die 'wilde Frau', die mit der unbehandelten Natur verbunden
wurde, begrenzt und als Kulturacker begehbar gemacht werden. Gleiches gilt
für die Innektierung der Frau im Computer. Sie ist hier vollständig
kontrollierbar, nicht etwa nur durch das Prinzip Strafe und Gehorsam, sondern
durch ihre Entkörperung und Verarbeitung als Software.
Aber so wie die Natur immer
wieder als Übermächtige immaginiert werden muß, um die eigene
Größe in ihrer Überwindung zu bestätigen, ist auch nur
eine Technologie von erregendem Interesse, die mit dem Absturz droht. Die wahren
Meister(Hacker) arbeiten unter Ausschluß der üblichen
Sicherheitsstandarts.
Aufwachtraum – Lippen berühren
die Haut feucht – K kitzelt F mit der Zunge an den Fußsohlen
– Du beißt in ein Ohr, schmeckst – Fingernägel gleiten
den Rücken entlang – ein Hauch die Oberschenkel hoch über das
Becken zum Bauch – nach hinten gebogen, ineinander
verschlungen – angespannt – Erinnerung, das Zittern der Haut – Angst – trotzdem erfaßt – zurückweichend – aneinander entlanggleitend – sanft die Brust fester umkreisend – umhergeworfen – ein Biß in den Nacken – der Atem immer schneller – Hände und Haare überall – Öffnungen ertastend – fallend – angespannt – zitternd aneinander gepreßt – umschlungen entgleiten – anspannen ein bißchen – ein Drücken aneinander – pressen – Umschlungen mit naßem Körper und Haaren – ein drängendes Zucken einander mitreißend – ineinander versinkend – Aufgabe – Auflösung – ein Bein guckt unter dem Laken hervor, ein Fuß, ein Arm, eine Schulter – dann sitzen, anschauen – "Was hast Du denn da?" – Lachen
Eine andere Quelle bietet die
Geschichte der Anfänge der Ökonomie.
Ausgehend vom Frauentausch als
einer ersten Form der Tauschwertbeziehungen kann aufgrund der Symbolisierungen
von Natur über die Frau, damit auch eine erste Form der Aneignung der
allgemeinen Lebensumwelt, ihre Subsummtion unter die Logik der
Tauschwertbeziehungen, gefaßt werden. Die Frau, bzw. der Frauentausch,
wird damit zur Matrix der Aneignung der Realität unter der einwertigen
Logik.
Dieser Zusammenhang findet sich
in der beginnenden Neuzeit in den Umbrüchen im Frauenbild und im
Naturverständnis[24]; er ist wirksam bis
in unsere Zeit hinein[25], insbesondere was die
Symbolisierungen in der Frau anbelangt.
So spricht Sir Francis Bacon z.B.
im 17. Jahrhundert über die experimentellen Wissenschaften in Metaphern
der inquisitorischen Folter von Frauen[26].
In der Moderne wird die Aneignung der Natur zunehmend sexuell gefaßt, im Begriff der
richtigen, heterosexuellen Sexualität.
Die Aneignung, die Inbesitznahme
der Frau und des in ihr Symbolisierten wird gefaßt über die
Pornographie. Die Pornographie hat in diesem Kontext in ihrer modernen Variante
die doppelte Funktion der phallischen Besetzung der Frau und der Besetzung des
über die Frau Symbolisierten.[27]
Die Form der symbolischen
Darstellung der Besetzung eines Ortes durch den Phallus läßt sich
auch in der exzessiven Darstellung des männlichen ejakulierenden Gliedes
im pornographischen Filmen,[28] aber auch in seinem
Ersatz durch diverse Werkzeuge in pornographischen Computerspielen finden[29]. Es geht in diesen
Bildern, die sich in Abschwächung auch in der Werbung wiederfinden,
durchaus um die reale Besetzung von Orten, d.h. männlicher Dominanz im
öffentlichen wie privaten Raum. Eine Besetzung, die gerade auch durch die
Präsenz pornographischer Bilder in diesem Bereichen sichergestellt wird.[30]
Das Internet ist ein
solchermaßen besetzter öffentlicher Raum
Urscene -
Die Eltern – K. und A.L. – ..
– das ist selten geworden – gemütlicher Abend
- Schnitt -
Im Fernsehen Familie Sanders –
fernseheguckend – im Bett – K Sanders sitzt, seine Frau neben ihm
schaut ihn an -
K. und A.L. finden die Darstellung der
älteren halbnackten zur fettleibigkeit neigenden Sanders unappetitlich
- Schnitt -
Nun fängt K. Sanders angeregt durch
einen Porno im Fersehen auch noch an seine Frau zu betatschen. -
Der Porno wird in Großdarstellung
gezeigt und regt auch den Vater vor dem Bildschirm an.
- Schnitt -
Im Kinderzimmer liegt das Kind verkrampft
im Bett und versucht, ohne die Hände zu benutzen, zu masturbieren. –
Leise, damit nichts zu hören ist.
- Schnitt -
Vater kommt langsam in Fahrt. Er hat noch
einen Porno aus dem Schlafzimmerschrank geholt. Seine Frau wartet auf die
Werbung. -
- Schnitt -
Das Kind nähert sich dem
Höhepunkt. -
- Schnitt -
Im Fernsehen ist Werbeunterbrechung. Das
Junge Paar aus der AIDS-Werbung. -
An den jungen Mann denkt jetzt A.L., wenn
sie ihren Mann ansieht. -
- Schnitt -
K. Sanders und seine Frau, die auch A.L.
heißt, kommen auch langsam zum Höhepunkt – wasserlassend -
K. und A.L. schalten aus – sie sind ja nicht pervers – eine gesunde Sexualität ist wichtig – dabei denken sie an das Kind. – Diese Sexualität wird den Opfern sexueller Gewalt genommen. – Das entsetzt auch K. und A.L..
Tabuisierung, Prüderie und
Pornographie sind zwei Seiten ein und derselben Politik. Pornographie als ein
'Sprechen anstatt', greift ineinander mit der Tabuisierung von Sexualität,
der Verhinderung des eigenen Sprechens, Benennens. Sie ist die Fortsetzung der
Enteignung der eigenen Sexualität im doppelten Sinne, im Sinn der Verhinderung,
Überlagerung eines eigenen Diskurses, und im Sinne der direkten Enteignung
und Umdeutung der wenigen vorhandenen Bilder auf die herrschende Norm.[31]
Der Sexualitätsdiskurs dient
dabei der Übermittlung sehr viel weitergehender Botschaften. Als Machtdiskurs
setzt er nicht unwesentlich die Bedingungen für Teilhabe an
gesellschaftlichen Prozessen. Welche die psychosozialen und -sexuellen Zeichen
nicht mehr zu lesen versteht, wird deshalb ja auch Analphabetin[32] genannt.
Der Computer übernimmt in
der Moderne zusehends die Matrixfunktion, d.h. der Computer ersetzt die Frau
und den auf sie bezogenen Sexualitätsdiskurs in ihrer Funktion der
symbolischen Besetzung und Aneignung der Realität. Er wird ein sexuiertes
Objekt, da der Aneignungsdiskurs ein phallischer bleibt.
Er ist in diesem Sinn eine
Maschine zur Steigerung des Wahrheitswertes[33], eine Maschine mit
der zentralen Funktion der Transformation von Wissen in Wahrheit, eine Maschine
zur Aneignung, d.h. hier Enteignung, bestehenden Wissens. Die Aneignung,
Enteignung, erfolgt über die Verfremdung, die Formung entsprechend der
maschinellen einwertigen, binären Logik und über die damit verbundene
computergestützte Steigerung des Wahrheitswertes.
Darin enthalten ist die
zielgerichtete Organisation des Wissens und damit seine ideologische
Überformung. Diese Struktur ist nicht neu, auch für andere
Wahrheitsfindungen, z.B. für die Gottesbeweise im Mittelalter, ließe
sich ähnliches sagen. Neu ist die Materialisierung im technischen Artefakt,
d.h. die Objektivierung im Wortsinn. Damit wird ein Objekt ('die Frau'), in dem
die Wirklichkeit und ihre Aneignung symbolisiert werden kann, zunehmend
überflüssig.
Die im Computer materialisierte
einwertige Logik wird selbst zu ihrem primären Objekt. Dies zeigt sich
darin, daß der Computer dem männlichen Nutzer als evokatorisches
Objekt dient[34]. Im Computer, durch
den Computer, kann sich der Phallus selbst spiegeln (eine Art Konservierung des
Spiegelstadiums, einhergehend mit einer immerwährenden jubilatorischen
Gewißheit über das eigene Selbst).
Als es aufwachte,
schnitt das Spiegelbild Grimassen.
Es schaute ganz ernst,
aber es ließ sich nicht beeindrucken.
Im Restaurant wäre das peinlich gewesen.
Im Netz (im Internet) erreicht
diese Spiegelung ihren Höhepunkt in einem Reden, das sich durch Belang-
und Bezuglosigkeit auszeichnet. Der/die NutzerIn kann sicher sein, nicht einmal
von den eigenen Sätzen über längere Zeit belästigt zu
werden.
Das Internet ist die
Vervollkommnung einer Kommunikationstechnik, die uns schon lange vertraut ist
– das Telefonieren.
Was das Telefon mit der
Realisierung der Tötung des Objekts Frau im technischen Artefakt zu tun
hat, untersucht Gerburg Treusch-Dieter. Ihre Analysen führt sie auf
die Spur Ingeborg Bachmanns und deren Roman Malina :
'Denn damit, daß das
'Bindewort' Frau zwischen Malina und Ivan am Telefon endgültig beseitigt
wird, werden Geschlecht, Körper und Ort abgehängt. Der Schaltkreis
der Macht verselbständigt sich bis hin dazu, daß er körperlos funktioniert.
Diese Körperlosigkeit scheint diejenige der Macht zu wiederholen, doch mit
dem Unterschied, daß sie nicht mehr über die Frau vermittelt ist.
Das vom Vater ausgehende Wort wurde durch ihren Körper 'weitergesagt'. Sie
gebar die Sprache des Sohnes, von der sie zwar als Körper ausgeschlossen
war, doch unter der Bedingung, daß sie innerhalb dieser Sprache als
körperliche Differenz funktionierte, über die sie mit dem Sohn
verbunden war, obwohl er das körperlose Wort repräsentierte. [..]
Beseitigt innerhalb des Schaltkreises der Macht, der den Körper der Frau
ausgeschaltet hat, nimmt das Telefon an dem Punkt ihre Stelle ein, wo die Frau
im Teufelskreis der Macht das – totgesagte – Mittel der Vermittlung
ihrer göttlichen Triade im Himmel, wie auf Erden war.'[35]
Das Opfer hinterläßt
nicht einmal mehr eine Blutspur oder einen Schrei, dem die Erynnie
hinterhersteigen könnte. Die Drachenschlange kann sich in ihr (der durch
das technische Artefakt eroberten Jungfrau) nie mehr regen, weil sie (die JF)
immer schon tot war. Gut für den Nutzer.
Es kann getrost von einer
Monopolisierung der Möglichkeiten, Handlungsmächtigkeit zu erlangen,
gesprochen werden. Menschen, die heute eine radikale Technologiekritik
versuchen, sehen sich verschiedensten, einander widersprechenden Vorwürfen
ausgesetzt. Einmal sind sie PC-FanatikerInnen, die sich (und vor allem anderen)
durch naive Technikfeindlichkeit, neue Lüste und angebliche
Tabubrüche versagen. Dann wieder sind sie reaktionäre
Lokalbürokraten, die an der Weltengemeinschaft und der ganz sicher damit
verbundenen Nivellierung von jedweder sozialer (usw.) Disharmonie nicht
mitarbeiten wollen. Oder sie sind verantwortungslos und überlassen dieses
gefährliche Machtmittel jenen, die Mißbrauch damit treiben usw.usf..
Die Computernutzung könnte gleichsam ein notwendiges Kriterium werden, um
im elementaren Sinn gesprächsfähig zu bleiben.
Es geht also um die Aneignung der
Realität, und dies im Sinne der Enteignung; also um die Kontrolle und
Verfügung über die Realität.[36] Dabei wird die
Realität eindeutig bezeichnet. Wenn die Realität also der einwertigen
Logik unterworfen wird und das Symbol des Phallus dabei die signifikante Rolle
bei der Ausführung spielt, dann wird auch das Bedeutungsfeld des
Phallischen rigide verengt. Es dient nur noch der Ausmerzung der Vielstimmigkeit,
der Ambivalenz oder Vagheit und verwandelt polymorphe, libidinöse
Verstrickungen in plane Warentauschbeziehungen. Diese offenbare Reduktion der
phallischen Potenz ist denn auch eine Attraktion, die möglicherweise
irgendwann gespürt und gegen die dann vielleicht opponiert werden wird.
Die Neuen Medien arbeiten mit der
fatalen Strategie der massenhaften Trivialisierung und funktionieren hierin in
ähnlicher Weise wie das Fernsehen. Ihre Überlegenheit den
„alten Medien“ gegenüber, liegt in der angeblichen
Möglichkeit der aktiven Mitgestaltung des Geschehens auf dem Bildschirm.
Natürlich sind Handlungstränge, die verknüpft werden
können, durch die Anzahl der Programme beschränkt. Die Programme
ihrerseits sind nur Variationen eines Themas, aber das ist zu ignorieren.
Wichtig ist der Zugang zu freiem Konsum, der wiederum ein demokratisches
Grundrecht ist.

Das Ineinanderwirken von
Pornographie und Computernutzung fand bereits Erwähnung und ist eng mit
der Realitätsaneignung und der Hierarchisierung des Geschlechterverhältnisses
verbunden, dem Zugriff auf die Wirklichkeit über das Spiegelbild, den
Bildschirm.
Computer-Pornographie arbeitet
mit Zeichen, die über die alte symbolische Matrix gelesen werden, wobei
der Ort (das Computernetz) das Novum dartellt. Dieser Ort ist gleichzeitig
Medium für einen kreativen Akt, der die bis dahin legitime Wirklichkeit
(z.B. die der Subjekt-Objekt-Beziehung) hinter sich läßt und eine
Überwirklichkeit schafft, in der das Objekt nahezu eliminiert wird, –
und doch wird es dadurch auch bestimmt.
Die pornographischen Praxen, die
ausschließlich im Rahmen der traditionellen Symbolproduktion
ausgeführt werden und bloß die einfache Ausbeutung, Diffarmierung
und Beherrschung der Frau im Blick haben (also Prostitution, Pornographie in
Print-Medien, Vergewaltigung etc.) könnten dadurch in Mißkredit
geraten. Der Handel mit realen Frauen würde zum Skandal, zu einer Art
Geschmacklosigkeit. Die eigentliche, wahre (Ware) Sexualität würde
die in der Computerrealität erlebte, die Begegnung mit der künstlich zusammengesetzten
Bildschirmfrau würde ein Zeichen für gelungene Emanzipation, die
Ablösung von realen Frauen durch den Traum vom Cybersex, der
Sexualität im Data-Suit mit dem Computer, ein Beweis für die Ankunft
im neuen Jahrtausend.
Nun muß sich die, in diesem
Bild schmutzige, schwitzende, eigenwillige, sexuell minderwertige Frau messen
am Maßstab ihrer virtuellen Schwester. Doch die Lebende ist keine
Konkurrentin für die unsterbliche Untote. Die reale Frau wird zur immer
schon Unvollkommenen, von Anfang an Verworfenen. Sie ist in der
Symbolproduktion nicht einmal mehr als Aneignungsmatrix der Realität
notwendig.
'Schöne neue Welt: Sex
mit wem man will, wann immer man will, wie man will – der Computer
macht’s möglich. Cybersex ist das Zauberwort, das mehr und mehr
durch die Medien geistert, Phantasien, Hoffnungen weckt und ungehinderte
Lusterfüllung verspricht. Doch was ist nun wirklich daran, am Sex mit
Computern? Wie kommt es, daß die Vorstellung so viele Menschen so nachhaltig
fasziniert? Ein Computer bedeutet in erster Linie Macht und totale Kontrolle
– und wer hätte nicht schon mal davon geträumt, im sexuellen
Bereich die totale Kontrolle zu besitzen, sich den Partner absolut zu
unterwerfen. In der Sado-Maso- und Bondage- Szene wird genau dieser Aspekt
ausgelebt, die Macht wird zum dominanten Lust-Faktor. Auch wenn diese
Phantasien bei jedem vorhanden sind, mit der Umsetzung in die Realität tun
sich die meisten doch eher schwer. Wo finde ich den richtigen Partner, wie sage
ich es ihm oder ihr, und überhaupt – die Emanzipationsbewegung und
das gewachsene Selbstbewußtsein der Frauen macht es den Männern auch
nicht gerade einfacher, ihre vermeintliche Macht auszuspielen. Wie schön
ist es da doch, wenn mann seine persönliche Geliebte im Computer und damit
total unter Kontrolle hat.'[37]
'Cybersex ist ein sexuelles Schlaraffenland, in dem der Cybernaut von Fragen nach dem AIDS-Test, den rauhen Spülmittelhänden, dem Schweiß und fremden Gerüchen verschont wird.'[38] [39]